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ßessen 429 Hessen
marsch antreten und blieb selbst in Calca-
babbio zurück, bis die letzten Verwun-
deten fortgeschafft waren. Um 4 Uhr
Morgens erst erreichte die Brigade
daS Bivouac bei Vaccarizza. Sie war
24 Stunden in Bewegung, 3 Stunden
im hitzigen Gefechte gestanden und hatte
4 Officiere, 147 Mann an Todten und
Verwundeten verloren. Durch diese that'
sachliche Darstellung wird jene Rüstow's
in einem Artikel der „Allgemeinen Militär»
Zeitung", i860. Nr.27, berichtigt; auch ist
es irrig, wie es in der „Zeit" heißt, daß
in Folge seines tapferen Verhaltens bei
Montebello der Prinz zum Feldmarschall.
Lieutenant und Inhaber des Infanterie'
Regiments Nr. 46 ernannt worden', seine
Beförderung erfolgte in der Tour-, hin-
gegen wurde dem Prinzen für sein Ver-
halten mit Armeebefehl vom 2. Juni
484!) der Ausdruck der Allerhöchsten
Zufriedenheit bekannt gegeben. Als Feld«
marschall'Ncutenant übernahm der Prinz
den Befehl der Division Reischach und
begab sich nach Mantua. Diese ihm
angewiesene Position gestattete ihm nur
an der letzten Schlacht bei Solferino,
24. Juni, Antheil zu nehmen. Mit
zwei Brigaden seiner Division (Bran«
den stein und Wussin) erschien er auf
dem Kampfplätze, nachdem die Fran-
zosen unter Marschall Mac Mahon
bereits das österreichische Centrum bei
Cavriana erschüttert hatten und sich
schon der Höhen daselbst, auf welchen
der Kaiser und Graf Schlick im stärksten
Kugelregen sich befanden, zu bemächtigen
begannen. Der Kampf war auf das
heftigste entbrannt, die Franzosen ent»
wickelten bewunderungswürdigen Muth
und große Intelligenz. I n diesem ent»
scheidenden Augenblicke zog der Prinz
noch die Brigade Gab lenz an sich und
schritt zu einem Bajonnetangriffe auf die ganze feindliche Linie, die er auch zurück«
warf. Hier trat der in dem Bilde von
dem Maler Ed. Kaiser verherrlichte
Augenblick ein, in welchem der Prinz
vom Pferde sprang, zum Infanterie«
Regimente Kaiser Franz Joseph gewen»
det, die Worte sprach: „Ihr Chef und
Kaiser habe auf sie die Augen gerichtet,
jeder werde seine Pflicht und Schuldigkeit
thun", und nun die Fahne der Grena»
diere ergreifend, unter lautem Ausbruche
der Begeisterung die Tapfern vorwärts
führte. Es regnete buchstäblich Kanonen«
und Gewehrkugeln, in Haufen fielen die
Soldaten rings um ihren tapfern Führer,
der wie durch ein Wunder unversehrt
blieb. Das Regiment, welches schon
bei Magenta 34 Ofsiciere und an
120ft Mann an Todten und Verwun»
deren verloren hatte, zählte deren bei
Cavriana 17 Ofsiciere und 390 Mann.
Die erste Armee war bei Castel Goffredo
vorgedrungen, Benedek hatte gesiegt
und sich Lonato's bemächtigt, aber die
Haltung des Centrums wurde immer
schwächer. Auf Befehl des Kaisers —
es war 4 Uhr Nachmittags — sollte
Cavriana um jeden Preis gehalten wer»
den. Zum zweiten Male schlug die
Division des Prinzen die immer heftiger
werdenden Angriffe der Franzosen mit
dem Bajonnete zurück. Schon hatten sich
das 1. und 8. Corps zurückgezogen, die
Division behauptete noch tapfer ihre
Stellung und zog erst gegen 3 Uhr sich
nach Cavriana zurück, wo sie dermaßen
mit Granaten beworfen wurde, daß
das Feuer mehrere Hauser ergriff und
man fürchten mußte, die Munitions»
karren in die Luft stiegen zu sehen.
Die Verwundeten wurden schnell nach
Volta geschafft, wohin die Hauptquar»
tiere Sr. Majestät des Kaisers und des
Generals Grafen Schlick kamen. Die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon