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Inzaghi, Karl Vorromäus Graf
(Oberster Kanzler der vereinigten
Hofkanzlei, Humanist, geb. 3. Decem-
ber 1777. gest. zu G ratz 17. Mai 1836).
Sohn des Grafen Johann Repomuk I.,
k. k. innerösterr. Gubernialrathes und
Ober-Berginspectors zu Idria, aus seiner
Ehe mit der Grasin Attems. Graf
Kar l trat in Gratz in den Staatsdienst,
ging von da nach Galizien, wurde dann
Kammerherr Sr. kön. Hoheit deö Erzher,
zogs Rainer, Vicekönigs in Italien,
unter Einem k. k. Cabinetssecretär und
später Obersthofmeister des Vicekönigs.
Im Jahre 1813 begleitete er die Armeen
der Alliirten als österreichischer Armee«
Intendant auf ihrem Siegeszuge; 1818
wurde er Gouverneur in Laibach, von wo
er in gleicher Eigenschaft nach Venedig
und. da ihm die Lust daselbst nicht zu-
traglich war. nach Brunn kam. Brunn
vertauschte er mit Wien, um als erster
Hofkanzler bei der vereinigten Hofkanzlei
eines der höchsten StaatSämter anzutre-
ten, worauf er nach dem Tode des Gra«
fen Mit trowSky deffen Nachfolger in
dcr Stelle des obersten Kanzlers
wurde. Auf diesem Posten beging er noch
das 30jährige Dienstjubiläum, dann aber
fiel auch er gleich vielen Andern, ein Opfer
der mit den Märztagen 1848 hereinbre«
chenden neuen Zeit mit den alten Men>
schen. Graf Inzagh i , welcher mit der
Würde eines obersten Kanzlers, jene eines
Präsidenten der Studien.Hofcommisfion,
k. k. Kammerers und geheimen Rathes
verband, besaß das Großkreuz des Leo»
pold-Ordens und war Großkreuz. Ehren-
bailli des souveränen Iohanniter»Ordens.
Nach seinem Austritte aus dem Staats-
dienste begab er sich nach Gratz, und
wie überhaupt weniger seine staatsmän»
nische Wirksamkeit in einer Oesterreichs
unwürdigen Zeit in Anbetracht kommt, so war es ebenso damals, als er nach
dem Staatskanzler das höchste Staatsamt
in der Monarchie bekleidete, wie. spater,
nachdem er in den Ruhestand übergetreten
und nach Gratz sich zurückgezogen hatte,
vornehmlich das echt humane, nur das
Menschenwohl, und zwar mehr im Gehei-
men als öffentlich, fördernde Wesen, wel-
ches ihm das Andenken vieler einzelner,
von ihm dauernd Unterstützten, wie jener
Stadt sichert, die er zum Mittelpuncte sei-
ner Wohlthätigkeitsacte gemacht hat. Es
gab kein Wohlthätigkeitsinstitut in Gratz,
das er nicht reichlich unterstützt hätte, und
so feiern das Gratzer Kinderspital, die
Kinderbewahranstalten, die Krippen, das
Witwminstitut für Bürger, der Invali-
denfond in Pettau, das Institut der
barmherzigen Schwestern sein Andenken
als das eines ihrer edelsten Wohlthäter.
Für das Waiseninstitut Bor romäum,
des von ihm gegründeten katholischen
Männervereines, kaufte er ein Haus um
mehrere Tausend Gulden, ließ es zweck»
mäßig umbauen, mit Betten, Kleidungs«
und Einrichtungsstücken versehen, fun«
dirte es mit einem Capital zur Erhaltung
des Hauspersonales, was Alles wieder
einen Betrag von mehreren Tausend Gul'
den ausmachte. Im Jahre 1856 schenkte
der Graf das vollendete und völlig ein-
gerichtete Haus dem katholischen Män-
nerverein und, um dessen Erhaltung zu
sichern, fügte er zu dieser Schenkung eine
neue von 20.000 fl. hinzu. Seine im
Stillen geübten zahllosen Wohlthaten
übersteigen aber weit die oben angeführten
Summen. Wien und Gratz haben den
edlen hochherzigen Cavalier zum Ehren-
bürger ernannt. Er starb im hohen Alter
von 79 Jahren. Auf seinen Wunsch wur-
den seine irdischen Reste von Gratz in die
eigene Gruft auf dem Fried Hofe zu Wäh<
ring bei Wien überführt und dort bei-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon