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einen zweiten Ferialcurs in Prag
eröffnete, trug er daselbst zum ersten
Male böhmische Stenographie vor und
begründete auf diese Art das System der
öccho-slavischen Stenographie nach Ga-
belsberger's Grundsätzen, welches er
in böhmischer Sprache unter dem Titel:
^^/o^F?i" veröffentlichte. Auf den
Wunsch der niederösterreichischen Land'
stände bildete er 1843 fünf ständische
Beamte und Praktikanten in der Steno-
graphie heran, welche schon im März und
Juni 1846 bei den land ständischen Ver-
sammlungen mit sehr gutem Erfolge ver-
wendet wurden. Seine im nämlichen
Jahre erschienene stenographische Gram»
matik, sein stenographisches Lesebuch för-
derten seine Bestrebungen in weiteren
Kreisen. Auch dehnte er seine Vortrage in
Wien auf die öechische Sprache aus. Als
im Jahre 1848 der erste österreichische
Reichstag zusammentrat, übernahm er
laut Vertrag mit dem k. k. Ministerium
des Innern und dem Reichstagsprasidium
die Oberleitung des stenographischen Bu»
reau's des ersten österreichischen constitui»
renden Reichstages und versah sein Amt
mit 16 seiner Schüler bis zur Auflösung
des Reichstages. I n Anbetracht seiner
um die Stenographie im Kaiserstaate
erworbenen Verdienste erkannte ihm für
seine Vortrage das Ministerium des
öffentlichen Unterrichtes eine jährliche
Remuneration von 400 fl. aus dem Stu-
dienfonde zu. Im Jahre 1849 gründete
er in Wien den im Jahre 1833 neu bestä'
tigten Centralverein der Stenographen
des österreichischen Kaiserstaates. Im
Jahre 1830 mußte er Krankheit halber
seine Vorträge einstellen; aber schon im
folgenden Jahre begab er sich mit acht
Zöglingen im Auftrage des Erzherzogs
Johann nach Salzburg zur Aufnahme derVerhandlungen der 14.Versammlung
der Land« und Forstwirthe, welche dort
stattfand. Als im folgenden Jahre die
erste Hauptversammlung der Gabels»
b erg er'schen Stenographen in München
zusammentrat, war H. Vertreter seines
Vereines, und so zu sagen aller österrei-
chischen Stenographen. Im Winter 1883
nahm sein Gichtleiden, das ihn schon seit
einiger Zeit quälte, sehr überHand, nichts-
destoweniger arbeitete er rüstig fort an
der Verbreitung und Vervollkommnung
der Stenographie, und vornehmlich seine
Bemühungen waren es, welche es dahin
brachten, daß nach dem im Kaiserstaate
üblichen Systeme in der k. k. Staats-
druckerei
stenographische
Typen geschnitten
wurden; leider sollte er deren Verwen-
düng, die mit jedem Tage so fortschreitet,
daß in wenigen Jahren eine ganz anstän-
dige Bibliothek stenographisch gedruckter
Werke vorhanden sein dürfte, nicht mehr
erleben. DerTod ereilte ihn im Alter von
46 Jahren. I n einer Periode von16Iah°
ren hat er mehrere Hunderte von Schü-
lern in den verschiedensten Altersclassen
und Berufständen in der Stenographie
unterrichtet, und aus einem Rechen»
schaftsberichte entnehmen wir, daß von
1843—1830, also in sieben Jahren,
sich in Wien an der Universität 83,
an der Polytechnik 21 , am Ioseph-
stadter und Theresianischen Gymnasium
19 Schüler, an der Universität zu Prag
27, im Ganzen 130 Schüler öffent»
lich haben prüfen lassen und gesetzliche
Zeugnisse erhalten haben. Die Mehrzahl
der Schüler hat sich jedoch, weil die
Stenographie kein obligates Lehrfach ist,
einer öffentlichen Prüfung nicht unter-
zogen. Ueber seine Verdienste als Lehrer,
wie als Mensch, wie er seinen Schülern
mit Rath und That, den Dürftigen auch
mit seinen Mitteln beistand, ist nur Eine
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon