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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10
Seite - 301 -
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Jünger 301 Jünger er auch bald nieder, und schon 4787 ging er nach Wien, wo die Reformen deS Kaisers Joseph mit lohnendem Erfolge jene Seite des geistigen Lebens berührt hatten, welche die Veredlung- des Ge nuffeS bezweckten. DaS von dem Kaiser 1776 gestiftete Nationaltheater, wo dieser edle Fürst gern seine Erholung suchte, vereinigte eine Reihe hervorragender Kräfte, und an diesem wurde I . 1789, der durch einige gelungene dramatische Arbeiten sich in weiteren Kreisen bekannt gemacht hatte, als k. k. Theaterdichter angestellt. Bis zum Jahre 4794 blieb I . auf dieser Stelle, welcher er im genannten Jahre durch eine, mit dem National- theater vorgenommene Veränderung ver- lustig wurde. Wohl war sein Entlaffungs. decret in den schmeichelhaftesten Aus» drücken abgefaßt, aber der Dickter doch mit einem Male auf sich selbst und seinen literarischen Erwerb angewiesen, der eben nicht reichliche Ernten trug. Zurückgezogen von aller Welt, um die Aussicht gebracht, auf einem Gebiete, dem dramatischen, auf welchem er sich bisher mit Glück bewegt, auch ferner in einer Stellung wirken zu können, die ihn nicht den Launen deS T und I preisgab und ihm also volle Freiheit deS Schaffens gewahrte, auf den sparsamen Erwerb seiner Feder angewiesen, von jeher zur Melancholie geneigt, obwohl die Pro« ducte seiner Muse deS heitern Elementes die Hülle und Fülle besaßen. Alles dieß zusammen genommen, wirkte auf daS reizbare Gemüth I.'s ein und es ver» düsterte sich seine Stimmung nur noch mehr, als ihn eine Augenschwäche über« mannte und ihn das Uebel in seinem literarifchen Erwerbe empfindlich störte. Sein Leiden zu wenig beachtend, ließ er fich erst, als die Symptome einen bedenk Ncheren Charakter annahmen, von, einem Arzte behandeln, welcher das Uebel ver« kannte und den Dichter in einen solchen Zustand versetzte, daß der herbeigerufene geschickte Arzt nicht mehr helfen konnte. Erst 39 Jahre alt, starb der Dichter, der gleich vielen Anderen den ganzen Jammer einer sogenannten ^literarischen Existenz" ausgekostet hatte. „Gewiß ist daS Schrift« stellergewerbe daS mißlichste und undank« barste von der Welt", schreibt I . selbst an einer Stelle seiner Werke', „seine schönen Jahre, seine Gesundheit, seine Kräfte für die Belehrung und Aufklärung seiner Mitbürger aufzuopfern, und doch vom größeren Theile dieser Mitbürger falsch oder gar nicht verstanden, verkannt, oder höchstens für das Beförderungs» Werkzeug ihrer Verdauung oder für ein drolliges Antidotum der Langenweile gehalten zu werden; oft mehr Anstren« gung, mehr Kopf auf einen einzigen Bogen zu verwenden, als mancher der in großen Aemtern und reichen Besoldungen steht, in ganzen langen Jahren braucht, und doch von solchen Männern kaum über die Achsel angesehen oder was noch schlimmer ist. von ihnen als dem aufge« klart sein sollenden Theile der Nation, mit den Sudlern in eine Classe geworfen zu werden; in eben der Stunde seinem Geiste Munterkeit. Witz und Laune ab- dringen, abtrohen zu müssen, wo unS das Herz blutet, Brod suchen und wie Butter. Steine finden — wahrlich ein glänzendes, ein beneidenSwerthes LooS daS des Schriftstellers!" I n dieser Stelle dürfte das LooS Jünger'S, wie es ihm selbst erschien und der Erklärungsgrund der tiefen Melancholie, der er zuletzt als Opfer siel, zu suchen sein. Jünger war ein fruchtbarer Schriftsteller und auf dem Gebiete deS Romans sowie, u. z. mit bei weitem günstigeren Erfolge auf jenem des Lustspiels thatig. Daß er eS mit
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Jablonowski-Karolina, Band 10
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Jablonowski-Karolina
Band
10
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1863
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
524
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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