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Iustizgesetzsammlung in Angriff, so daß
die bisher noch nicht herausgegebenen
Gesetze der Jahre 4833 bis 1848 unter
seiner Leitung im Drucke erschienen;
an diese Sammlung anschließend, bewirkte
H. die Herausgabe einer zweiten, nämlich
der „Sammlung der seit demRegierungs»
antritte Sr. Majestät des Kaisers Franz
Joseph des Ersten bis zum Schlüsse
des Jahres 1838 erlassenen und noch
in Kraft bestehenden Gesetze und Verord-
nungen im Iustizfache für das Kaiser-
thum Oesterreich" (Wien 1336—1860,
Manz, 8".), wovon mit Registerband
22 Bände erschienen sind, und fungirte.
als im Jahre 1830 das Institut der
theoretischen Staatsprüfungen in's Leben
trat, seit diesem Jahre als Präses
der judiciellen Staatsprüfungs-Commis-
sion. Zur Zeit ist H. Sectionschef im
k. k. Justizministerium, nachdem seine
Schöpfung, das Institut des Reichs-
Geseh.Blattes, wesentliche Modificationen
erfahren hatte. Von politischer Bedeu»
tung und von gewaltsamen Episoden
begleitet, war H.'s Wirksamkeit im Jahre
1848. Vor den Ereignissen des März
war H. die beliebteste uud gesuchteste
Persönlichkeit der Wiener Hochschule, er
erfreute sich eines Vertrauens vor der
Revolution, wie es Andere kaum in
und durch dieselbe errungen haben
dürften. Schon in den ersten Tagen
des März hatte H. in verschiedenen Ver-
sammlungen energisch und mit Erfolg
vor jedem Petitioniren der Universität
an den Thron, wie solches beabsichtigt
worden, und von jeder Theilnahme
der Staatsbeamten Md Universität an
den allenthalben. circulirenden Petitio»
nen als pflichtwidrig abgemahnt. Am
!2. März übernahm er auf amtlichen
Befehl sämmtlicher Universitätsvorstände
die Beruhigung der aufgeregten Studen tenmassen, was ihm für diesen Tag
auch vollkommen gelang. Am folgenden
Tage wurde H. zum Oberanführer
sämmtlicher Studentencorps gewählt,
nachdem ihnen wider sein Einrathen
mittelst Allerhöchster Entschließung vom
13. März die Bewaffnung bewilligt
worden war. Er führte dieses Com«
mando durch fünf Tage und es war ihm
gelungen, während derselben nicht nur
alle Excesse von der Universität ferne
zu halten, sondern auch unter persön»
licher gefahrdrohender Anführung mit
seinen bewaffneten Studentencorps eine
Reihe von Verbrechern, Brandlegern,
Eigenthumszerstörern, Plünderern und
Aufwieglern in der Umgebung von Wien
einzufangen und dem Strafgerichte zu
übergeben, und dadurch, wenigstens für
die erste Zeit, vieles Unheil von der Haupt»
stadt abzuwenden. Aber am 19. März,
als kein Zweifel mehr obwaltete, daß
fremde Elemente unter der Studenten»
schaft thätig waren und den Geist der»
selben verdarben, legte H. seinen Posten
freiwillig nieder und als er eine Procla»
mation, zu den Studien zurückzukehren,
an die Jugend ergehen ließ, war er,
wie bisher der Gegenstand ihrer Ovatio»
nen, nunmehr der Gegenstand allge-
meiner Verfolgung, Verhöhnung, die sich
noch steigerte, als er am 1. April das
Allerhöchst sanctionirte Preßgesetz wider
die auf der Universität dagegen statt»
gefundenen Demonstrationen zu verthei»
digen übernommen hatte. H. war Mit»
glied des Bürger», des Ständeausschuffes,
und trat als beides für die Maßregeln
der Regierung rücksichtslos in die Schran»
ken, ein Gebahren, welches den einstigen
Abgott der Jugend in den Augen der«
selben nicht wenig verabscheuungswürdig
erscheinen ließ. Auch bestand H. am
13. Mai im Ministerrathe, dem er beige»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hibler-Hysel, Band 9
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hibler-Hysel
- Band
- 9
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 518
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon