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dieser Leitung bildete sich H. bis zum
21. Jahre aus. Obwohl er in dieser Zeit
vornehmlich dem historischen Fache oblag,
brach doch endlich feine Neigung, die im
Studium des Pferdes ihren Mittelpunct
fand, an den Tag. Er studirte nun die
besten Blätter und Bilder der Dres-
dener Gallerie und machte sich bald
mit seinen Arbeiten als einen trefflichen
Pfecdezeichner bekannt; zugleich malte er
in Oel. Ganz besonders erregte 1796
ein größeres Oelgemälde die allgemeine
Aufmerksamkeit; es stellte einen „Angriff
sächsischer Zragllner ant französische Infanterie"
vor; noch mehr gefiel ein zweites Bild:
„Marsch malischer Kosaken durch Nahmen"
Lange galt dieses charakteristische Bild
für sein Hauptwerk, wozu eS aber vor
nehmlich dadurch geworden, daß es der
Künstler in eigenthümlicher Weise selbst
vervielfältigt hat. Er ließ nämlich von
Stölzel das Bild im Umrisse auf eine
Quer-Folioplatte siechen und die Abdrücke
malte er dann selbst in bunten Tusch-
und Deckfarben aus. Er verschickte dieses
Bild an mehrere Fürsten und wurde
dafür fürstlich belohnt; die Berliner
Kunstakademie ernannte ihn sogar zum
Ehrenmitgliede. Indem er mehrere solche
gemalte Copien verfertigt hatte, ließ er
nun die Platte durch den Kupferstecher
Senf in einer kräftigen Aquatinta aus«
fuhren. Noch in drei verschiedenen Arten
wurde das zu seiner Zeit vielgesuchte Blatt
behandelt. Im Jahre 1800, nach Ande-
ren erst 1809, übersiedelte er nach Wien,
wo er seinen bleibenden Aufenthalt nahm
und in der Folge zum Lehrer an der
Akademie der bildenden Künste ernannt
wurde. Von Wien aus unternahm er
seine Kunstreise in die fernsten Gegenden,
nach Ungarn, Rußland, in die Türkei
und 1829 nach England, um die ver-
schiedenen Pferdemcen an den besten Originalen zu studiren. H. hat eine
große Fruchtbarkeit in seinen Arbeiten
entwickelt; außer einem Werke: „Nett-
schule oüer Darstellung öes natürlichen und
künstlichen Ganges des Gamplignepferucs", mit
K.K., dann mehreren radirten Blättern mit
Pferden und seinen in Wien 1823 her»
ausgegebenen Pferdeköpfen in natürlicher
Größe, als Ergebnissen seiner Reifen zur
genauen Kenntniß des arabischen Pferdes,
hat er zahlreiche Bilder und vornehmlich
mehrere Schlachtenstücke gemalt, da er
in den Kriegsjahren vielfach Gelegenheit
gefunden hatte, Augenzeuge militärischer
Evolutionen zu sein. Ueber seine Arbeiten
schreibt Nag!er: „daß darin ein sorg-
faltiges Studium der Natur herrscht; daß
er verstand, sehr gut zu individualifiren,
sei es, daß er Menschen verschiedener
Lander oder Pferde darstellte". Er malte
in Oel, Pastel und mit Deckfarben, er
zeichnete sehr schön in Bister und Kreide
auf gefärbtes Papier. H. gilt als einer
der bedeutendsten Pferdemaler der neuern
Zeit; er besaß ein tiefes Verständniß der
verschiedenen Racen dieses edlen Thieres
in seinem Zusammenhange mit Volk und
Land, so daß seine Bilder in allen ihren
Theilen, in der Landschaft, wie in der
Staffage gleich vortrefflich sind. Er hatte
in Wien nahezu ein halbes Jahrhundert
gelebt und ist zu Wilhelmsdorf, einem
in Wiens nächster Nähe, zwischen Meid-
ling und Schönbrunn gelegenen Dorfe.
80 Jahre alt, gestorben.
Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar,
Voigt, 80.) XXVII. Jahrg. (1849). S. 4256.
— Nagl er (G. K. Dr.), Neues allgemeines
Künstler<Lerikon (München l838. E. A. Fleisch«
mann. so.) Bd. VI, S. <48 — Die Künst.
ler aller Zeiten und Völker. Begonnen von
Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Oi-. Karl
Klunzinger (Stuttgart l86tt, Ebner und
Seubert, 3er. 8«.) Bd. I I , S. 374. — Brock,
haus' Conoerscitions-Lexikon (iU. Auftage)
Bd. VII, S. 6?4. - Meyer (I.), Das große
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon