Seite - 367 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10
Bild der Seite - 367 -
Text der Seite - 367 -
Aaiser 367 Aaiser
bereits erprobt, wie er die Nachtheile!
gefühlt, da er sie 8 Jahre hatte entbeh.
ren muffen. Car l lud Kaiser zu einer
Besprechung ein. deren Ergebniß der Ab»
schluß eines neuen für Kaiser sehr gün<
stigen Vertrages, wie die Verzichtleistung
Carl 's auf obige Summe von 64.000fl.
war. So blieb Kaiser von der Hälfte
deS Jahres 1849 bis zu Carl 's (am
14. August 1834 erfolgtem) Tode in
dessen Diensten und lieferte in dieser Zeit
23 Stücke, unter denen mehrere einen
glänzenden Erfolg hatten, wie: „Mönch
und Soldat", „Eine Posse als Medicin",
„Junker und Knecht", „Verrechnet".
„Ein Lump", „Eine Feindin und ein
Freund". Nach Carl 's Tode schwankte
Kaiser, ob er mit Nestroy oder
Pokorny in Verbindung treten sollte.
Um zu einem Entschlüsse zu kommen,
machte er den Versuch und ließ seine
Posse: „Nur Romantisch" in dem unter
Pokorny's Sohn Zeitung stehenden
Theater an der Wien aufführen, über«
zeugte sich aber bald von der völligen
Verkommenheit dieser Bühne, von der
Nachlässigkeit und dem Unverstandniß in
der Regie, so daß er keinen Augenblick
länger zögerte, Nestroy's übrigens sehr
vortheilhafteAnträge anzunehmen, die ihm
einen Iahresgehalt von 1200 fl.. 3 Per-
cent von jeder Aufführung seiner Stücke
und die Hälfte der Einnahme von jeder
20. Aufführung derselben sicherten. Bis
zum Frühling des Jahres 1887 blieb das
Verhältniß Kaiser's mit Nestroy. für
den er unter andern des „Kramers Töch«
terlein", „Unrecht Gut", „Zwei Testa-
mente", „Die Frau Wirthin", lauter
Stücke, die volle Hauser gemacht und oft
gegeben wurden, geschrieben hatte, ein
ungetrübtes. Aber Nestroy stand unter
weiblichen Einflüssen und die alten Thea-
tercabalen verleideten dem Dichter die Lust zur Arbeit. Wohl schrieb er noch
einige Stücke, aber das Verhältniß war
gestört und Kaiser drang zuletzt auf
Lösung des Vertrages, welcher endlich im
September 1859 erfolqte. Nun blieb
Kaiser freilich keine Wahl, als beim
Theater an der Wien einzutreten, welches
aber damals bereits seiner Auflösung
entgegen ging. Dort brachte er nun nach
23jahriger Thätigkeit als Theaterdichter
am 16. December 1860. also am näm«
lichen Tage, an welchem vor einem Viertel»
jahrhundert sein erstes Stück gegeben
worden, sein hundertstes zur Aufführung,
welches jedoch zu ernst gehalten, einen nur
mäßigen Erfolg hatte. Nachdem Nestroy
den Pacht des Carl. Theaters aufgegeben
und Treumann die Concession zum
Baue des (am 9. Juni 1863 abgebrannten)
Quaitheaters erhalten hatte, tratKa i ser
bei Treu mann ein. Aber die Richtung,
welche Treu mann seiner Bühne gab,
ging nicht mit Kaiser'S Muse zusammen'
Kaiser sollte und wollte Volksstücke
schreiben, Treu mann pflegte die fran«
zösische Operette, die frivole 1 actige Farce
und erzielte damit volle Häuser; auch
schienen die ewigen Wanderungen von
einer Bühne zur andern, deren jede ein
besonderes Publikum hatte, auf Kaiser's
schaffendes Talent wenig günstig gewirkt
zu haben, die ungünstigen Erfolge seiner
letzten Arbeiten hatten materielle Ein»
büßen zur Folge und so verlautete es im
August 1862 mit einem Male, Kaiser
habe Wien verlassen. Während alle
Gerüchte, daß er sich nach Turin, nach
Griechenland u. s. w. begeben habe, sich
als unwahr heraus stellten, blieb daS eine
Thatsache, daß Kaiser seit dieser Zeit.
obgleich als Dramendichter immer noch
thätig, bis heute unsichtbar ist. I n jüngster
Zeit kamen mehrere seiner Stücke im Carl»
Theater,welchesLeh m ann dirigirte. und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon