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Hessen-Homdurg 440 Hessen-Homburg
Vorigen, Ferdinand. Friedrich und
Gustav. Erst 43 Jahre alt, focht der
Prinz in der holländischen Armee als
Capitan gegen die Franzosen und that
sich bei Toumay hervor. Bei der Ueber«
gäbe der Festung Sluys wurde er gefan-
gen und zu Paris im 3uxemburg»Palaste
in Hast gehalten. Als Neffe des Königs
von Preußen wurde er mit dem Tode
bedroht und die Damen der Halle erin-
nerten ihn mit ihren Handbewegungen
an die Guillotine, die seiner harre. Nur
seine Zuversicht, Jugend und edle Erschei-
nung retteten ihn vom Tode. Er wurde
nachher gegen französische Gefangene
ausgewechselt, trat nach der Nanzio»
nirung im Jahre 4793 als Volontär
in kaiserliche Dienste und machte den
Feldzug in Bayern und am Oberrhein
mit. Am 43. April 1797 zum Haupt»
mann im Infanterieregimente Stain be«
fordert, focht er als solcher in der Schlacht
bei Zürich, nahm Theil an der Erstür-
mung der Verschanzungen von Mannheim
und wurde im März 1890 zum Major
im Infanterie-Regimente Prinz de Ligne
ernannt. In den Schlachten bei Engen
(3.Mai1800),Möskirch(3.Maid.I.)
und Hohen linden (3. December d. I.)
zeichnete der Prinz durch Umsicht und
Tapferkeit sich aus. Nach dem Luneviller
Frieden wurde er in Lemberg stationirt
und hier widmete sich der Prinz dem
Studium der höheren Kriegswissenschaft.
Im denkwürdigen Jahre 1809 focht der
Prinz, damals Oberst des 2. Infanterie»
Regiments, in der Schlacht bei Aspern.
Am ersten Schlachttage, 21. Mai, befand
sich das Regiment, welches er befehligte,
unter jenen Abtheilungen der 3. Colonne.
welche dem Feinde Nachmittags Stadl>
Enzersdorf entrissen. Am zweiten Schlacht»
tage, dem 22. Mai, schlug der Prinz
Vormittags mit seinem Regimente allein. fünf feindliche Cavallerieangriffe zurück.
Der Generalissimus nannte ihn in seiner
Relation unter den besonders Ausgezeich-
neten und beförderte ihn mit Armeebefehl
vom 24. Mai zum General-Major;
übrigens hatte der Prinz als Oberst
bereits Brigadierdienste versehen. In
der Schlacht bei Wagram (3. und 6. Juli
1809) erkämpfte sich der Prinz durch
folgende Waffenthat das Ritterkreuz des
Maria Theresien-Ordens. Am 3. Juli
übersetzte der Feind mit dem Anbruch des
Abends den Nußbach, nahm Baumers»
dorf, warf, die Höhe der Position erstei«
gend, das erste Treffen des 3. Armee-
corps über den Haufen und brachte
bereits in das zweite Treffen dieses Corps
Unordnung. Der Prinz, dieß gewahrend,
ließ ohne erst Befehl abzuwarten in
diesem entscheidenden Augenblicke das
Regiment Hiller aus seiner Brigade vor-
rücken und in die feindliche Flanke fallen.
Der überraschte Feind wurde durch den
entschlossenen Angriff des Regiments zum
Rückzüge genöthigt, mit dem Bajonnete
über die Anhöhe und den Rußbach
zurückgeworfen, welche Position nun die
Unsrigen einnahmen. Am folgenden
Schlachttage verließ der Prinz, obgleich
von einer Kartätschenk'ugel schwer vei>
wunder, erst nach der Schlacht seine
Brigade, um sich verbinden zu lassen.
Das Capitel des Jahres 1810 erkannte
ihm für seine Waffenthat das Ritter»
kreuz des Maria Theresien«Ordens
zu. Im Jahre 1812 befand sich der
Prinz bei dem Auriliarcorps, welches
gegen Rußland kämpfte und entschied
mit seiner Infanterie«Brigade durch
besondere Kühnheit die Schlacht bei Po«
budnie (12. August); am 28. September
bei Turisk angegriffen, behauptete er
eine Stellung bis in die Nacht und folgte
dann erst dem Armeecorps, zu welchem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon