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in Croatien im Juni 4807). Sein Vater
war Gutsbesitzer nnd PostHalter, und der
Sohn wurde bis zum 16. Jahre im elterli-
chenHause erzogen. 17ö6kamernachTrop
pau, wo er bis 4764 die Schulen besuchte,
worauf er nach Wien ging uud daselbst
juridische und medicinische Vorlesungen
besuchte, ohne jedoch Rechts- und Arznei-
Wissenschaft vollständig zu absolviren.
Während seiner Studien in Wien versah
er bis zum Jahre 1780 die Stelle eines
Erziehers im Hause des Grafen Chotek,
damaligen Hofkanzlers. Im Jahre 1782
errichtete er zu Perchtoldsdorf bei Wien
mit besonderem Privilegium des Kaisers
Joseph (jedoch nur auf sechs Jahre)
eine Knaben-Erziehungsanstalt für alle
Fächer, mit Ausschluß der juridischen
und medicinischen Wissenschaften. Hee»
ger's Erziehungssystem berücksichtigte
vornehmlich die Fähigkeiten und Fort-
schritte seiner Zöglinge, und sah daher
von einer bestimmten Clafseneintheilung,
in welcher Mehr- und Minderbefähigte
zugleich aufsteigen, ganz ab. Eine Ver»
längerung seines Privilegiums, nachdem
dasselbe 1788 zu Ende gegangen, wurde
ihm ungeachtet des fördernden Wohlwol«
lens des Kaisers Joseph I I . von den
Behörden verweigert. Heeger warf sich
nun auf dieSchriftstellerei, und vornehm«
lich auf das Studium der Naturwiffen«
schaft. Bei seinen sorgfältigen Beobach-
tungen der Thierwelt war er auf die Vor»
züglichkeit des Gespinnstes des mittleren
Nachtpfauenauges (saturnia spini) auf-
merksam geworden. Endlich nach vielfäl-
tigen Versuchen, welche überdieß mit nicht
geringen Kosten verbunden waren, gelang
es ihm, schon 1790 davon namhafte
Quantitäten Seide als spinnbares Ma>
terial zu gewinnen. Selbst Se. Majestät
Kaiser FranzI . beehrte aus diesem An>
lasse den Erfinder mit einem Besuche, und nachdem es H. im Jahre 1794 gelungen
war, unmittelbar von der Raupe ohne
mechanische Vorrichtung einen schönen,
weißen, brauchbaren Stoff zu erhal-
ten , wurde ihm für seine Erfindung
ein Privilegium verliehen. Die Nichtge»
stattung, sein Erziehungsinstitut, für das
er manche Opfer gebracht, fortzusetzen,
ferner die kostspieligen Versuche mit der
Zaturnia s^ini, die erst dann lohnend
gewesen wären, wenn es ihm möglich ge-
wesen wäre, die nöthigen materiellen
Mittel aufzubringen, was aber bei den
Wirren und alle Industrie und den Han«
del lähmenden Folgen der beginnenden
französischen Revolution unmöglich war;
die Erhaltung seiner zahlreichen Familie
(12 Kinder), und endlich sein Patriotis-
mus, welch' lehterer ihn anspornte, mit
seinen beiden älteren Söhnen Joseph
und Ernst das erste allgemeine Aufgebot
im V. U. W. W. zu organisiren, alle diese
Umstände zusammengenommen hatten ihn
um sein Vermögen gebracht. Auch fehlte
es ihin nicht an heimlichen und offenen
Gegnern, welche ihn des Iacobinismus
verdächtigten, so daß H. verhaftet und in
Untersuchung gezogen wurde, welch' letz»
tere, freilich mit einer förmlichen Schuld»
loserklärung und Freilassung endete, aber
in H< eine tiefe Verbitterung zurückließ
und ihm in jenen argwöhnischen Zeiten
die Beischaffung von Mitteln zur Schal»
tung seiner Familie wesentlich erschwerte.
Endlich verlieh ihm 1801 die Gnade des
Kaisers Franz, der ihm besonders wohl-
wollte, und an seiner schlichten Weise, wie
an seinem das Nützliche mit rastlosem
ifer anstrebenden Geiste Gefallen fand,
einen Hofdienst, der ihn in die Lage setzte,
für sich und seine Familie sorgenfrei in die
Zukunft zu blicken. Im Jahre l 803 erhielt
er zur Herstellung seiner angegriffenen
Gesundheit einen unbestimmten Urlaub.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon