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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Band 8
Seite - 166 -
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Hebbel 166 Zebbel herauszuführen; im Gegentheile, sein reicher, mit den Ergebnissen nie zufrieden gestellter Geist brachte nur neue Verwick- lungen in sie. So gab er sie denn auf und studirte eifrig Geschichte, alte und neue Literatur. Zugleich trieb aher sein schöpfe- rischer Genius poetische Blüthen, unter denen mitunter das Duftigste, was er je geschaffen. In diese Zeit seines Auftnthal- tes in München fallen neben mehreren philosophischen, doch tief poetischen Ge- dichten einige novellistische Arbeiten, als: „Oine Nacht im Jägerhause", „Ml Schneider- mei5ter Nrpomnk Schlüge! auf der Frcridenjagd". „Pllnl'5 merkwürdigste Nacht" und auch der Roman „Fchnock", der erst nach einigen Jahren aus dem Pulte erlöst wurde, weil sich kein Verleger fand, der ihn drucken wollte. Seinem Münchner Aufenthalte verdankt er auch die Conception seines Drama „Maria Nlagdalcila", dessen Aus» führung aber erst theils in seiner Heimat, theils in Frankreich stattfand. Der äußere Anlaß ward mit einer Scene im Hause eines Schreiners, wo er zur Miethe wohnte, gegeben. Des Schreiners Sohn wurde auf den unbegründeten Verdacht hin, gestohlen zu haben, 24 Stunden in Haft gehalten. Nachdem Hebbel in München die philosophische Doctorwürde erlangt hatte, begab er sich nach Hamburg zurück (1844), und mit diesem zweiten Aufenthalte in der alten Hansestadt be« ginnt Hebbel's Wirksamkeit für die deutsche Bühne. I n Folge einer literari« schen Wette entstand daselbst innerhalb 14 Tagen seine „Judith". Hebbel hatte mit dem fünften Acte die Arbeit begon- nen und demselben die übrigen vier Acte zugedichtet. Diese in verhältnißmäßig kurzer Zeit vollendete Dichtung erregte Aufsehen, und als sie in die Hände der berühmten Crelinger in Berlin kam, ruhte diese nicht eher, als bis das Werk auf die Bühne gebracht ward. Nun folg- ten „Genaneta", 13 Jahre spater in Wien unter diesem Namen zur Aufführung nicht zugelassen und also „Nlagellanc" ge» nannt, und der „Niamant", beide erst spä> ter durch den Druck veröffentlicht. Der zweite Hamburger Aufenthalt ist für un- sern Dichter nur noch durch die Lebens» gefahr, in die er gerieth, bemerkenswerth. Hebbel war nämlich Zeuge des großen Brandes und wurde von dem aufgeregten Pöbel für einen Engländer — diesen legte man dieBrandlegung zur Last —gehalten. Sein Plattdeutsch, womit er sich als Ein» heimischer legitimirte, rettete ihn vor dem Erschlagenwerdm. Bald darnach, um die Mitte 1842. begab sich H. nach Kopen- hagen, wo ihm sein junger, aber bereits schimmernder literarischer Name voraus« geeilt war. In Kopenhagen verkehrte er viel mitOehlens ch läger und Th o l> waldsen, und auch Christian's VIII. Huld hatte sich der Dichter zu erwarben gewußt. Der König verlieh ihm ein Reise» stipendium, um sich in Frankreich und Italien für die Kunst und das Leben zu bilden. 1843 bis Mai 1846 hielt sich H. in Frankreich und Italien auf. I n Paris, wo er anderthalb Jahre blieb, beendete er die in Kopenhagen begonnene Maria Magdalena. Mit einem Vorworte über das Verhältniß der dramatischen Kunst zur Zeit, kam das Drama bald nach sei» ner Vollendung in die OeffentliclMt, und es ist schwer zu bestimmen, ob Stück oderVorwort größeres Aufsehen erregten. Jedenfalls erschwerte Letzteres sehr Heb» bel's Standpunct in der Literatur, denn man erwartete in ihm den Messias des deutschen Drama's. Darzustellen, wie H. diesen Erwartungen entsprochen, ist nicht die Aufgabe des Lexikographen, aber in den Quellen (S. 172) stehen die Aussprüche der ersten Kritiker der verschiedenen Nationen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Hartmann-Heyser, Band 8
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Hartmann-Heyser
Band
8
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1862
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
514
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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