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Hurban 437 Surdan
genannt-wurde, zu entwickeln begann,
haben seinen Namen bekannt gemacht,
wohl aber sein energisches Auftreten
als Parteigänger, dessen letzter Zweck in
diesem Augenblicke nicht historisch festge-
stellt ist, sich aber, zusammengehalten mit
den Bestrebungen der übrigen stamm«
verwandten slavischen Völker Oester«
reichs im Jahre 1848, immerhin ahnen
läßt. Nachdem H. die theologischen
Studien geendet, trat er in die Seelsorge
und war vor AuSbruch der ungarischen
Revolution im Jahre 1848 Pfarrer
der evangelischen Gemeinde zu Hluboka
in der Neutraer Gespanschaft Ungarns
nahe an der mährischen Grenze. Anfang,
lich betrieb er eifrig das Studium der
oechischen Literatur, später aber unter
Anleitung Stur 's das Slovakische (neu»
slovenische). I m Jahre 1839 bereiste
er im Auftrage der Preßburger Akademie
Böhmen und Mähren zu literarischen
Zwecken und veröffentlichte das Ergeb»
niß seiner Forschungen in der Schrift:
„össta älovHka. k bratrim. LiovanLk^m,
na Noravs 2 v öooliäok", d. i. Reise
eines Slovaken zu seinen slavischen Brü«
dern in Mahren und Böhmen (Pesth
1841). Auf dieser Reise lernte er zu
Brunn seine nachherigen Kampfgenossen
Bloudek und Zach kennen. Spätere
schriftstellerische Arbeiten und ein ent-
schiedenes Vertreten der slovenischen
Nation gegen die magyarischen, durchaus
nicht den Charakter der Gleichberech.
tigung an sich tragenden Bestrebungen
erwarben ihm einen ausgebreiteten Ruf,
machten ihn aber auch den Magyaren
mißliebig, die in ihm einen mächtigen
Gegner erkannten. Kaum waren die
Märzereigniffe des Jahres 1848 ein«
getreten, als auch Hurban, die Sachlage
durchblickend, alsbald erkannte, jetzt
oder nie muffe etwaS geschehen, um die von der magyarischen Partei schwer
gedrückte Nationalität der ungarischen
Slaven von diesem Drucke zu befreien.
Je weniger aber die Ungarn zu Conces-
fionen gegen die Slovaken geneigt waren,
desto mehr trugen sie ihren Fanatismus
und ihre Herrschgier gegen dieselben
zur Schau, und der Fanatismus auf
der einen Seite weckte Fanatismus auf
der andern. Die Koffuthisten drohten
den slavischen Patrioten mit Knute und
Galgen; diese aber hatten beschlossen,
um jeden Preis die Fessel zu sprengen,
mit welcher sie die Ungarn umspannt
hielten. Hurban begab sich mit S tu r
nach Wien, besuchte dort die Versamm«
lungen der zahlreich herbeiströmenden
Slaven, betheiligte sich an den Ver»
Handlungen und hielt Reden, welche
Aufsehen erregten. Im April kehrte er
zu seiner Gemeinde zurück, offen und
heimlich Anstalten treffend zu einer
allgemeinen Erhebung. Bei der Zucht»
lofigkeit der Koffuthisten war eS für den
aufmerksamen Beobachter nicht schwer,
vorauszusehen, daß es zwischen der
ungarischen und der dynastischen Partei
bald zu einem Bruche kommen werde.
H. verband sich sofort mit den Vorzug»
lichsten Führern der öechen und Süd»
slaven, um vereint mit ihnen eine Erhe«
bung gegen die Ungarn im dynastischen
Sinne zu bewirken und so die nationale
Selbstständigkeit der Slaven in Ungarn
zu erreichen. Unter solchen Umständen
machte die politische Thätigkeit Hur»
ban's nur um so mehr die Aufmerk»
samkeit der Magyaronen rege, und als
H. die Slovaken und alle Gleichgesinnten
bald unter freiem Himmel, bald in den
Städten versammelte, sie über die Anfor»
derungen der Zeit, der Freiheit und
der Nation in begeisterten Reden belehrte,
wuchs leichtbegreiflich ihr Mißtrauen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hibler-Hysel, Band 9
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hibler-Hysel
- Band
- 9
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 518
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon