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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10
Seite - 251 -
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Seite - 251 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10

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Fukai 281 Mai !V. Iökai als politischer Charakter. Seine Red, anläßlich der Adreßdebatte ist sein politisches Glaubensbekenntniß. Ohne sich zu seinen An, sichten zu bekennen, oder seine politischen An> schauungen zu billigen, muß man gestehen, dai dcr Ton, den er in jener Rede anschlägt — in welcher er noch dazu mit der Beschlußpartei zusammengeht — so maßvoll, so anständig ist, daß sie von den oft pöbelhaften Ausbrüchen der vielen anderen Redner grell absticht und daß man von ibrem Redner sagen k^nn, „ein jeder Zoll ein Dichter", ebenso der illusorischen Anschauungen, als der ästhetischen Fassung und Redeweise wegen. I<5kai hält dafür, „daß es unmöglich sei, daß die ungarische Na tion sich der Person ihres Königs nähere wenn dieser vom Ministerium eines fremd er Landes umgeben ist, und anstatt der eigenen verfassungsmäßigen Regierung jenes Mini, sterium den Ungarn im Wege steht. Beide sind Zugbrücken, nur ist erstere eine auf- gezogene, letztere eine herabgelassene Brücke". — „Ich drückte mich schlecht aus", fährt I6ka i fort, „wenn ich von dem Ministerium eineö fremd en Landes sprach, ich hätte sagen sollen das Minister ium eines nicht exi stirend en Landes" (!!!). I 6 kai der Poet sagt: „Das Wort „Oesterreichischer Gesammtstaat" ist eine Chimäre. Es gibt in Oesterreich böhmische, polnische, deutsche wie ungarische Patrioten; aber das Wort üster» reichischer Patriot bat noch keinen Reprä« sentanten gefunden. (Oho!) Oesterreich hat ehrgeizige Feldherren, herrschsüchtige Minister, speculirenoe Handelsleute, eine Schaar auf ibre Stellung eifersüchtiger Beamten, es hat Zeitungsschreiber, aber es hat keine Patrioten. (Oho!) Für das Wort „Gemeinstaat" be. geistern sich nur Diejenigen, die daraus Nutzen ziehen, nicht dafür Opfer bringen wollen" (das ist eine rein poetische Anschauung). — Als weiterer Grund, warum keine Adresse votirt werden könne, ist für I6ka i „die Nichtanwesenheit der Deput i r ten Siebenbürgens". Er behandelt es als eine wesentliche Frage, ob die ungarische Na» tion, von Siebenbürgen getrennt, an ihren Fürsten eine Adresse richte, oder ob sie zu Beschluß gebe, daß sie. so lange das Schwester» land gewaltsam von ihr getrennt sei, stumm bleiben wolle; so lange eine ihrer Hände gebunden, könne sie sich mit der anderen nicht bewegen" (ein selbst poetisch hinkendes Gleich, niß). Ioka i meint, „die Ungarn können warten und wol len warten. Auf Unterhandeln könne die Nation sich nicht ein- lassen. Somit gebe es nur zwei Fälle: enb weder will der Monarch uns Alles geben, oder er will uns nichts geben, denn zwi< schen diesen beiden Fällen gibt es keinen annähernden Punct (wieder eine poetische Fiction). Im ersten Falle haben die Ungarn durch das Drängen den Monarchen, im zweiten sich selbst gedemüthigt". —Ioka i ist weit entfernt, uon der österreichischen Ne gierung die Belebung Ungarns zu verlangen. „Ungarn", sagte er, „lebt und besitzt das Bewußtsein des Lebens; es besitzt seine Insti- tutionen, die man ihm wohl immer w e g> nehmen kann, die man ihm aber nicht zurückzugeben braucht, denn sobald die Gewalt aufhört, ist ja Ungarn von selbst im Besitze seiner Constitution." Ioka i leugnet nun nicht, d^ß dieß in der Monarchie ein Dualis- mus sei, aber daß dieser Dualismus mit der Auflösung der Monarchie gleichbedeutend sei, das scheint ihm eine leere Behauptung. „Der Dualismus Oesterreichs erscheint ihm ein zweiarmiger Niese, während das einheitliche . Oesterreich ein krankes Ungeheuer ist, das sich selbst verschluckt hat und nicht zu verdauen vermag." Iokai führt nun einige Beispiele an, zu Folge welchen die Monarchie zur Zeit des Dualismus ihre geschichtlichen Glanz- puncie erreicht, während ihrer vollständigen Uniformität aber nur Demüthigungen erlitten habe. Nun diese Beispiele hat auch I6kai 's blendende Phantasie zusammengestellt und der Poet dem Politiker ein Schnippchen geschlagen; die Geschichtskenntniß des Staatsmannes bringt andere und wichtigere Ergebnisse. In solchen Pdantasiegebilden ergeht sich die Deputirten- rede Iokai 'S. und in der That. er mochte es selbst fühlen, daß er mehr Poet, als Depu» tirter sei, als er seine Rede mit den Worten begann, „daß er auf diesem Gebiete in jeder Beziehung ein Neuling sei". Wahrhaftig, man glaubt ihm dieß gerne. Was er aber sprach und wenn es das Verwegenste und Unhalt- barste war, er sprach es mit Anstand, kurz als Ungar, der zu den Ersten seiner Nation zählt. '. Zur literarischen Kritik Iükai's. Ein unga« rischer Kritiker schreibt über I6ka i : „Er ist nicht bloß Schriftsteller, sondern er ist wahr« hafter Poet. Im Humor steht er den besten englischen, in der Anmuth den lieblichsten fran« zösischen Schriftstellern nicht nach. während sein Ernst auf wirkliche dramatisch,: Kraft hinweist. Sein Genie ist allüberall, und wie
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Jablonowski-Karolina, Band 10
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Jablonowski-Karolina
Band
10
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1863
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
524
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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