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Heikel 188 Hecke!
1809 begann er auf einer kleinen, von den
Eltern mittlerweile erworbenen Besitzung
zu Gumpoldskirchen die Landwirthschaft
praktisch auszuüben, und setzte, als der
Vater 1811 starb, den landwirthschaft'
lichen Betrieb der kleinen Liegenschaft bis
1818 fort. Unter Einem beschäftigte er
sich mit Botanik, sammelte eifrig Vögel,
und begann ohne Anleitung Bälge zu
präpariren. Die Bekanntschaft mit dem
tüchtigen Botaniker vr. Franz Porten»
schlag'Ledermayer förderte H. in
seinen Nebenstudien, zugleich zeichnete er
mit großer Gewandtheit Thier« und
Pflanzenabbildungen, ja fertigte sich selbst
die Postamente zu seiner Vögelsammlung,
wobei er eine solche technische Gewandt-
heit beurkundete, daß einer seinerFreunde
von ihm sagte: er besitze zwei rechte
Hände. Durch seine Vogelsammlung kam
er in Berührung mit dem k. k. Hof°Natu-
raliencabmete und lernte auch den dama-
ligen Custos Joseph Natterer kennen.
Bald wurde die Liebe zur Naturwissen-
schaft in ihm so mächtig, daß er die
Landwirthschaft aufgab und 1818 nach
Wien übersiedelte, sich in der Kunst
des Präparirens immer mehr ausbil-
dete und zugleich einen kleinen Handel
mit Vogelbälgen begann. Im Frühjahre
1319 unternahm er zu wissenschaftlichen
Zwecken seine erste Reise, und zwar
nach Süditalien, und brachte von dort
eine ansehnliche Sammlung Naturalien,
insbesondere Seefische, nach Wien, wohin
er im Sommer 1820 zurückgekehrt war.
Ein großer Theil dieser Sammlung
gelangte in den Besitz des Wiener Hof'
Naturalieucabmets, für welches H. gegen
Bezug eines Diurnums die Geschäfte
eines Präparators übernahm. Als solcher
aber besaß er bereits eine so große
Fertigkeit, daß der nunmehrige berühmte
Herpetolog Heinrich Schlegel, Con- servator am Leydener Museum, und
Salomon Petönyi, nachmals Museal-
custos zu Pesth, unter seiner Zeitung
die Kunst, Bälge zu präpariren, erlernten.
Die Fischsammlung des HoMaturalien-
cabinets war bis dahin sehr schwach
bestellt; es galt die Lücken auszufüllen,
nun richtete H. sein Hauptaugenmerk
auf die Fische; und im Vereine mit
3. Fitzinger s^. d. Bd. IV, S. 258^>
begann er seine Vorarbeiten zu einer
ichthyologischen Fauna Oesterreichs. Die
Donausifche, dann jene des Neusied-
ler und Plattensee's, später jene der
oberösterreichischen See'n wurden nach
und nach der sorgfältigsten Untersuchung
unterzogen und 1824 brachte H. mehrere
Monate in Oberösterreich und Salzburg
zu, um seine Studien an Ort und Stelle
vornehmen zu können. Die Vorarbeiten
waren schon so weit gediehen, daß eine
Veröffentlichung dieser Studien möglich
gewesen wäre, aber die Verhältnisse zur
Herausgabe solcher Arbeiten zeigten sich
wenig günstig. Indeß arbeitete H. rastlos
fort, schloß neue Verbindungen, so z. B.
mit Agassiz, der 1830 längere Zeit in
Wien sich aufhielt. Auch seine materiellen
Verhältnisse besserten sich nur sehr lang-
scun, von 1820—1832 bezog H. nur das
oberwähnte Diurnum als Präparator,
und erst im letztgenannten Jahre wurde
er Aufsehersassistent am k. k. Hof'Natura-
liencabinete. Neber Aufforderung von
Agassiz bearbeitete H. mit Fitzinger
eine Monographie der Gattung Acipen-
ser, welche mit den von H. ausgeführten
Zeichnungen 1833 veröffentlicht wurde.
Dieser Monographie folgten zwei andere
Arbeiten, über IoÄpKirK^noliuL) eine
neue Fischgattung, und über einige neuen
oder nicht gehörig beschriebenenCyprinen,
in welchen H. durch die streng wissenschaft-
liche Durchführung des Gegenstandes
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon