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401 Hügel
Herzogin Leopoldine nach Brasilien
zur Vermälung mit Kaiser Dom Pedro,
wurde dann der österreichischen Gesandt»
schaft in Madrid beigegeben, und kam als
Legationsrath nacb Paris, in welcher
Stellung er 40 Jahre verblieb. Wäh»
rend dieses Aufenthaltes in Paris betrieb
er geschichtliche und naturwissenschaftliche
Studien und stand in innigem Verkehre
mit Cuvier. Im Jahre 1840 wurde er
Hofrath bei der Staatskanzlei in Wien,
1846 Director des k. k. geheimen Haus<
archives, wo er einerseits neben Iarcke,
Pi lat u. A. für die Consolidirung der
Metternich'schen Politik nach innen unge»
mein thätig und noch kurz vor dem Aus-
bruche der Märztage von Ideen befan-
gen war. welche sein vollständiges Ver»
kennen der Zeit und ihrer Bedürfnisse
beurkunden; andererseits aber durch die
Liberalität, mil welcher er Forschern die
Benützung der reichen Schatze des
Staatsarchivs ermöglichte, sein frühes
Ausscheiden aus diesem Amte bedauern
lieh. Er nahm Anläufe zu bedeutenden
Organisationen im Amte, jedoch war er
zu kurz bei demselben thätig, um über
die bloßen Anläufe hinaus zu kommen.
Nach dem Ausbruche der Unruhen 1848
floh er auch aus Wien und zu seiner
Schwester Franzisca, einer vermalten
Gräsin Hardenberg, nach Schlesien,
wo er, niedergeschmettert von den wuch>
tigen Ereignissen der Zeit, die er nicht
mehr begriff, schon im folgenden Jahre
starb; übrigens stimmen die Nachrichten
über den Ort seines Todes, als welchen
von Einigen auch Baden nächst Wien
bezeichnet wird, nicht übereilt. Die schrist.
stellerische Thätigkeit Hügel 's beschrankt
sich auf folgende Werke: „Spanien nm die
Nrlllllntilln" (Leipzig 1821, Brockhaus,
gr. 8".), worin H. die Ergebnisse seiner
eigenen Anschauungen in anziehender
o. Wurzbach, biogr. Lexikon. IX. sGedr, Form, aber wie
sie
ihm in der Cavalier»
perspective erscheinen, niederlegt, ferner
., Neber Netik-, Arde-, Schritt- und PreSZireihcit"
(Wien 1847, 8".), welches Libell selbst in
den ministeriellen Kreisen entschiedene Miß.
oilligung erfuhr, da man befürchtete, die
darin ausgesprochenen Ansichten könnten
als die eben in jenen Kreisen maß.
gebenden angesehen werden. Freiherr
Clemens, ein Lebemann von feinen Sit>
ten. großer Weltkenntniß und encyklo»
pädischer Bildung, spielte in den Vor-
märschen Tagen eine einflußreiche Rolle.
Indem er mit seinen literarischen Diners
vor fremden Gelehrten und literarischen
Notabilitäten, welche die Kaiserstadt be»
suchten, Staat machte, sollte mit diesem
Glänze das Düster des geistigen Iam-
mers, das überall in der Monarchie hin»
durchbrach, ausstaffirt werden. Mochte
es ihm auch gelungen sein, dann und
wann einen Stubengelehrten zu ver«
bluffen, den ruhigen, nüchternen Be»
schauer, der sich nicht an die gleißende
Oberfläche hielt, sondern den Verhalt-
nissen auf den Kern schaute, tauschte er
über die traurige Sachlage doch nicht.
Grenzboten, herausgegeben von Ign. Ku<
randa (Leipzig, Hcrbig, gr. 8«.) Jahrg. 4847,
Bd. 4. S. 221. — Schmidt (Adolph Dr.),
Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst
(Wien, 4o.) Jahrg. 1843. S. 3L0; Jahrg.
1847. Nr. 146. S. 380. — Vehse (Ed. Oi>.),
Geschichte des österreichischen Hofs und Adels
und der österreichischen Diplomatie (Hamburg
1832 , Hoffmann u. Campe. 8».) Theil IX,
S. in«; Theil X, S. 90. — Meyer (I.),
Das große Conversations-Iexikon für die ge-
bildeten Stände (Hildburghause!?, Bibliograph.
Institut, k".) I I ! . Suppl. Bd. S. I5l)7. —
Der i^ater des Freiherrn Ülemens Wenzel,
der geheime Rath Johann Alois (geb. zu
Coblenz 1738, gest. 1826), war 1«l)l) und 18l)5.
während Karl Fürst ronThurn und Taris
als Prinzipalcummissär bei der Neichsoer-
sammlung zu Uegensburg beglaubigt war,
Conrommissär daselbst. Er stand seit 1793 in
österreichischen Diensten. Unter dem Pseuoo»
3 Dec. 1862.^ 26
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hibler-Hysel, Band 9
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hibler-Hysel
- Band
- 9
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 518
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon