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Hempel 46? Hempel
nach Wien, worin neben ausgebildeteren
Formen und richtigerer Zeichnung auch
eine Stylistik vorherrschte, welche den
älteren Meistern nachgebildet war, ohne
jedoch ein bestimmtes Vorbild erkennen
zu lassen. Als seine Landsleute Tun-
ner und Kupelwieser nach Rom
kamen, war Hempel bald im Bunde
der Dritte und gemeinschaftlich zeichneten
sie die Gemälde Fiesole's in der Capelle
Papst Nicolo V. im Vatican. Französische
und italienische Künstler machten den
deutschen den Vorwurf, daß sie, um
heilige Gegenstände malen zu können,
selbst fromm würden. Schwer dürfte es
sein, zu bestimmen, ob sie fromm waren
und deßhalb fromm malten, oder ob sie
fromm malten und deßhalb fromm wur-
den, gewiß ist es, daß sie jeden Zwiespalt
in Leben und Kunst zum Einklang bringen
wollten. Mehrere Protestanten traten
zur katholischen Kirche über und die.
jenigen, welche Protestanten geblieben,
strebten ebenfalls nach lebendigem Glau-
ben. An der Spitze der Letzteren stand
der geniale Julius Schnorr von Ka-
rolsfeld. Wie sehr es beiden Parteien
Ernst war, beweist, daß sie sich gegen-
seitig in Liebe achteten. Noch im Jahre
1323 kehrte H. von Rom nach Wien
zurück und da er, wohlhabend von Hause,
nicht bemüßigt war, Geld für seinen
Lebensunterhalt zu erwerben, malte er
Altarbilder unentgeltlich fm Kirchen. 1827
trat er zur katholischen Kirche über ^ver-
gleiche über diese Episode seines Lebens
unten die Quellens 1829 heirathete er
ein Fräulein Frieden heim, mit wel-
chem er in der glücklichsten Ehe, umgeben
von zahlreichen Kindern, lebt. Im Jahre
1832 kaufte er die Herrschaften Kattau
und Missingdorf und wurde in das Con«
sortium der niederösterreichischen Stände
aufgenommen. 1839 verkaufte er diese Güter und lebte bis 1848 einzig der
Malerei in Wien. 1848 zog er nach
Klagenfurt, malte für die Kirche zu
St. Paul im Lavantthale mehrere Altar»
bilder, gründete die Zeichnenschule am
Lyceum zu Klagenfurt; ebenso das dor»
tige Taubstummeninstitut und gub Unter»
richt in beiden, da er sich zufälliger Weise
früher die Zeichensprache eigen gemacht
hatte. Als Mitglied des historischen
Vereines hielt er Vorlesungen über die
Mythen der alten Völker, betrachtet vom
Standpuncte der christlichen Philosophie.
Nirgends hatte er sich so heimisch gefühlt,
wie in Kärnthen und würde es wahr«
scheinlich nicht verlassen haben, hätte nicht
das rauhe Klima nachtheilig auf die
Gesundheit seiner brustkranken Frau
gewirkt. Er wanderte nach Botzen in
Tirol und blieb dort vier Jahre, nur
mit Malerei beschäftigt. Nachdem seine
Söhne eine Universität besuchen mußten,
zog er nach Gratz, erkaufte jedoch 1839
die Staatsgüter Verbovec und Rakovec
in Croatien und lebt gegenwärtig auf den-
selben. Von Hempel sind folgende Bilder
bekannt: „GlMtns mit der Zcmaritin am
Nrnnncn" l7l/ /H.); " " „Grablegung GHMi"
(6l/^ im Quadrat); — „Jacob's «Vranm.
Hinnnelsleiw" (8' H.); — „Nie Flucht nach
OMten, umgeben unn uieliit tanzenden, Palmen
tragenden unschuldigen Kindlein" (2^ H.); —
„Nie Schaukel", das Iesukind schaukelt sich
spielend mit den Engeln auf einem Brete,
die Engel strengen sich auf einer Seite
gewaltig an, das Iesukind in die Höhe
zu bringen, es gelingt ihnen aber nicht
— es ist zu schwer. Die Muttergottes
spinnt, Joseph kehrt eben von der
Arbeit heim (3' Br.); — „Nie Antermeckung
Ikarus'", halb lebensgroße Figuren; —
ein Flügel'Hausaltar, Mitte „Maria mit
dem Ninde", oben „mnsmrende Gngel", unten
„Nünig Nauid, einen Psalm singend", zur
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon