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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10
Seite - 275 -
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Seite - 275 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10

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3üstka 278 Josika III. Zur literarischen CharakteristikIüsika's. Was Sprache und Styl I 6 sil a'ö betrifft, so räum, ihm einer seiner Ueberseher. V. Schwarz, der Iosika's besten Roman den preisgekrönten „Letzten Bäthori" in's Deutsche übersetzt hat, oaS hohe Verdienst ein, „den überraschenden Aufschwung, den die Sprache der Magyaren in jüngster Zeit (in den dreißiger Jahren) genommen, herbeigeführt zu haben. Er war der Erste, der das Bedürfniß der unmündigen Volksliteratur erkannte und sich der gewöhn» lichen, schwerfälligen und bombastischen Prosa zu erwehren vermochte, der vorzüglich durch die blühende, bilderreiche Sprache vollSchmelz und Zartheit, die Leselust in so hohem Grade zu erwecken wußte, daß selbst die Magyarinen, denen früher diese kalte, ernste, pomphafte Sprache ganz unzugänglich dünkte, nun mit Eifer derselben obliegen". So uiel über jenes Moment I6sika's, über welches die Nation das diese Sprache spricht, zunächst zu urtheilen berechtigt ist. Was die künstlerische Gc< staltung betrifft, über diese zu urtheilen, braucht man nicht erst auf den Nationalstandpunct sich zu stellen, denn-die Kunst ist nicht ein Präro, gativ dieser oder jener Nation, sie ist Eigen, tbum der ganzen gebildeten Menschheit. I6, sika's Talent reifte an der Lcctüre deutscher, französischer und hauptsächlich englischer Werke und ohne sie gerade nachzuahmen, ist doch der Honig, den er spendet, aus jenen Blumen aesildcn. Vornehmlich hat er es Wal ter Scot t abgesehen — und wie banal die Be- zeichnung, die ihn den „ungarischenScott" nennt, sein mag, so ist sie denn doch richtig — weil er wie Scot t seine Werke baut und verziert, und die Wahl der Stoffe, wenigstens in den vormärzlichen Romanen, der vaterlän- dischen Geschichte entnimmt; ein Umstand übri- gens, der ihm im Ganzen vortrefflich zu Stat> ten kommt. Iösika führt dem Leser das schöne Ungarn, daS geheimnißvolle Siebenbürgen mit den starken Männern und heißen Frauen, mit den öden Pußten und köstlichen Neben, mit den malerischen Trachten, mit den Cimbal schla» gcndcn und die Geige spielenden Zigeunern in treffenden Schilderungen vor. Was die Cha- raktere der einzelnen Gestalten seiner Romane betrifft, so ist daS starke Geschlecht seine Schwäche, hingegen das schwache Geschlecht seine Stärke. Das schüchterne Mädchen und die Heldenjungfrau, die treue Geliebte und die leichtsinnige Dirne, die beschränkte Haus- frau und das männlich denkende Weib, alle weiß I<5sika tresslich zu zeichnen. Als träten Por« träte aus dem Rahmen seiner Erzählungen, so wahr schildert er das Herz. die Gesinnung, das Thun und Lassen des weiblichen Ge» schlechts. Zu dieser Stärke in der Charakter!» stik des Weibes gesellt sich ein zweiter Vorzug in I 6sika's Romanen, die psychologische Vertiefung. I6s ika mochte in seinen früheren Jahren die Psychologie zu seinem Lieblings» studium gemacht haben, jeder Roman gibt eine Bestätigung für diese Ansicht. Immer aber, und selbst wenn man besorgt, der Dichter werde mit seinem psychologischen Steuer auf die Sandbank laufen, weiß er wieder in das rechte Fahrwasser einzulenken. Seine Isidora, Margita, Christierna, Gisella im Abäst, feine Corumdeia im Suttin, Gethisa im „Decebal", Iduna in den „Getreuen Ungetreuen" u. a. sind eben so musterhaft gezeichnete Frauen» gestalten, als Charaktere von tiefem psycho» logischem Studium. Ios i ta bildet einen merkwürdigen Gegensatz mit der deutschen' Fanni Lewald. Diese, freilich eine Frau, weiß ihre Frauengestalten mit fast erschre» ct ender Wahrheit zu zeichnen, während ihre Männer ohne Halt sind. I6s i ka der Mann aber entwirft in seinen Männern haltlose Gestalten, wie die Lewald, während seine Frauen von einem Zauber ohne Gleichen durchwuben und wie sehr auch ideal gehalten, doch mit großer Wahrheit durchgeführt sind." — Der Verfasser des.Buches „Ungarns Männer der Zeit" schreibt über I6sika, indem er zwi, schen ihm und Walter Scot t eine Paral» lele zieht: „ I . hat gewissenhaft und mit aus allgemeiner, wie gelehrter Bildung hervor» gegangenen Urthcilökraft das Recept, wie man historische Romane macht und welche Fak» toren, welche Manieren, welche Construction und Detailsinesse dabei Bedingniß sind, befolgt, und es nicht ohne Geschick auf ungarische Geschichte angewendet; anderntheils versuchte er sich nicht minder im französischen Social» genre. und er erweist sich auch darin als auf» merksamstcr und höchst intelligenter Imitateur, zudem hat er eine sehr schöne Gabe zu schildern, sein Styl und seine Sprache sind gebildet und edel, seine Anschauung ist durch» gehends eine männliche — er gehört also nicht chva in eine Kategorie mit van der Velde und Tromlitz. mit Ainsworth oder son< stigen Romanfabrikanten, auch ist er dem, sonst als Geist freilich viel höher angelegten Baron Joseph Eötvös im historischen Romane weit überlegen, aber Iösikaist nun einmal kein Dichter an sich. er hat nur 18*
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Jablonowski-Karolina, Band 10
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Jablonowski-Karolina
Band
10
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1863
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
524
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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