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Hummel 426 Hummel.
weltliche Lorbern. Der Meierhof bestand
auS einigen Wirtschaftsgebäuden und
einem abseits gelegenen gemauerten
Schüttkasten, welchen eine etwa 6 Schuh
hohe Etnfaffungsmauer umgab. Erzher,
zog Johann übertrug die Vertheidi«
gung dieses wichtigen Postens dem Major
Hummel, der ihn mit seinem Bataillon,
2 Compagnien Straffoldo und 2 Com»
pagnienSamt-Iulien. besetzte. Hummel
leitete alsogleich die zweckmäßigsten Ver»
theidigungsmaßregeln ein. Kaum hatte
die Schlacht begonnen, als der Feind, die
Wichtigkeit des Punctes, wo der Meier«
Hof stand, einsehend, auch den Angriff
auf denselben unternahm. Dreimal be-
reits hatte die Division Serras ihn
gestürmt und wurde alle drei Male zurück-
gewiesen. Je unglücklicheren Ausgang
die Schlacht zu nehmen schien, um desto
wichtiger war die Behauptung dieses
Meierhofes, da er zur Deckung des Rück«
zuges dienen sollte. Die Division Serras,
bedeutend verstärkt, stürmte zum vierten
Male; bereits hatte der Feind die äußere
Mauer überstiegen, aber Hauptmann
Füchtner mit einer Compagnie Saint-
Iulien, die Hauptleute Moscon, Ber»
told, Schmutz, die Fähnriche Johann
Georg Fell inger M . IV, S. 470)
und Joseph Franz Ka ise r * ) mit
3 Compagnien Landwehr warfen sich
den eindringenden Franzosen mit Helden-
müthiger Bravour entgegen und trieben
sie aus dem Meierhofe; die meisten der
genannten Ofsiciere wurden schwer ver-
wundet. Indessen hatte des Feindes
knapp angefahrenes Geschütz die Mauer
bereits stark beschädigt und vernichtend
auf den eng zusammengedrängten Hau-
fen der Vertheidiger gewirkt. Ein fünfter,
von anderer Seite unternommener Sturm
*) Der Begründer des noch in Grak blühenden
Kunst« und Vüchrlrerlags. wurde von dem Hauptmanne Soko«
titsch zurückgeschlagen, und dem Lieute»
nant Knobloch war es sogar gelungen,
einen feindlichen Officier und 10 Fran«
zosen gefangen zu nehmen. Bereits 700
Mann und 36 Officiere hatte der Feind
verloren. Nunmehr befahl der Vicekönig
einen sechsten Sturm; die Sapveurs
drangen kühn bis an die Thore, die
Patronen der Unserigen waren bereits
verschossen, Mann an Mann mit Bajon-
net und Kolben wüthete in schauer-
erregender Weise das Gefecht. Schon
standen zwei mit Stroh gedeckte Seiten-
gebäude in Brand und in die rechte
Front der Mauer hatte der Feind Bresche
geschossen. Von Minute zu Minute
mehrte sich der feindliche Haufen. H u m«
mel versuchte noch einen Ausfall mit
dem kleinen Reste der Kampffähigen; der
Fahnenträger hatte die Fahne von der
Stange gerissen und sie sich um den Leib
gewickelt. Der wuthentbrannte Feind
kannte aber keine Schonung; Alles ohne
Ausnahme, selbst die Schwerverwundeten,
metzelte er nieder und den Rest machte
er zu Gefangenen. Kaum der dritte Theil
der Unseren war am Leben geblieben.
Der Zweck war durch diese heldenmüthige
Vertheidigung des Meierhofes erreicht,
denn der Rückzug der Unseren war gedeckt
und der Feind außer Stande, uns mit
seiner ganzen Macht zu verfolgen. Hum»
mel wurde für seine Waffenthat mit dem
Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens
belohnt. Noch im September des Jahres
1809 wurde H. zum innerösterreichischen
Cordons'Bataillon übersetzt, im October
d. I . zum Oberstlieutenant, am 3. April
1821 zum Obersten ernannt, und ihm
bereits 1817 die Freiherrnwürde verlie-
hen. Am 1. Mai 1827 wurde er nach
67jähnger Dienstzeit in den Ruhestand
verseht, den er noch etwas über fünf
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hibler-Hysel, Band 9
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hibler-Hysel
- Band
- 9
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 518
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon