Seite - 239 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10
Bild der Seite - 239 -
Text der Seite - 239 -
Zohn 239 John
der Engel", die einzige Arbeit John's,
welche bis auf Kleinigkeiten unvollendet ge»
blieben ist und sich im Besitze seiner Toch-
ter Emi l ie, verheirathetcn Opraw i l ,
in ^ratz befindet. Im nämlichen Jahre
noch begann John die Blatter für das
Taschenbuch Agla ja, welche von ihrem
ersten (1818) bis zu ihrem letzten Jahr»
gange (1832) Blatter von John. und
zwar im ersten drei, in allen folgenden
sechs, im Ganzen 10A Sticbe sdiese find
in dem unten folgenden Verzeichnisse der
Blatter Iohn's mit Sternen (*) bezeich'
neH enthalten und in ihrer Gesammtheit
das zweite Hauptwerk Hohn's bilden.
Zwar ist das Format der Blatter klein
(12".). aber der größte Theil der Originale
sind Meisterwerke der Aelvedere-Gallerie,
und im Stiche mit einer Anmuth und
Zartheit, in welchen John nie erreicht
worden, ausgeführt. Eine vollständige
Folge der ersten Abdrücke gehört zu den
großen Seltenheiten und wurde scbon
mit 100 fl. bezahlt. Die 20 Platten zur
Messiade, mit Klopstock'S und Meer-
ma n's Portrat, befinden sich im Besitze
der Familie des Letzteren, die 105 Platten
zur Aglaja sind aber in jenem der Buch-
handlung Wallishausser (jetzt Klemm),
welcher in den Jahren 183!) und 18!i6
einen Wiederabdruck der besser erhaltenen
versuchte und sie dem Kunstblatte beilegte,
welches eine Beilage der von Nord»
mann herausgegebenen Wochenschrift
„Salon" bildete. Aber eine Retouchi«
rung schien nicht entsprechend, deml die
Platten waren stark ausgedruckt und
eine nur annähernde Wiederherstellung
derselben mußte, wenn sie überhaupt
möglich ist, von einem John ebendür-
tigen Künstler ausgeführt werden. Am
26. Mai 1832 beendigte John dic letzte
Platte, eS war die 302., die „Verherr-
lichung der Magdalcna" nach Guido Reni, und am folgenden Tage trat er
seine Reise nach Steiermark an. wo er
zu Marburg sich niederließ und von aller
Arbeit ausruhend, nunmehr nur seiner
Familie zu leben die Absicht hatte. Aber
wie beglückend durch steigenden Künsi>
lerruhm während einer ununterbrochenen
42jährigen künstlerischen Thätigkeit —
die im Ganzen doch so lohnend gewesen,
daß sich I . von der Arbeit zurück«
pichen und von seinem Erworbenen leben
konnte — die Vergangenheit sich gestaltet
hatte, so düster und herzerschütternd
sollte das letzte Decennium werden, das
ihm gegönnt schien nicht um auszu»
ruhen, sondern um auszuleiden. Sein
ältester Sohn, bereits selbststandig, siel
ls36 ein Opfer der Cholera; dadurch
wurde die Uebersiedlung eines zweiten
Lohnes aus Amerika nach Trieft ver-
citelt und ging ein großer Theil des Ver-
mögens des Letzteren verloren. Ein
Schwiegersohn starb auch und ließ eine
unversorgte Witwe mit vier unmündigen
Kindern zurück und endlich raffte der Tod
ciu Jahr vor I o h n's eigenem Hingange
seine Frau dahin, mit der er 37 Jahre
hindurch redlich Leid und Freud' getheilt.
So am Abend s i^neS Lebens von Leiden
überwältigt, starb er, 74 Jahre alt, und
ruht auf dem Mardurger Gottesacker, wo
sein mit einem einfachen Kreuze geschmück»
tes Grab von manchem durchreisenden
Kunstfreunde besucht wird. Als Künstler
nimmt John eine bedeutende Stelle
ein, er leistete Treffliches und seine eigens
liche Stärke selbst genau kennend, war
er groß im Kleinen, obgleich er auch
einige größere Platten vortrefflich aus»
geführt hat. Dabei hatte er sich durch-
wegs selbst gebildet, war der Schöpfer
eines Verfahrens, welches, vor ihm unbe»
kannt, nach ihm viel versucht, geübt und
nachgeahmt, aber nie mit solcher Vollen-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon