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Aandler 432 Kandier
und bildete sich K. in Rom, und verlebte
daselbst die denkwürdigsten Zeitereignisse,
die Revolution im Jahre 4348, die
Schändung des österreichischen Gesandt-
sckaftshotels. die Ermordung Rossi's,
die Flucht Pius' IX., die Belagerung und
Eroberung Roms durch die Franzosen,
die ehrenvolle Ausrichtung des österreichi-
schen Wappens (am 2l. März 1830),
welches wie jenes des Papstes Pius IX.,
nebenbei gesagt, aus patriotischer Hin«
gebung von Kandler gemalt wurde, die
Rückkehrdes Papstes u.dgl. m., waü K. in
sehr anziehender Weise in einem nach der
Hand in Auszügen in Klar's „Libuffa"
4839 und 1860 veröffentlichten Tage-
buche beschrieben hat. Endlich nach 7jähri«
gem Aufenthalte in der Metropole der
Kunst kehrte K. Ende Mai 1830 nach
seinem Vaterlande zurück, und kam am
10. Juni in Wien an. Dort erhielt er die
Erlaubniß, seine Gemälde im kleinen
Redoutensaale der kais.Hofburg aufstellen
zu dürfen. Nach mehrmonatlichem Auf»
enthalte in Wien, wo sich theils frühere
Freunde und Kunstgenossen wieder fan-
den, theils neue Verbindungen angeknüpft
wurden, begab sich K. nach Prag, wo er
gleichfalls eine Ausstellung aber eine
ungleich vollständigere seiner Arbeiten,
die er in Rom vollendet, im Palaste des
Grafen Wald stein veranstaltete. Der
Ertrag dieser Ausstellung war dem
Militär-Spitale in Karlsbad gewidmet,
dessen Begründung bereits eine Thatsache
war. So sehr nun diese Arbeiten
sich des
allgemeinen Beifalls erfreuten, so zeigten
sich doch für des Künstlers Zukunft wenig
verlockende Aussichten. Schon stand er
nahe daran, nach Rom zurückzukehren,
wo er seit Jahren so viel beschäftigt war
und vorsichtshalber seine Möbel nicht ver«
kauft hatte, als sein Schicksal eine gün-
stigere Wendung nahm und der Künstler seiner Heimat erhalten werden sollte. Se.
Majestät Kaiser Ferdinand besichtigte
die Ausstellung der Bilder Kandler's
und kaufte die zwei großen historischen
Bilder.,GregorIX."und„IacobMolai".
Zugleich wurde, nachdem die Restauration
der Schloßcapelle zu Reichstadt beschlossen
worden. Kandler beauftragt, die Pläne
zu entwerfen, worauf er auch mit der
Ausführung betraut wurde, und von nun
häuften sich die Aufträge zu großartigen
Frescomalereien und Gemälden in solcher
Art, daß K. den Plan zur Rückkehr nach
Rom aufgab und seit seinem Aufenthalte
in der Heimat in Prag ausschließlich der
Kunst lebt, zu deren edelsten und be-
fahigtesten Jüngern er zählt. Eine Ueber«
sicht seiner Werke folgt weiter unten.
Hier sei nur noch einiger Arbeiten K.'s
auf anderem Gebiete als dem der Malerei
gedacht. Sein Tagebuch, welches er über
sein Leben und Schaffen und über die
Ereignisse in Rom führte, ist schon erwähnt
worden. Die „Fibussa", das von Alois
Klar 1842 begründete und 1860 zum
letzten Male ausgegebene Taschenbuch
enthält folgende Aufsätze aus K.'s Feder,
in welcher sich der unterrichtete, geistvolle,
beobachtende und ebenso mit Worten
wie mit Farben darstellende Künstler
beurkundet. Der Jahrgang 1853 ent»
hält von K.: „Aeneas Sylvius und die
Piccolomini in Böhmen mit der gesto«
chenen Ansicht des Altarbildes der Neu»
hauser PropfteikircheSta. Katharina von
Siena"; - 1854: „Die antiken Wasser-
leitungen der Campagna von Rom"; —
1855: „Der Carneval.in Rom" (mit
einem Stahlstich C. Mayer's nach
Kandler's Bild);—1857: „DieOcto-
berfeste und Raffael's Landhaus in der
Villa Borghese zu Rom"; — 1858: „Die
alte Marienstatue in der Stadt Neu-
haus"; — 1859 und 1860: „Die Briefe
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon