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Baynau 189 Haynau
seinem Leben ein rasches Ende gemacht.
Sein Leichnam wurde in Gratz beigesetzt;
ein einfacher Leichenstein bezeichnet die
Ruhestatte. Auf demselben aber würden
die Worte, mit denen ihn Zedlitz noch
bei seinem Leben gezeichnet hat, die pas-
sendste Inschrift bilden:
Ich bin von Holz, aus dem man Feldherrn
schneidet,
Bin schnell entschlossen, kraftvoll im Voll-
bringen,
Und setze muthig Alles an's Gelingen,
Weil Alles doch nur der Erfolg entscheidet.
Doch wie der Fuchs mit List die Eisen meidet.
So meid' auch ich die feingelegten Schlingen,
Oder durchbreche sie mit kühnem Ringen,
Blücher — in weißem Waffenrock gekleidet! —
Haynau's Leben ist von seinen Geg-
nern, den Stimmführern jener Völker,
die in ihm den Sieger fürchteten, oder
aber von Gefühlsmenschen beschrieben
worden. Niemand von den Genannten
bewahrte ihm gegenüber die objective
Anschauung, welcher im Leben eines Sol-
daten die Strömungen des Gefühles von
untergeordneter Art erscheinen müssen.
Eines echten Soldaten politische An»
schauung ist die fleckenlose Treue; sein
Staatsrecht der bündige Gehorsam; die
Lebenskraft seines Wesens der frische Muth.
Der Gehalt seiner Studien wird von der
Denkkraft allein bedingt, und drängt auf
Ergebnisse, welche von der Lage der Dinge
abhängen und principiell niemals der
Masse verständlich find. Haynau be>
währte die Treue für seinen Kaiser in einer
Zeit. als man den Verrath zur Tugend,
die Felonie zum Patriotismus stempelte.
Religiöser Fanatismus und Parteiwuth
haben ihn znr „Hyäne vonBrescia" und
zum „Blutrichter von Arad" gemacht, die
Zukunft wird ihn als einen unbeugsamen,
seinem Kaiser in unverbrüchlicher Treue
ergebenen General erscheinen lassen, der
im Kriege kein Erbarmen kannte, in der
Ueberzeugung, daß, wenn er statt der Sie« ger zu sein, der Besiegte gewesen wäre,
ihm nicht mit besserem Maße gemessen
worden wäre. Gegen die Blutgerichte,
welche die Ungarn mit jenen hielten, die
nicht mit ihnen gingen, verschwinden die
Aussprüche des Kriegsrechtes, welche H.
bestätigte, in Nichts. Haynau's vielfäl.
tige Verdienste wurden von seinem Kaiser
reichlich belohnt. Das Geschenk von
400.000 st. verwendete er zum Ankaufe
eines Gütercompleres, den er letztwillig
zur Gründung eines Fideicommiffes be-
stimmte, dessen Durchführung aber in
neuester Zeit durch die Wendung derVer-
Hältnisse in Frage gestellt worden ist ssehe
unten: V. Das Haynau-Fideiconuniß^;
ferner verlieh ihm der Kaiser das Com-
mandeurkreuz des Leopold-Ordens, den
Orden der eisernen Krone I. Classe, das
Großkreuz des ungarischen St. Stephan-
Ordens; auch wurde ihm schon in der
133. Promotion (am 29. Juli 1849) das
Commandeurkreuz des Maria Theresien-
Ordens zugleich mit dem Erzherzoge A l«
brecht und den Generalen Aspre,
Ie l lao iä, Puchner und Thurn ver»
liehen; dieser Auszeichnung folgte aber in
der 157. Promotion (26. März 1830) die
Verleihung des Großkreuzes. Die Inha»
berswürde des 57. Infanterieregiments,
vor ihm Mihal ievi ts, nach ihm Fürst
Iablonowski und gegenwärtig F ried>
rich Franz von Meckleuburg/Schwerin,
bekleidete er seit dem Jahre 1843. An
ausländischen Orden erhielt H. neben
zweien seines Geburtslandes, dessen ihm
verwandter Fürst ihm das Ritterkreuz
des eisernen Helm- und jenes des Militär»
Verdienft'Ordens, und zwar beide bereits
im Jahre 1813 verliehen hatte, das Mi»
litär-Großkreuz des kön. hannover'schen
Guelphen - Ordens . und die Brillant»
Decoration des kais. russischen Andreas»
Ordens. Aus seiner Ehe mit Therese
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon