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Mai 232 IĂĽkai
ein Sonnenstrahl dringt es durch jede Ritze.
Dabei ist jedes seiner Worte eigenthĂĽmlich,
und er in seiner originellen Individualität
weder nachahmbar noch weniger aber über«
treffbar. I n 'einer Zeile, in einem hingewor-
fenen Bilde gibt er oft eine ganze Geschichte,
läßt er ein aanzes Seelenleben auftauchen.
Er schreibt viel und flĂĽchtig, aber auch das
FlĂĽchtige ist in einer oder der andern Hinsicht
noch immer interessant, ja oft bedeutend,
trefflich. hinreißend, schön. Seine dem unga»
rischen Leben entnommenen Typen sind voll
Wahrheit, sind Fleisch und Blut, und noch
mehr: sie sind ungarisch an Seele und Ge-
mĂĽth. Als Naturdichter, immer in kurzen
aber stets kĂĽnstlerischen Strichen im Nu ein
Tableau hinzaubernd, das selbst Jemand, der
jene Gegend nicht sah, im Gedächtnisse behalten
kann, dürfte er kaum von iraend Jemand über«
troffen werden. Was Iokai , wie einer seiner
Biographen schreibt, nicht aus Autopsie weiĂź,
all' das weiß der Dichter durch jenes wunder»
bare Divinationsoermögen, das uns anderen
Menschenkindern völlig unerklärlich ist. Nicht
nur daĂź I6ka i , wie nie einer vor ihm,
seiner Heimat Wesen erfaĂźte und auch der
Ausländer aus seinen Werken „ein Stück
ungarischen Himmels und ungarischen Trei-
bens" kennen lernt, auf ebenso interessante
als angenehme Weise in eine völlig neue
Welt eingefĂĽhrt wird, so schildert er ebenso
eminent und charakteristisch fremde Zustände,
ein Londoner Drawingroom, eine Pariser
Grisette. einen Berliner Gardelieutenant,
und wenn er sich sein PhantasieroĂź sattelt,
nun da werden wir in Regionen gefĂĽhrt,
die selbst Heine nicht träumte und die
I6kai zudem kunstwahrer darstellt, als
z. B. Jean Paul mit seinen rosenrothen
Wolken und veilchenblauen Dämmerungen,
denen alle sinnliche Anschauung mangelt."
I 6 t a i , schreibt derselbe Biograph, ist schon
öfter, wie Iosika der ungarische Walter
Scott, der ungarische Dumas genannt
worden. I okai ist aber Ungarn s —Iokai
und wird einst in einer Weltliteratur nur
„ Iokai" heißen. — Für deutsche Leser und
Freunde der ungarischen Literatur und als
Beweis, wie sich das deutsche Publikum auch
schon dieses Lieblings der ungarischen Lesewelt
bemächtigt hat. folgt hier eine Uebersicht der»
jenigen kleineren Novellen und Erzählungen
Iökai 's. welche in's Deutsche überseht und in
Zeitschriften abgedruckt worden sind. und zwar
im Pesther Tonntaasblatt.- „Thomas Bacsö". Von W. Szigmund (1854); — „Die
Haromßeger Mädchen". Von 3. Rosner (im
näml. I.); — „Peroses". Von I . H. (ebd.);
— „Ein ungarischer Zauberer". Von L. Ros-
ner (ebd.); — „Der Lügenpeter". Von Dems.
(ebd.); — „Adamante". Von G. Lichtenstern
(ebd.); — „Sajo". Histor. Zeitgemälde von
L. Rosner (ebd. 1835); — „Das Bettel«
kind". Von Dcms. (ebd.); — „Ungarns Dich«
ter und ihr Loos". Von Dems. (ebd.); —
im Wiener Journale Die Donau: „Aus
Petöfi's Leben". Von A. Agay (1853. Nr. 239);
— in der Ungarischen Post: „Aus dem
Leben eines ungarischen Dichters" (1835.
Nr. 3—7); — im Wanderer: „Die gute
alte Frau". Von L. Rosner (1862); auch im
Separatabdruck; — in Waldh eim's I llu«
strirter Zei tung: „Der Flüchtling". Von
L. Rosner (1862); — „Traurige Tage. ein
Roman" (ebd. Nr. 1 u. f.); — in Franz S ch u«
selka's Nat ional-Kalender: „Ein unga«
rischerDichter". Von L. Rosner; auch im Sepa»
ratabdruck; — in Waldheim's Mußestun»
den: „Das Feenschloß". Von S. Brodi (1859,
S. 214); — „Hunnen.Märchen". I—VIII
(ebd. S. 294 u.f.); — „Unter der Erde"(1860.
S. 7 u. f.); — „Die Caldaria" (ebd. S. 64);
— „Ein Todesurtheil" (ebd. S. 184 u. f.); —
„Zehn Millionen Dollars" (ebd. S.317u.f.);
— „Aller guten Ding' sind drei" (ebd.S. 364);
— „Die Unterhaltung wider Willen" (ebd.
S.419 u. f.); — „Ein geheimnißvolles Leiden"
(186!.S. 90); —„Carinus"(ebd.S.151u.f.);
— „Die beiden Markow" (ebd. S. 210); —
„Adamante" (rdd. S. 255); — „Ein Ball"
(ebd. S. 303); — „Ein verhängnisvoller Ort"
(ebd. S. 327); — „Die Witwe des Gefalle»
nen" (ebd. S. 364 u. f.); — „Georg von
Szent Tomas" (ebd. S. 397); — „Mein
Liebster ist nicht Staub geworden" (1862.
S. 16); — „'Der Ring als Verräther" (ebd.
S. 33); — „Die Amazone" (ebd. S. 247); —
„Des Teufels Braut" (ebd. S. 31? u f.); —
„Die Heldensöhne" (ebd. S. 390); — „Ein
guter Mann" (ebd. S. 411).
Vl. Mai 'g Persönlichkeit. Diese schildert sein
Biograph, wie folgt: „ Ioka i ist ein mittet«
groĂźer, schmachtiger, braunblonder jungerMann
mit hoher Stirne, die bereits durch eine
Glatze fortgesetzt wird. wodurch der Schädel
plastisch Heroortritt, während ein Vollbart und
ein entschiedener Schnurbart der Physiognomie
feste Basis verleihen. Zu seinen vielen Eigen«
schaften gehört auch die größte, liebenswür»
digste Bescheidenheit und eine gegen Jeder»
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon