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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10
Seite - 219 -
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Seite - 219 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10

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Joachim 219 Joachim Universal-Lexikon der Tonkunst. Ange< fangen von Dr. Julius Schiadebach, fort gesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden, Schäfer, gr. 8".) Po. I I , S. 512. — Da- Vater land (Wiener polit. Blatt) t8Ul Nr. 52. — Ocsterrcichischc Iei tunz (Wiener polit. Blatt) <86l. Nr. 55. — Wie nerZeitung l86l. Nr. ^6. — Ostdeutsch, Post l86l, Nr. 50. — Pcster Lloyd (Pesther polit. Blatt). Jahrg. 1838. Nr. l04. und Jahrg. l86l, Nr. 5« u. 61. — Humo rist, herausgegeben von M. G. Saphi i (Wien). 1856. Nr. »«. — Presse (Niene polit. Blatt» l863. Nr. 69 (im Feuilleton van Hanslick), — Fremden'Blatt (Wien 4".) l862, Nr. 82. - Brcs lau er Zeitung 186l, Nr. l23. - Frankl (L. A.), Sonn tagsblätter (Wien. 8«) Jahrgang I I I (1844), S. 56l. — Porträt. Stahlstich von Weg er (Leipzig, Baumaartner. 4") ^auch Beilage der Leipziger Modenzeitung von Diezmann^l — Neber Zoachim den Künstler. Ueber wenigl Künstler der Neuzeit stimmen die Urtheile der Kunstkritik so überein, wie über Joachim: «Zwei specifische Eigenthümlichkeiten charak- terifiren seine Kunstliteratur: die größte Strenge und Reinheit des Ety ls und eine u nübertreff l ich e Tech nik. Er bat siä) sein Spiel und seine Natur rein, keusch, edel und maßvoll erhalten mitten in dieser Zeit. mitten in dieser Welt der Koketteric, der sitt lichcn Unsicherheit und der aus Unkraft herrüh- renden Maßlosigkeit; so daß er von dem von Dumas in der Erzählung von den Pfirsichen so treffend charaktcrisirten schwarzen Puncte der Fäulniß freigeblicben und ein Künstler fast mitten unter V i rtu osen geworden". — I1l dem Werkchen über daß „Karlsruher Mu« sikfcst 1856" wird I . in einer Reihe von Auf' sätzen, die ihn allein betreffen, von Verschiede» ncn und nach verschiedener Richtung gefeiert. Die Londoner „'ksvisw" stallt ihn in einem „^oaekiin et, Visuxteinpä" «verschriebenen Artikel über „Visuxtkmp8". Das Barockste, was die Kritik über ihn sagen konnte, ist aber doch das dem Urtheile über die Elsler, daß sie Goethe tanze, nachgebildete, „daß Joachim Protestantismus spiele", welchen Aus» spruch ein Witzblatt mit dem Trumpfe, „er habe Strohsesscl gespielt", abfertigte. — Herr Spcidel — nach Hanslick der zweitbeste Musikkritiker Wiens — schreibt über Joachim den Virtuosen: „Er ist ein großer Techniker und ein tüchtiger, geschmackvoller Musiker. Sein Strich ist grandios; wenn er zu geigen anfängt, so bat nicht ein Gedanke Raum zwischen dem Bogen und der gestrichenen Saite. Sein Ton ist voll. rund. intensiv, doch nicht allzu groß. Die Geige erklingt unter seinem Bogen ganz ihrer Natur gemäß: durchdringend, schneidig in der Höhe. weich und gesangvoll in der Mittellage, und auf der vierten Saite, wenn sie energisch angegriffen wird, mit jenem naturgewaltigen Mitschnarren und Mitächzen des Steges, das wesentlich zum Charakter der Violine gehört In allen Stricharten, gebundenen und hüpfen« den, ist er vollendeter Meister. Seine Scala ist ungewöhnlich rein und klar, einen Triller mit so breitem plastischem Nachschlage, so un- gemein gleichmäßig und voll, doppelgriffig und zweistimmig getheilt, haben wir nie vollendeter spielen hören. Und all' diese große Technik wird nun unter die Zucht des reinsten Ge- schmackes genommen. Bestimmt umrissen, ohne irgendwelche formelle Einbuße wird jeder musikalische Gedanke wiedergegeben. Und dennoch, bei allen Vorzügen, die sein Spiel kennzeichnen, können wir diesem Künstler nur mit kühler Bewunderung folgen. Alles tech» nisch und ästhetisch Lehr' und Lernbare hat er in vollendeter Weise los, nur Eines fehlt ihm: eine tiefe, ursprüngliche Empfindung, jenes nachschöpfcrische Vermögen, welches den aus» übenden Künstler für Augenblicke auf die Höhe eines producirenden Künstlers zu heben scheint. Wie dieses Geniale im Künstler ein geistiger Hauch ist. der sich äußerlich nicht haschen läßt. so läßt sich auch nicht mit dürren Worten beweisen, daß einem Künstler diese letzte Kraft mangelt. Nur ein angebornes, durch Erziehung zum Schönen geläutertes Verständniß für die» scs Höchste in der Kunst wird Anwesenheit oder Mangel dieses lehtcrn unmittelbar empfin» den oder begreifen. Genie ist eine freiwillige Gabe der Natur, die sich durch keinerlei Arbeit erringen läßt. Einem Musiker zu sagen, daß er kein Genie sei, kann nichts Beleidigendes für ihn haben, und was das Publikum betrifft, so kann es wahrlich nicht verlangen, daß sich die Kritik zum gehorsamen Echo eines vielleicht wetterwendischen Enthusiasmus hergibt." — Hleber Joachim den (Komponisten bemerkt Hanslick, als dessen „ungarisches Concert" gegeben wurde: „Diese Tondichtung voll Geist und Gemüth, voll Energie und Zartheit sichert Joachim einen hervorragenden Platz unter den modernen Componisten. Man möchte sei« ncn Pirtuosen-Ziegen gram werden, welche wohl allein schuld sind, daß diese Kraft so selten zu einem größeren Werke sich zusammenfaßt".
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Jablonowski-Karolina, Band 10
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Jablonowski-Karolina
Band
10
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1863
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
524
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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