Seite - 158 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Band 8
Bild der Seite - 158 -
Text der Seite - 158 -
Haynau 138 Haynait
hatten Ueberraschung, bange Freude,
Angst und Hoffnung die Herzen der Be
lagerten bewegt. Um 8 Uhr Abends hielt
H. von einigen Schwadronen begleitet
seinen Einzug in die Stadt. Fackelschein
erhellte die Schutthaufen, die Volkshymne
tönte ununterbrochen, übertäubt von zahl-
losen Vivats, Eljen, Zivios. Es war ein
glanzvoller Abend in Haynau's Leben.
Es folgte die Uebergabe bei Vilagos, die
Flucht der Rebellen aus dem Lande, nach
dem sie das Palladium des ungarischen
Königthumes, die heilige Krone, an der
Grenze versenkt hatten. Das Gericht über
treulose Ofsiciere und Revolutionsführer
zu Arad und die Capitulation von Co-
mom endigten diese jammervolle Kata»
strophe des Bürgerkrieges. Es galt nun
im Lande die gestürzten Gewalten wieder
aufzurichten, die Rechtspflege herzustellen,
die socialen Verhältnisse in ihren Lebens-
gang zurückzubringen. Für das friedliche
Geschäft des Bindens und Bauens schien
H. nicht geeignet. Sein Nervensystem war
durch Physische und geistige Anstrengun«
gen erschüttert; die Eigenthümlichkeit
seines Charakters, die straffe Haltung sei-
nes Wesens brachen wieder hervor. Es
folgte seine Enthebung von dem Posten
als General-Gouverneur, bald darauf
seine Pensionirung. Er nahm Abschied
von dem Heere, in dem er !50 Jahre ge-
dient hatte und zog sich nach Gratz in die
Mitte der Seinigen zurück. Seinem leb-
haften Geiste war jedoch die Ruhe des
Privatlebens unbehaglich, er entschloß sich
zu einer Reise durch Europa, die er bis
nach Spanien ausdehnen wollte. In
London fand jene alle Civilisation ver»
höhnende Mißhandlung in der Brauerei
von Barclay und Perkins Statt, für
deren Strafe der englische Minister kein
Gesetz finden konnte. H. kehrte nach
Oesterreich zurück. Die Gnade des Kaisers hatte ihm ein Geschenk von 400.000 fl.
zugewendet. Von diesem Geschenke kaufte
sich H. eine Besitzung an der Theiß im
Szathmärer Comitate. Bei dem Aufent-
halte daselbst 4830 überkam ihn das dort
herrschende Fieber, von dem ihn die reinere
Luft Steiermarks nicht ganz herzustellen
vermochte. Er versuchte die Wafsercur in
Gräfenberg. Dort erreichte ihn, 1834.
die Trauerbotschaft von dem Tode seiner
Gemalin, mit der er 40 Jahre in glück»
licher Ehe gelebt. Als er km Laufe des
Winters zurückkehrte, war er gebrochen;
nur mehr ein Schatten seiner früheren
Kraft. Der Aufenthalt in Gratz hatte den
Reiz für ihn verloren, es zog ihn wieder in
die Ferne. Er ging nach Berlin, Brüssel,
Paris, wo er alle Ehren genoß. Die alte
Frische des Geistes, die volle Gesundheit
fand er erst in Italien wieder, als er
unter seinen alten Waffcngefährten frohe
Tage verlebte und in Florenz das milde
Klima genoß. Aus der Ruhe, die er dort
fand, wurde er durch die entsetzliche Nach»
richt von dem gegen Seine Majestät ver»
übten Attentate aufgeschreckt. Es drängte
Haynau, seinem Kaiser und Herrn seine
unerschütterliche Anhänglichkeit und Treue
an den Tag zu legen. Er reiste nach
Wien, und sah den Kaiser an jenem
segensreichen Tage, an welchem er zum
ersten Male öffentlich erschien, um sich
nach St. Stephan zu begeben und Gott
zu danken. Der Monarch ging auf ihn zu
und reichte ihm mit freundlichen Worten
die Hand, über die sicd H. tief und bis zu
Thränen gerührt bog. Es erfüllte die
Gnade des Kaisers seine Seele mit
Enthusiasmus, Rührung, Kraft und Hoff-
nung. Er erwartete noch eine Privat-
audienz bei Sr. Majestät und gedachte
nach Gratz zurückzukehren, als ihn in der
Nacht des 44. März in Wien plötzlich der
Tod überraschte. Ein Schlagfiuß hatte
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon