Seite - 176 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Band 8
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Ein leider nicht genannter Berliner Kritiker
(aber mit Bestimmtheit nicht Herr Nötsch er,
über, dessen Verhältniß zu Hebbel wie über
jenes H ebbel's zu ihm, zur Zeit als Hebbel
in Berlin war (um 1830) und seine Berliner
Eindrücke in der „Oesterreichischen Neichszei-
tung" veröffentlichte, die Hamburger „Jahres-
zeiten" zu wiederholten Malen aufklärende
Mittheilungen brachten) schreibt in der „Berliner
Reform", 1ä30, in welcher er eine kleine Ab»
Handlung über Hebbel's „Herodes und Ma-
riamne" veröffentlichte, das folgende: „Heb-
be l's dramatische Dichtungen, wie bedeutsam
sie aus den Larven und Mißgeburten Anderer,
als die einzigen, hervorragen, in denen ein
poetischer Lebenshauch athmet, eine dramatische
Ader schlägt; das Grundgebrechen, „Unwahr-
heit des tragischen Motivs", haben sie mit den
übrigen gemein, freilich mit der Maßgabe, daß
bei den gewerblichen Bühnentrödlern die Aus»
gangsmomente ihrer dramatischen Verwicklun-
gen nächst der Unwahrheit auch noch kindisch
sind und abgeschmackt, während Hebbel's
Voraussetzungen aus einem Raffinement ent-
springen, das mit dem sophistischen Verderbniß
der französischen Schule und Romantik zusam<
menhängt. Motiviren jene Macher anschauungs-
los, gedankenwidrig, zu viel; verfälschen und
verwässern sie die abgefeimten Beweggründe
ladyrinthisch zernagter Leidenschaften, wie sie
in den Sittenschilderungen der Franzosen im
Schwünge sind. schwächen und ucrseichten sie
solche Motive zur abschmeckendsten Schaalheit;
so wirken sie beiHedb el dagegen in msprüng«
licher Schärfe als echter, an der französischen
Quelle erneuerter Impfstoss. Bei ihm ist das
falsche Grundmotiv fast immer geistreich; kaut
3oüt zwar, doch blasirte Gaumen andüftelnd,
bizarr, erkünstelt, wunderlich, barok, selten
stumpf und abgeschmackt. Hekbel's drama-
tische Prämissen treten in Widerspruch mit
deutscher Gemüthsart, wo sie an die Wirklichkeit
anknüpfen und da und da, wo sie auf imagi»
nürem Boden spielen, vernichten sie wieder in
soferne jede logische Charakteristik und Psycho-
logie, als sie die Elemente moderner Abgefeimt» heit und klügelnder Sophistik in phantastische
Charaktere verlegen und zu unmöglichen Kata-
strophen sich hinaustreiben lassen. Immer aber
versteht es sein Talent, den halbverwesten
Stoffen, die er in die dramatische Netorte
schüttet, ein Brenngas von der intensivsten
sonnigsten Leuchtkraft zu entlocken." In der
weiteren kritischen Entwicklung wird Hebbel
mit Grabbe parallelisirt und als Seiten-
stück zu Gotisch all 's Gegenüberstellung
Hebbel's und Grabbe's heißt es dort:
„Hebbel hat vor Grabbe den Stil voraus,
den schlichten, geistig klaren, volksmäßigen Ton
und Ausdruck, aber nur in der Prosa. Greift
seine tragische Muse zum Iambus, glaubt man
einen Nachahmer Grabbe 's zu hören, mit dem
er dann in Dunkelheit und fantastischer Unform
zu wetteifern scheint, ohne sich mit ihm in
der Gedrungenheit und Blitzeswirkung des
Ausdrucks, und noch weniger an glühendem
Ernst, individueller Ursprünglichkeit und einer
bis an die Gränze des aufrichtigen Wahnsinns
kometenhaft hyperbolisirenden Begeisterung mes-
sen zu können. Hebbel's Zcichnenstift hört
nie auf, zugleich ein Nechnengriffel zu sein.
Grabbe war in der Poesie wie im Lieben
niemals nüchtern. Oft macht Hebbel den
Eindruck eines ernüchterten Grabbe, von
dessen Wahnsinn er nichts behält, als dic —
Methode." — Minckwitz, abweichend von
den bisherigen Kritikern, welche Hebbel's
Genius anerkennen, wenn sie auch seine Ver»
irrungen.nicht verschweigen, spricht Hebbeln
Alles rundweg ab und stellt ein Urtheil auf,
unter welches nur Minckwitz seinen Namen
srtzcn mag.- „Wie es diesem Autor an gesundem
Geschmacke, an Natürlichkeit. Einfachheit und
Klarheit der Darstellung im Lyrischen gebricht,
indem seine „Gedichte" meist zwecklos, ohne
tieferen Gehalt, ungenau, schwülstig und
selbst unverständlich erscheinen, so treten auf
dramatischem Gebiete diese Fehler noch greller
heraus. Der Mangel an frühzeitiger classischer
Bildung äußerte sich hier wieder einmal in
vollem Umfange seiner Nachtheile. Die Dramen
Hebbcl 's verstoßen im Ganzen wie im
Einzelnen nicht allein schnurstracks wider
die Anforderungen echter Kunst, sondern die
Charaktere derselben sind so durchaus un»
genügend, verkehrt, toll und abgeschmackt,
daß denselben jeder eigentliche Werth abge»
sprochen werden muß, und daß man in ihnen,
einzelne Personen in der „Maria Magdalena"
vielleicht ausgenommen, nirgends die Spur
von wahrem poetischen Talent dargelegt findet,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon