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Hermann 393 Hermann
Landspitzberg genannt, wurde zur Sper»
rung der Straße über den Predil
nach Arnold stein und Villach ein grö
ßeres Blockhaus erbaut, welches mit
Schießbedarf, Lebensmitteln und Ar-
zeneien aus 6 Wochen versehen ward.
Erbauer dieses Blockhauses wie sein Ver>
theidiger bis auf den letzten Augenblick
war Hauptmann Herrmann. Zur Ver>
theidigung dieses Blockhauses hatte sich
Herrmann, wie für jenes bei Mal
borghet Hensel gemeldet. Als General
Nobil i seine wie H ensel's Bitte abge«
schlagen hatte, gewährte ihnen Erzherzog
Johann, an den sie sich nunmehr ge»
wendet, die Erfüllung derselben. Das
Blockhaus am Predil war nur zur Noth
befestigt, die schnell ausgebrochenen Feind»
seligkeiten und das doch noch schnellere
siegreiche Vorrücken des Feindes hatten
keine solidere Befestigung gestattet; immer»
hin war es durch seine Lage, indem
die Hauptstraße sowohl, als die nächste
Umgegend durch Geschütz und Musketen»
feuer sehr wirksam bestrichen werden
konnte, geeignet, dem Feinde die Annähe,
rung möglichst zu erschweren. Als die
Armee von Innerösterreich ihren Rückzug
gegen die österreichischen Grenzen antrat
und um die Mitte Mai dort anlangte,
wurde das kurz zuvor beendete Blockhaus
mit 10 Kanonen versehen, zu dessen Be»
dienung 10 Artilleristen und 23 Mann
des Handlangercorps bestimmt waren.
Am 14. Mai wurde eS durch eine Abthei»
lung des Infanterieregiments Franz Iel<
lachich Nr. 62 besetzt, diese aber am fol-
genden Tage durch eine zusammengesetzte
Compagnie des Szluiner Grenz-Regi-
mentS unter Befehl des Hauptmanns
Witkovich abgelöst. Diese Compagnie
bestand aus 4 Ofstcieren und 213 Mann
vom Feldwebel abwärts, welche nebst der
Geschützbedienungs'Mannschaft die ganze Besahung des Blockhauses bildete. Haupt»
mann Iankovich des Szluiner Regi-
ments, welcher mit seiner Compagnie am
13. Mai die Nachhut des Bataillons bil-
dete, und im heftigen Gefechte mit dem
Feinde, von diesem hart gedrangt, Nach-
mittags am Blockhause angelangt war,
suchte um Aufnahme mit den Seinen
an. Hauptmann Herrmann ging in
Berücksichtigung der Verproviantirung
des Blockhauses auf dessen Begehren
nur unter der Bedingung ein, daß
Iankovich sich bloß mit weniger Mann»
schaft in das Blockhaus werfen und an
dessen Vertheidigung theilnehmen sollte,
der Rest seiner Compagnie aber, so gut
es ging sich durchschlagen mußte. Alle
Unterhandlungen, welche die Feinde an«
zuknüpfen versuchten, wurden von Herr«
mann zurückgewiesen und zugleich jeder
ihrer Angriffe blutig zurückgeschlagen.
Nach dem Falle von Malborghetto er»
folgte eine neue Aufforderung; mehrere
österreichische Gefangene wurden zugleich
zu Herrmann hinauf geführt, um durch -
ihre Erzählung deS grausenvollen Loses
ihrer Brüder, die zu Predil zu erschüttern.
Dasselbe Schicksal, setzte der französische
Unterhändler hinzu, stehe auch ihnen bei
längerem Widerstände bevor. Herrmann
erwiederte, nachdem er den Unterhändler
angehört, mit Ruhe: „Die Vertheidigung
des Blockhauses bis auf's Aeußerste sei
ihm aufgetragen; den Tod fürchte er nicht.
Wer den erhabenen Beruf in sich fühle,
sein Vaterland zu vertheidigen, müsse jeden
Augenblick bereit sein für dasselbe zu ster»
ben, und er wolle mit Ruhm auf dem
Felde der Ehre fallen". Diese Erklärung
gab H. schriftlich. Die Mannschaft, von
den Worten des jungen Helden ent»
flammt, gelobte feierlich: lieber zu fallen,
als
sich
zu ergeben. Der Angriff von feind-
licher Seite, der schon seit dem 13. Abends
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon