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Erste, der die Volkslieder der Lausitzer Serben
sammelte. Endlich begründete er in Leipzig ein
Organ für slavische Interessen in deutscher
Sprache — es ist dieß bemerkenswerth, weil
gewiß noch keinem Deutschen es eingefallen ist,
ein Organ für deutsche Interessen in slavischer
oder irgend einer andern Sprache zu begrün«
den — und begann in Leipzig 1842 die Heraus»
gäbe der „slavischen Jahrbücher", welche durch
ihre erclusioe Haltung, durch die von slavi»
scher Seite den Deutschen in deutscher Sprache
gesagten Insulten bald in Ruf, um nicht zu
sagen, Verruf kamen. Auch hielt er in Leipzig
Vorträge über die Slaven, ihre Cultur und
Literatur,- seinen Uebergriffen trat endlich ein
deutscher Mann, Heinrich Laube entgegen;
nun sah man solchem Treiben im Herzen
Deutschlands nicht mehr gleichgiltig zu und
Jordan wurde von der Leipziger Universität
ausgeschlossen. Die Ereignisse, welche 1848 in
Oesterreich stattfanden,
ließen ihn denKaiserstaat
und in diesem Böhmen als das Land erkennen,
wo seine panslaoiftischen Tendenzen einen frucht-
baren Boden finden tonnten. Jordan ging
also nach Prag, und nachdem die „slavischen
Jahrbücher" zu erscheinen aufgehört hatten,
begann er in Prag die Herausgabe einer poli»
tischen Zeitschrift unter dem Titel: „Slavische
Centralblätter"; diese redigirte er bis Ende
1849, worauf sich die Centralblätter in das
Blatt „Union" verwandelten; aber obgleich
die Redaction wechselte, blieb doch Jordan
die Hauptseele derselben. Auch redigirte I . zu
Anfang 1849 durch vier Monate das Prager
Gemeindeblatt, welches im Auftrage des dor«
tigen Stadtrathes herausgegeben wurde. Von
der slovanslc» I^ixa in Prag wurde Ior«
dan in den Ausschuß gewählt und in diesem
arbeitete er die Statuten des Vereins aus.
Seit dieser Zeit ist sein Name und selbst auf
dem Büchermärkte verschollen. Die auf Oester«
reich und zunächst Böhmen bezüglichen Schrif»
ten Jordan's sind: „Böhmen. Geschichte des
Landes und seines Volkes von der frühesten
bis auf die neueste Zeit". 3 Bde. (Leipzig
1844, Slavische Buchhandlung, gr. 160.. mit
10 Stahlst.; 2. (Titel,) Ausgabe 184?); —
,Die Vorläufer des Hussitenthums in Böhmen.
Aus den Quellen bearbeitet" (Leipzig 1846.
Keil, gr. 8«.); — „Die slavischen Sprachdia«
lecte in kurzer Grammatik, Chrestomathie und
dem nöthigen Wöneroerzeichniß. I.Theil: Die
polnische Sprache. 2. Theil: Die polnische
Sprache für Böhmen" (Leipzig 1845, Engel«
mann, 8».); — „Vollständiges Taschenwörter« buch der böhmischen und deutschen Sprache".
Stereotyp'Ausgabe auch mit öechischem Titel
(Leipzig 1847. Tauchnih, 16v); — „Akten,
mäßiger Bericht über die Verhandlungen des
ersten Slavencongresses in Prag" (ebd. 1348,
gr. 80.); — „Nicht Deutsch! Nicht Russisch!
Nur Oesterreichisch! Offenes Sendschreiben an
Herrn Franz Schuselka" (Prag 1849, Salve,
8".). sHi'tts^Ss^, KaFSSui slovuioslc uovi-
uiirskF a koQvsrssöui, d. i. Kleines Taschen«
Conversations'Lerikon (Prag 1850, PospiZil,
i2°.) Theil I, S. 88t.) — 4. Peter Jordan
(Landwirth, geb. zu Sellrain in Tirol 1751,
gest. zu Wien 6. Juli 1827). Beendete in seiner
Heimat die Studien, wendete sich der Natur«
Wissenschaft und von dieser dem Lehrfache zu.
Nachdem er mehrere Jahre das Lehramt ver-
sehen hatte, wurde er ökonomischer Director
der t. t Patrimonialherrschaften Larenburg
und Vösendorf und k. t. Regierungsrath. Ior»
dan ist es, der die Oekonomie mit großem
Scharfsinne und zu einer Zeit auf chemische
und physiologische Grundsähe zurückgeführt
hat, da derlei Gedanken noch neu waren;
der Landwirhschaftslehre Trautmann's sind
mit Jordan's Bewilligung seine schriftlichen
Abhandlungen und öffentlichen Vorträge zu
Grunde gelegt. Jordan wurde mit dem
Ritterkreuze des Leopold<Ordens ausgezeichnet.
^Schreibers (Ios.Ritt. o.), Darstellung der
Gründung und Entwickelung der k. t. Land«
wilthschaftS<Gesellschaft in Wien (Wien 1837,
Staatsdruckerei. Lex.8«.) S.3—5. — Staff»
l er (Ioh. Iac.). Das deutsche Tirol und Vor»
arlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemer»
tungen (Innsbruck 1839.8".) Bd.I, S.523.—
Porträt. I . Capeller Mx . . D. Weiß »c.
(4«.).) - 3. Thomas Jordan (geb. zu Klau-
senburg in Siebenbürgen 1539. gest. zu Brünn
1085) studirte Medicin zu Paris unter Go u»
pylus «Ad Duretus und zu Montpellier
untrr Zaubert und'Ro ndeletiuS, machte
dann Reisen in Italien und kam nach Wien,
wo er die ärztliche Doctorwürde erwarb. In
Wien befreundete er sich mit Julius Alessan»
dr in i , Crato von Kraftheim und Fran<
ciscuS Parthinus. Im Jahre 1566 wurde
er Felonrzt im kaiserlichen Heere, welches nach
Ungarn gegen die Türken zog, und 157U Pro«
tomedicus in Mähren. Jordan entfaltete als
Arzt eine ruhmvolle Thätigkeit. In Ungarn
beobachtete er die sogenannte „ungarische
Krankheit" Hagymatz; Mähren bereiste er
nach allen Seiten, untersuchte seine Gesund«
brunnen und gab sein Werk zuerst in böhmi«'
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon