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l, Joseph (Anatom und Na
turforscher, geb. zu Eisenftadt in
Ungarn 7. December 1811, nach einer
handschriftlichen Mittheilung seines Bru>
ders: 181U). Bruder des Kupferstechers
Jacob H. >^s. d. Vorigen^. Joseph,
obgleich in Ungarn geboren, kam doch
schon im Alter von zwei Jahren nach
Wien, so daß die zufällige Geburt in
Ungarn kaum geeignet sein dürfte, ihn,
wie es der „Pester Lloyd" thut, zum unga
rischen Landsmann zu stempeln. Männer
wie Hyr t l gehören der ganzen Welt an,
In Wien wurde H. Sängerknabe an der
k. k. Hofcapelle, womit die Aufnahme in
das k. k. Convict verbunden wur. Nack
dem Austritt aus dem Convicte entschied
sich H. in seiner Vorliebe für die Natur
Wissenschaft für das Studium der Medicin
und in demselben namentlich für jenes
der Anatomie. Schon im Jahre 4832,
H. zahlte damals 21 Jahre, wurde er
unter Professor Berres M . I , S.333^
Prosector an der Wiener Hochschule und
arbeitete als solcher so fleißig an der
Bereicherung des Wiener anatomischen
Museums, daß er, nachdem er 1883
die medicinifche Doctorwürde erlangt,
1837 zum Professor der Anatomie in
Prag ernannt wurde. Im Jahre 1843
fand nach Ber res' Tode seine Berufung
in gleicher Eigenschaft an die Wiener
Hochschule, am 14. Mai 1847 seine
Ernennung zum wirklichen Mitgliede der
kais. Akademie der Wissenschaften Statt.
Auf diesen beiden, dem Lehramte und
der Bereicherung der Wissenschaft gewid»
meten Stellen ist H. noch zur Stunde
thätig. Was H.'s wissenschaftliche, von
den Fachgelehrten aller Länder anerkannte
Leistungen betrifft, so ist es nicht möglich,
in diesem Werke auch nur entfernt ein
Bild von der Menge und Wichtigkeit
derselben zu geben. Anfanglich befaßte sich H. mit der praktischen Chirurgie
als Operateur und war der Erste,
der die Operation des Schielens, eine
Unterbindung der Iliaca in Frist von
wenigen Minuten, ausführte. Bald aber
verlegte er sich ausschließlich auf das
Studium der Anatomie und begründete
seinen Ruf durch die vergleichenden
anatomischen Untersuchungen über das
Gehörorgan (die Werke und zerstreut
gedruckten wiffensch. Abhandlungen fol-
gen weiter unten). Noch bekannter wurde
sein Name durch seine Leistungen als
„Technischer Anatom"; seine vergleichend«
anatomischen Arbeiten wurden von dem
5Iuö66 Oi-üia in Paris erworben: seine
„Mikroscopischen In ject ionen
der feinsten Blutgefäße", nach
einem von H. selbst erfundenen Verfahren,
von den ersten medicinisihen Schulen
der Welt angekauft; und H. für eine von
ihm ausgeführte Sammlung der wichtig-
sten anatomischen Präparate, welche in
den Besitz der medicinischen Schule in
Galata Serai gelangte, von dem Sultan
Abdul Medj id in kaiserlicher Weise
belohnt. Mit diesen in ihrer Art einzigen
Präparaten Hand in Hand gingen H.'s
wissenschaftliche Leistungen, unter denen
sein „Handbuch der menschlichen Ana-
tomie", in sechs Jahren vier Auflagen
erlebte und in die meisten gebildeten
Sprachen des Continents übersetzt wurde,
und sein „Handbuch der topographischen
Anatomie" in noch kürzerer Frist bereits
drei Ailflagen auszuweisen hat. Ein
anderes und nicht das kleinste Verdienst
H.'s ist die von ihm bereits 4849 begon-
nene und seit dieser Zeit unausgesetzt
auf das eifrigste betriebene Einrichtung
eines Museums für vergleichende
Anatomie, in welchem mehrere Tausonde
der seltensten, kostspieligsten und schönsten
Präparate aufgestellt sind. Darunter
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hibler-Hysel, Band 9
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hibler-Hysel
- Band
- 9
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 518
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon