Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lexika
Wurzbach-Lexikon
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Band 8
Seite - 174 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 174 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Band 8

Bild der Seite - 174 -

Bild der Seite - 174 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Band 8

Text der Seite - 174 -

Sebdel 174 Hebbel als lyrischer Dichter „Gedichte" (4842), „neue Gedichte" (1847) erscheintHebbel im reichen Ausdruck eineZ tiefbewegten Dichtergemüthes. Eine geniale Beleuchtung des Künstlerschick' schals unter den Bedingungen uon Wclt und Zeit gibt das kleine Lustspiel „Michael An« gelo" (1851). Auch das niederländische Ge< mälde „Schnok" (1830) ^nicht „Schnork", wie es bei Mundt heißt^ enthält viele anspre< chende und sinnige Züge." — Rudolph Gott ' schall, der sich, ohne Hebbel's Sck)wächen zu übersehen, unter seinen Kritikern am meisten auf seine Seile stellt, und sich in eine aus' sichtlichere Analyse der Werke des Dichters einläßt, vergleicht an einer Stelle Hebbel und Grabbe und schreibt: „Beide zeigen eine Vorliebe für das Bizane; doch es liegt bei Grabbe mehr in der Anordnung und Ausführung, bei Hcbbel im Stosse und im Gedanken; Grabbe wählt vorzugsweise hi' storische Stosse, Hebbel sociale; bei Grabbe wiegt der Sinn für die geschichtliche, bei Hebbel der Sinn für die ethische Bedeutung vor. Grabbe liebt große Charaktere, Hebbel ticfe; Grabbe gewaltige Collisionen, die äußerlich imponiren, Hebbel verschlungene Probleme, die innerlich beschäftigen; Grabbe zermalmt, Hebbel zerreibt. Wo Grabbc die tragische Keule schwingt, da wirkt Hebbcl mit tragischem Gifte von innen heraus. Beide lieben originelle, kräftige, knorrige Bilder, doch ist Grabbe schwunghafter und epigram» malischer, Hebbel bedachtsamer, bezeichnen« der, aber auch oft gesuchter. Grabbe über« trifft Hebbel bei weitem an Frische, Kraft, glühendem und hinreißendem Dichterfeuer; Hebbel übertrifft Grabb e bei weitem an künstlerischem Verstände in der organischen Gliederung der Dramen, in der architektoni» schen Vollendung, in der jedes Einzelne dem Ganzen dient. Bei Grabbe ist die drama» tische Collision ein Kampf der Kräfte, bci Hebbel ein Kampf der Gedanken; dort ein heroisches Titanenmaß, hier ein geistiges; dort Gestalten von riesigen Dimensionen, hier Gedanken von bedeutender Tragweite; dort kräftig geartete Naturen. die aufeinander platzen, hier fleischgemordene Dialektik in den feinsten Combinationen. Beide Dichter haben das gemeinsam, daß sie sich in den Extremen bewegen und die rechte Mitte der Schönheit und künstlerischen Harmonie verfehlen. Bei Gradbe liegt der Grund hiervon in einer krankhaften Eraltation der Phantasie, welche ihrem entzügrlten Schwünge rücksichtslos folgt. Bei Hebbel geht die Vorliebe für das Abnorme, Außergewöhnliche aus einem allzu grüblerischen Verstande hervor, welcher sich dadurch befriedigt fühlt, wenn er die Con- traste auf die Spitze treibt, wenn er über jäh aufgerissene Klüfte eine Brücke des Ge« dankens bauen kann. Ihn fesselt das Phäno- menartige, Pathologische; er docirt wie in der Klinik; er fühlt der Menschheit an den Puls und sucht an grellen Krankheitsbildern das Ideal der Gesundheit zu lehren. Doch während wir bei Grabbe oft den Balsam« hauch echter, erquickender Poesie fühlen, weht uns bei Hebbel oft eine dumpfe und schwüle Lazarethluft entgegen, in welche uns der Dichter, trotz unseres Unbehagens, mit krampf' hafter Nöthigung hineinreißt. Beide Dichter haben dt>m Häßlichen allzusehr gehuldigt. Bei Grabbe ist das Häßliche in der Ncgel die Verzerrung des Großen, das sich übernimmt; bei Hebbel die Entwerthung des gesunden und einfachen Empfindens und jeder mensch, lichen Courantmünze zu Gunsten eines Ge< fühles, daS sich nur in Ausnahmesituationen bewähren kann. und das uns seine kunstvoll aber seltsam geprägten Medaillen als alltäg- liches Tauschmittel aufdrängen will. Grabbe hätte niemals eine Tragödie von solchem in> ncren Zusammenhalte und dramatischer Con' scquenz schreiben künnev, wie Hebbel's „Maria Magdalena"; Hebbel nie eine Tra» gödie von jenem dichterischen Schwünge, jener poetischen Magie, wie Grabbe'6 „Don Juan und Faust". — An einer andern Stelle wirft Got t schall die treffende Bemerkung hin: „Hebbel ist ein großer dramatischer Denker. Um ein großer dramatischer Dichter zu sein, fehlt ihm wenig; aber dieß Wenige ist viel — das Maß und der Zauber der Schön» heit." — Ueber die „Judith" sagt er unter Anderem -. „So ist „Judith" keine heroische, sondern eine physiologische Tragödie, über» Haupt nur eine eventuelle Tragödie; denn die Heldin verlangt zwar von den Aeltesten Israels das Versprechen, sie zu todten, sobald es ihr eigener Wunsch sei, doch sie selbst deutet an, daß sie nur dann an dieß Ver» sprechen erinnern werde, wenn ihr Schooß fruchtbar sei. Im entgegengefetzten Falle wird man sich wohl an die Bibel halten dürfen, in der es heißt, daß sie hoch geehrt im ganzen Lande Israel war und ein Alter von hundert und fünfzig Jahren erreichte." — Die „Gencx vefa" nennt Gott schall die Tragödie der ehelichen Treue; „es ist das Institut der Ehe
zurück zum  Buch Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Band 8"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Hartmann-Heyser, Band 8
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Hartmann-Heyser
Band
8
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1862
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
514
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich