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Suiicki 378 Hubmerhofer
den Gang der Verhandlungen und die
Entwicklung der constitutionellen Zu»
stände im Kaiserstaate zu hemmen sucbt.
Ein positives Auftreten H.'s in irgend
einer wichtigeren der verhandelten Fra»
gen fand bisher nicht Statt. Seit dem
Jahre 4849 ist H. mit der Tochter des
im Jahre 1848 wegen seiner Interpella»
tionen oft genannten Abgeordneten Sie»
rakowski vermalt. Ein Bruder H 's
starb auf dem Spielberge als Staats-
gefangener.
Verhandlungen des österreichischen Neichö<
wges (1848), nach der
stenographischen
Auf-
nahme (Wien, Siaatsdrnckerei, 4".) Bd. I,
S. 323 u. 6l2- Bd. I I , S. 277, 28l—290;
Bd. I I I , S. 9l. 1<1l, l«3. — Reichstags'
Gallerte. Geschriebene Porträts der hervor«
ragendsten Teputirten des ersten österreichischen
Reichstages (Nim 1849. Iasper, Hügel und
Manz. 8«.) 3. u. 4. Heft. S. t l l . — ^ie7>>.
öe^, Ivapesui äiovnll'ßk (I'i'kk 185N, ?<^pi-
3i1, KI. 8".) ikeH I, 8. 673.
Hublnerhofer, Anton (k. k. Offi.
cier, lebte im 18. Jahrhunderte). Ein
Sohn des reichen Gewerken Johann
Mart in Hubmershofer (geb. 4631.
gest. 1. November 1723) und durch seine
romantischen Schicksale denkwürdig. Nid»
mete sich von mehreren Brüdern der
Einzige den Studien, die er unter den
Jesuiten in Gratz beendete. Als aber
zu Anbeginn des 18. Jahrhunderts die
Kampfe gegen die Türkei einen groß«
artigen Charakter annahmen, trat H.
ohne seines Vaters Einwilligung in das
Heer des Prinzen Eugen. I n diesem
kämpfte er, der bereits Officier geworden
war. bei Belgrad (l6. August 17N)
und rettete daselbst die Tochter eines
türkischen Pascha, die sich flüchtete, vor
Entehrung, mit der sie von Sereffanern
bedroht wurde, und brachte
sie
nach Sem«
lin, wo sie in die Familie seines Obersten
aufgenommen und auf daS liebevollste behandelt wurde. Selmire, so hieß
die Türkin, trat nun zur christlichen
Religion über, erhielt in der Taufe den
Namen Sophie, welchen ihre Pathin,
die Oberstin, führte und wurde in einiger
Zeit die Frau ihres Retters. Anton's
Vater, der in diesen kriegerischen Zeiten
mit seinen Gewerken große Geschäfte
gemacht und ein bedeutendes Vermögen
erworben hatte, erhielt nun mit seinen
gleich ihm im Gewerke arbeitenden Söh>
nen den Adel mit dem Prädioate von
Silbernagel, hatte aber seinen Sohn
A n t o n , der gegen seinen Willen
Soldat geworden und eine Türkin
geheirathet, verschwiegen, so daß er in
der Adelsurklinde nicht erscheint. Als
Anton mit seiner Frau in die Heimat
zurückkehrte, wurden er und seine Frau
von dem Vater verstoßen und die letztere,
als sie dem Schwiegervater entgegentrat,
mit den Worten: „Fort, fort-, du Hund,
du Türkenblut, wie kamst du dazu, mit
dem meinen dich zu vermischen?" mit dem
Fuße fortgestoßen. Das junge Weib ver<
fiel über diesen entsetzlichen Empfang
in zeitlichen Wahnsinn, kroch auf den
Handen und Füßen fort. „da sie ja keine
Christin, sondern nur ein Hund sei",
und erst nach längerer Zeit gelang es
dem zärtlichsten Zureden und aller Für»
sorge ihres tieferschütterten und vom
Vater verstoßenen Gemals, sie zu beru«
higen. Aehnlich, wie der Vater, verhiel»
ten sich auck Anton 's Brüder, die
ein wüstes Leben von ihrem großen Ver-
mögen führten. Anton, von seinem
Vater fast enterbt und nur mit einem
kleinen Hause zu Ferlach bedacht, auf
dem eine Tabaktrafik haftete — „dort,
wie sein Vater sich ausdrückte, er mit
seiner Türkin Tabak verkaufen möge" —
zog sich mit seiner Frau nun nach dem
Singerberge in der Nahe des Schlosses
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hibler-Hysel, Band 9
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hibler-Hysel
- Band
- 9
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 518
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon