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Hurter 444 Hurter
Acten der Neuerer fern hielt, suchte er
andererseits durch eine quellenmäßige
Darstellung, wie die Stadt Schaffhausen
zu ihren Freiheiten, Rechten und Gütern
gekommen war, in einer der wichtigsten,
durch die Revolution aufgeworfenen Fra-
gen, nämlich in jener der Trennung
des Staatsgutes vom Stadtgute, auf
eine Vermeidung jeder Ungehörigkeit
hinzuarbeiten. Im Jahre 1833 wurde
H. zum ersten Vorsteher der Geistlichkeit,
oder wie er in Schaffhausen heißt,
Antiftes gewählt. Auf diesem Posten
entwickelte H. eine mit seinen innersten
Ansichten, die dem Protestantismus
weniger hold, aber dem Katholicismus
zugeneigt waren, übereinstimmende und
energische Thätigkeit, ohne jedoch etwa
in feindlicher Rücksichtslosigkeit gegen
den Protestantismus einen Gewaltact
zu begehen; wirkte an der Abfassung
eines neuen Gesangbuches mit, befür»
wortete die Begründung einer katholischen
Kirche in Schaffhausen und traf sonst
noch Verfügungen, welche später, als
der Conflict offen ausbrach, als Waffen
gegen ihn benutzt wurden. Auf einer
im Jahre 1837 unternommenen Reise
nach Deutschland, um der Säcularfeier
der Universität Göttingen beizuwohnen,
knüpfte H. manche werthvolle literarische
Verbindung an, befreundete sich mit
vielen gleichgestimmten Männern, wie
mit Dr. Iarcke in München, Professor
Phi l ipps, mit Clemens Brentano,
u. A.; im folgenden Jahre reiste er
zur Krönungsfeier nach Mailand, wo es
ihm gelang, dem Erzherzog Johann
und dem Fürsten Metternich sich vor-
zustellen und später durch Vermittlung
eines Landsmannes, deS Majors Fros»
sard, Adjutanten bei Erzherzog Io«
hann, von diesem die Aufnahme seines
Sohnes in die k. k. Ingenieur-Akademie zu erwirken. Bei der Begleitung des
Sohnes in die Akademie bereiste H.
den Kaiserstaat zum ersten Male und
beschrieb seine Reise in dem Werke:
„Ausflug nach Wien und Preßburg".
Schon damals wurden H. mehrere
Anträge eröffnet, die es ihm möglich
machten, seinen Antistesposten in Schaff«
hausen mit Anstellungen, in Gehalt und
Rang bedeutender, zu vertauschen; aber
H. schlug alle Anträge aus. Bald sollte
ihm aber alle Thätigkeit in seinem Amte
verleidet und der Besuch des Frauen«
klosters Katharinenthal im Thurgau'schen
für seine Zukunft entscheidend werden.
Er hatte, einer Einladung in das Kloster
folgend, vorerst dem Gottesdienste in
demselben beigewohnt und ein Bauer
wollte den protestantischen Antistes wäh.
rend der Andacht sogar knieen (!) gesehen
haben. Dieß waren die Verbrechen,
deren sich H. gegenüber der proteftan«
tischen Geistlichkeit Schaffhausens schuldig
gemacht und die eine Reihe von Ver.
folgungen, Berathungen und kleinlichen
Amtshandlungen im Gefolge hatten,
denen H. in seiner Entrüstung die Schrift:
„Der Antistes Hurter von Schaffhausen
und die sogenannten Amtsbrüder", ent«
gegenftellte, und welcbe mit seiner Erklä«
rung vom 18. März 1841, daß er allen
seinen Stellen entsage, endeten. Um aber
das Maß seiner Leiden voll zu machen, fiel
in diese Zeit neben eigenem dauernden
Siechthum der Verlust zweier Töchter,
die in der Blüthe ihres Lebens, eine
13», die andere 18jährig, in der kurzen
Frist von nur wenigen Tagen gestorben
waren. Der Freiheit wieder gegeben,
suchte H. die Mißstimmung über seine
Erfahrungen und den Schmerz über
die erlittenen Verluste seiner Kinder
in wissenschaftlichen Arbeiten zu vergessen
und mm reiften jene Ideen über Religion
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hibler-Hysel, Band 9
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hibler-Hysel
- Band
- 9
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 518
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon