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John 238 Zohn
Schauspieler Kl ing mann enthielt, aber
glücklicher war John mit der Bestellung
die Bildnisse des Churfürsten und der
Churfürstin von Bayern, nebst einer
Serie von 32 Porträten gelehrterBayern,
sämmtlich'nach Edlinger, zu stechen,
welcher Aufgabe er sich mit seltenem
Geschicke 1793 und 1794 entledigte. Diese
Portratstiche von John, in höchst charak»
teristischer Weise ausgeführt, hatten die
Aufmerksamkeit des Kaisers Franz er-
regt, der den Künstler zu sich beschied und
sich die ganze Serie dieser bayerischen
Porträte — die übrigens zu den großen
Seltenheiten des Kunsthandels gehören
- von John geben ließ. Da John
selbst keinen Abdruck mehr hatte — denn
die Platten waren Eigenthum des Mün-
chener Buchhändlers Strobel und
gingen dann in jenes des Buchhändlers
F.leischmann über — so überließ er
dem Monarchen seine eigenen, bereits auf»
cachirten Probedrucke. Da Kaiser Franz,
ein großer Portratfreund, auch sammelte,
so ertheilte er John den Auftrag, ihm
für seine Sammlung von jedem Bildnisse,
das er stechen sollte, ein Exemplar zu
überlassen, in dessen Befolgung sichI o h n
nicht bloß auf Bildnisse beschränkte, son»
dern AlleS überreichte, was er überhaupt
stach, daher also die kaiserliche Privat»
Kupferstichsammlung so ziemlich ein voll'
ständiges Werk der Stiche I o h n's, wenig«
stens vom Jahre 1794 an, besitzen dürfte.
Iohn's Ruf als Kupferstecher drang auch
ins Ausland, und der Buchhändler Gö-
schen in Leipzig, welcher einer Prachtaus,
gäbe von Wieland's und Klopstock's
Werken vorbereitete, wollte dieselben mit
John'S Stichen geziert sehen. So stach
er denn für die Werke von Wieland 12,
für jene von Klopstock 6 Platten in
Quarto. Auch fallen in diese Zeit seine
Platter zu Alxinger's „Doolin von Mainz" und „Bliomberis" . und das
große Blatt nach Füger, „Abrls Tod",
welches allein ihn fast ein volles Jahr,
1800, beschäftigte. Ein Stich, das Pol>
trat der Fürstin Li t ta, gebornen Prin-
zefsin von Este, nach einem Kniestück von
Barbe, eine der schönsten aber auch
seltensten Arbeiten des Künstlers, machte
seinen Namen auch in Paris auf das
Vortheilhafteste bekannt. Nun wurde ihm
eine ebenso schöne als lohnende Aufgabe,
nämlich der Stich der Platten für die von
dem Grafen Meerman van Dalem
vollendete holländische Nebersetzung der
Meffiade von Klopstock, für welche er
nach den zwar geistvollen aber sehr
flüchtigen, in schwarzer und weißer Kreide
auf blauem Papier ausgeführten Zeich-
nungen Füger's 20 Klein-Folioblätter
zu stechen
hatte, wozu noch die Porträte
Klopstock's nach Hickel und des Gra»
fen Meerman nach Boi l ly kamen.
Betreffs des Stiches dieser 20 Blätter ist
eine kleine Episode kunstgeschichtlich inter-
essant. Füg er hatte nämlich für das
20. Blatt die Scene gewählt, wie Gott
Vater dem Sohne das Reich übergibt.
Da aber die Holländer eine Abbildung
von Gott Vater nicht dulden, so sollte
Füger dieses Blatt durch ein anderes,
ersetzen und wollte es anfänglich nicht
thun, von der trefflichen Arbeit John's
aber sichtlich befriedigt zeichnete er an
Stelle des gedachten Blattes ein anderes
vorstellend die Himmelfahrt Christi, wäh.
rend ihm die Engel das Kreuz nachtra»
gen. Neun Jahre, 1803 bis 1813. hatte
John hauptsächlich an diesen schönen
Blattern gearbeitet', aber in dieser Zeit
auch noch einige andere Arbeiten, wie
z.B. die Blätter zu Col l ins Werken
und mehrere Porträte, ausgeführt. Nun
begann er im Jahre 1814 das berühmte
Blatt nach 3ebrun: „Die Adoration
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon