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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Band 8
Seite - 173 -
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Seite - 173 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Band 8

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173 der Kritik hier folgen zu lassen. Theodor Mundt in seiner „Geschichte der Literatur der Gegenwart" (2. Aufl., Leipzig 1853, Si- mion's Verlag. 8".) S. 713, schreibt über Hebbel: „Als einen in manchem Betracht verwandten und congenialen Geist haben wir neben Grabbe Friedrich Hebbel aufzu« führen, in dem eine bedeutende Ursprünglich» keit des poetischen Talents wirksam ist, und der zugleich von vorn herein die geistigen und künstlerischen Normen in sich trägt, die seinen Productionen auch den äußern Halt verleihen. Die Bestimmung seines Genius suchte er vor« zugsweise in der dramatischen Poesie zu ergrei» ftn und zu erfüllen, die er unter dem höchsten Gesichtspunct, alö thatsächlichen Entwicklungs' proceß der mit ihren Gegensätzen und Wider» sprüchen kampfenden Menschennatur, auffaßte und wieder zur Geltung bringen wollte. Er trat zuerst mit der Tragödie „Judith" (1841) hervor, in der, wie man auch über die Anlage und Durchführung dieses Stückes rechten mag, doch jedenfalls eine große Meisterschaft des dramatischen Styls an den Tag gelegt ist. Der Charakter der Judith, welche der Dichter einen so modernen Umschlag in sich erleiden läßt, indem sie mitten in der an Holofernes zu verübenden nationalen Nachethat von den eigenen Liebesgefühlen zu ihm überwältigt wird, bildet gewissermaßen den Grundstock der Probleme, welche den Dichter überhaupt in seiner Poesie beschäftigen. Seine dramatische Spekulation und Grübelei sucht nämlich am liebsten die Dialectik des geistigen und sinn» lichen Wesens des Menschen, namentlich in der Geschlechtssphäre auf. und ruft dann diesen urelementaren Widerspruch gcrn dahin zur Erscheinung, daß er an dem geisti« gen Element und mitten in demselben die Alles meisternde sinnliche Potenz aufzeigt, während er in der Sinnlichkeit die anbre- chende Herrlichkeit und Größe des Geistes feiert. So ist sein Holofernes ein colossales Kraftbild der Sinnlichkeit und alö Nepräsen» tant des elementaren Naturprincips zugleich der wahre Mann und Heros, der sich in über- legener Verachtung über den ihn umgebenden Händeln der Welt schaukelt, und dem Judith selbst, die von einem hohen sittlichen Princip ausgeht, und die mit der Stärke eines ganzen Volkspathos bewaffnet ankommt, in Bewun- derung und Schwäche unterliegen muß. Noch schlimmer ist der Sturz, welchen Hebbel seiner „Maria Magdalena" (1844) bereitet, in der eine edle schöne Natur, welche sich den Schicksalsschlägen gegenüber mit ihrer ganzen geistigen Größe bewaffnet, dem rein sinnlichen Moment erliegt, der sie gerade dem von ihr verachteten Manne überliefert. Diese Ge- schlechtsschicksals'Poesie ist reich an tiefsinnigen und genialen Momenten, wobei die besondere Kühnheit noch darin besteht, daß dieselben gerade durch die dramatische Darstellung und deren scharfe plastische Ver- wirklichung ausgeprägt werden sollen. In der Auffassung solcher Probleine hat aber diese Poesie nur ein rein pathologisches Interesse. Sie zeigt mit starrem Griffel die tiefsten Leiden der Menschheit auf, ohne den Raum für ihre ideelle Lösung offen zu lassen. Es fehlen hier die großen, eine unendliche Per« spectioe in sich tragenden Dimensionen, in dcnen die antike Schicksalstragödie und Sha« kespeare den Sturz der Menschennatur zu zeichnen pflegen. Hebbel strebt sonst darnach die Höhen der antiken und modernen Dra- matik durch eine neue Combination zu ver- binden und die Energie seines Talents möchte ihm unter allen neueren Dichtern die nächste Anwartschaft auf die Lösung dieser Aufgabe zuweisen. Aber in der „Judith" und „Maria Magdalena", wo er mit den äußersten Wider- sprüchen operirt, bricht er zugleich zu frag« mentarisch ab und schließt seine himmelstür» menden Experimente mit einem gewaltsamen Niederschlag der Ideen. In der „Judith" sind noch die hebräischen Volksscenen als vortreff» lich gelungen anzuführen, in der „Maria Magdalena" aber tritt besonders die Charak- teristik des alten Tischlers als eines der mei» sterhaftestcn Gebilde der neueren Poesie heraus. In der Tragödie „Genooeua" (1843) fehlt es ebenfalls nicht an bedeutenden Charakterzeich' nungen und einzelnen hochpoetischen Elermn« ten, aber die Anlage des Ganzen hat keine große Tragweite und ist überdies zu keiner rechten Einheit gelangt, da die moderne Auf- fassung dem mittelalterlichen und sagenhaften Ledensclement mehr widerstrebt, als dies bei einem hebräischen oder antiken Stoffe der Fall ist. Es folgte darauf die Komödie „der Diamant" (1847), die Tragödien „Herodes und Mariamne" (183U), „das Trauerspiel in Sicilien", eine Tragikomödie (1850), „der Rubin" (1«!W), „Julia" (1831). „Agnes Ber« nauer" (1832), in denm es sämmtlich auf eine originelle Eigenthümlichkeit der Compo» sition und auf eine große Manier abgesehen ist, ohne daß es jedoch zu entscheidenden und klar herausgearbeiteten Wirkungen käme. Auch
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Hartmann-Heyser, Band 8
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Hartmann-Heyser
Band
8
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1862
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
514
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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