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K. ist ein polnischer Poet, der zu Anfang dieses
Jahrhunderts in Lemberg lebte und folgende
Werke herausgab: „ L a M " , d. i. Fabeln
(Zemberg 1812, so.) und ,,<3-^'. ?o6wa orvsi-
ualue v^ pißoiu xienlaoli", d. i. Der Hain.
Originalgedicht in ä Gesängen (Lemberg 1809,
4".). ^aml/is/cl, I. e., Vd. I, S. l<1l und 17Ü;
Bd. I I , S. 83.^
Kllllliüski, Johann Nepomuk (dra.
matischer polnischer Dichter, geb. zu
Kutkorz, einem Dörfchen, fünf Meilen
von Lemberg entfernt, am 27. October
1777, gest. zu 3emberg, am 3. Jänner
4833). Seino. erste Bildung erhielt er im
Hause seiner Eltern, schlichter polnischer
Edelleute, später in Lemberg, wo er die
Philosophie beendete und zugleich die
deutsche Sprache erlernte, deren Kenntniß
ihm in der Folge so sehr zu Statten kam.
Schon im Jahre 1793 begann K., cmge«
regt durch die dramatischen Vorstellungen
Bogustawski's. der mitKamiuski
zugleich als der Begründer der polnischen
Bühne betrachtet werden muß, sich mit
dramatischen Arbeiten zu beschäftigen. Im
Jahre 1798 hatte er Bogustawski
mehre aus dem Deutschen und Italieni»
schen bearbeitete Theaterstücke, als: „Ner
Nanu: Nillnen5"; — „Nie Aene uar der <Vhat";
— „Nie OinäiMer des Walde«" überreicht,
welche auch zur Aufführung kamen. Als
Bogustawski Lemberg verließ, ver«
einigte K. mehrere seiner Freunde und
organistrte mit deren Hilfe ein Dilettanten»
Theater, welches allgemein Beifall fand.
Da brannte eines Tages ein großer Theil
der Krakauer Vorstadt in Lemberg ab. K a-
miüSki gerieth nun auf die Idee, durch
seine Vorstellungen den Verunglückten zu
helfen. Bisher hatten er und seine Freunde
im Saale eines dem Landrathe Wro-
nowski gehörigen Hauses unentgeltlich
gespielt; zum wohlthatigen Zwecke mie«
theten sie nun das städtische Theater,
ließen den Eintritt bezahlen und widme« ten den Ertrag den durch das Feuer Ver<
unglückten. Diese Vorstellungen hatten
durch mehrere Monate gedauert, sehr
gefallen und waren so zu sagen die
Pftanzschule der heutigen polnischen
Bühne in Lemberg. Als es aber im Jahre
l8l)4 einem deutschen Director gelang,
die polnische Bühne in Lemberg zu unter«
drücken, verließ Kamiiiski Lemberg und
begab sich
zuerst, von einigen Mitgliedern
seiner Dilettantenbühne begleitet, nach
Dubno zumFürstenLub o mirski, wo er
einige Zeit spielte, worauf er mehrere
Städte im heutigen Rusfisch'Polen, spater
Kiew, zuletzt Odessa besuchte, in welch' letz«
terer Stadt er durch drei Jahre blieb, des
besonderen Schutzes des Herzogs von
Richelieu, damaligen Gouverneurs
von Odessa, sich erfreuend. Diese Zeit
hatte K. benützt, um seine Gesellschaft
tüchtig auszubilden, und nun kehrte er
mit derselben nach Lemberg zurück. Dort
versuchte or nun wieder eine polnische
Bühne zu begründen; aber es galt große
Schwierigkeiten zu überwinden. Ent«
muthigt, hatte K. die Stadt bereits ver.
lassen. kehrte aber wieder zurück und
brachte endlich siegreich
sein Vorhaben zur
Ausführung. Er hatte nämlich bei der
Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers
Franz in Lemberg, im Jahre 1817,
die Vergünstigung erwirkt, daß das pol»
uische Theater daselbst zu einem blei«
bendcn erhoben wurde. Bis zum Jahre
1841 . in welchem (am 18. März)
das Theater in die Leitung des Gra>
fen Skarbek überging, führte K. die
Direction des polnischen Theaters, wel«
ches er zur Bedeutung einer National«
bühne ersten Ncmges gebracht hatte.
Eine Reihe von Künstlern hatte er ge«
wonnen und gebildet, welche in der
Geschichte des polnischen Theaters eine
glänzende Rolle spielen, so 1811 den
v. Würzbach. biogr. Lexikon. X. ^Gedr. ^ . Juli 1863.)
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon