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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Band 8
Seite - 165 -
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Sebbel 163 Hcbbel Dichtern beobachtet worden, welche die Keime jener Poesie, die später den Ruf des Jünglings und Mannes begrün- deten, in das Herz des Kindes legte. Sie erzählte ihm die alten Sagen und Ge> schichten des markigen Volksstammes, der bis zum Jahre 4339 sich von der deut- .schen Kaiserherrschaft unabhängig zu er» halten gewußt. Dazu gesellte sich mitwir- kend die gewaltige elementare Natur des Landes; die Nordsee mit ihren gespensti« schen Schrecken, den klappernden Stör» chen und heiser schrillenden Möven; der wenig freundliche Himmel mit seinen erd- fahlen Wolken, und die Natureindrücke des Maß- und Grenzenlosen machten sich in des Dichters Seele unbewußt geltend. Die Bibel war lange Zeit das einzige Buch, auf das er beschränkt war. Er hatte sie im Elternhause lesen gelernt und sie war lange Zeit das Alpha und Omega seiner Bildung, dazu kamen später einige Volks« bücher, wie jenes vom gehörnten Sieg- fried, von der Pfalzgräfin Genovefa, und wir finden in denselben die dem Dichter lieb gewordenen Gestalten, welcke er auch später in seinen Dichtungen hat auf» treten lassen; wir erinnern an die Judith, an Herodes und Mariamne, an Genovefa, oder wie sie in Wien umgetauft worden, Magelloue, u. dgl. m. Er hatte bereits das fünfzehnte Jahr erreicht und kannte die meisten Dichter des Volkes, unter denen er selbst glänzen sollte, kaum dem Namen nach. Er kannte sie nicht, weil in Wefselburen Niemand Bücher besaß, und komisch klingt es, zu ver» nehmen, wie er sich eines Abends herbei» ließ, einen Bekannten in das Haus seiner Geliebten zu begleiten, welches dieser allein zu betreten nicht wagte, um den Preis, über eine Nacht den Faust von Göthe zu erhalten, das einzige Erem- plar, welches sich in Wesselburen, und zwar unter der kleinen Büchersammlung desdortigenPfarrersbefand. Mit13Iah. ren wurde H. Schreiber beim Kirchspiel- Vogt seines Geburtsortes, und das ermü» dende Geschäft des Registrirens und Co- pirens stand im gewaltigen Gegensatze zu demDrängen seines schöpferischen Geistes. Einige Gedichte, welche er in jener Zeit geschrieben und an Amalie Schoppe in Hamburg zur Prüfung geschickt hatte, brachten eine Wendung im Geschicke des Jünglings hervor. Amalie Schoppe nahm die Gedichte in das von ihr heraus- gegebene Modeblatt auf und lud den jun> gen Dichter ein nach Hamburg zu kommen, welcher Einladung Hebbel auch folgte. Er zählte damals 22 Jahre, und nun hebt die Periode seiner Ausbildung an, die bei seinem vorgerückteren Alter und ernsten Willen kürzer dauerte. In Ham- burg begann er seine Studien, und Rosa Mar ia , Varnhagen's Schwester, die sinnige Dichterin, sorgte daselbst mutier« lich für ihn. Nach einigen Jahren begab er sich auf die Hocbschule in Heidelberg, wo er sich vornehmlich dem Studium der Geschichte und deutschen Literatur wid« mete, welches er dann in München fort- sehte. Schon in Heidelberg versuchte er sich in der ersten größeren Production und schrieb die Novelle „Annn" (1836). Nach und nach erschienen auch mehrere poetische Arbeiten und die genannte Novelle im Stuttgarter „Morgenblatte", wo sie die Aufmerksamkeit auf den noch wenig be- kannten Poeten lenkten. Aber noch hatte Hebbel nicht gedacht, unter die Literatm zu gehen, sondern betrieb in München anfänglich ernstlich das Studium der Philosophie. Daß dieses einem grübeln, den Geiste wie dem seinigen auf die Lange nicht zusagen konnte, begreift sich leicht; so wie sie steht, bot sie ihm nicht den Ariadnefaden, ihn aus ihren Labyrinthen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Hartmann-Heyser, Band 8
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Hartmann-Heyser
Band
8
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1862
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
514
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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