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Unabhängigkeit ihr Dasein in einen be«
standigen Kampf mit dem Leben und den
Verhältnissen verwickeln und von den
Sysyphusqualen eines nicht zu löschenden
Durstes zum Trunke getrieben, das. Gott«
liche, das sie in sich tragen, theils verlaug«
nen, theils, wenn nicht gänzlich vernichten,
so doch verwischen und unkenntlich
machen. Schon als er den Studien oblag,
fand sein Alles umfassender Geist an
Nichts ein Genügen und so geschah es,
daß er zu Leipzig die Medicin, zu Wit>
tenberg die Theologie studirte und end»
lich beides aufgab, um sich den ästhetischen
Träumereien, mit denen ihn Kunst und
Poesie erfüllten, ganz hinzugeben. Ein
Jahr lang war er Secretär in Diensten
des Herzogs von Anhalt-Dessau gewesen,
nunaber trieb erMusikstudien, theils allein,
theils unter Leitung desGesangsdirectors
Weinle in. Im Jahre 1801 begab er
sich nach Leipzig, wo er seine Studien
fortsetzte und Unterricht ertheilte; dort
blieb er bis 1808, und ist über seinen
7jährigen Aufenthalt in dieser Stadt
nichts bekannt, nur scheint e,r schon dort
mit seinen ökonomischen Angelegenheiten
in solche Verwickelung gerathen zu sein,
daß er Leipzig, wie Laun schreibt, ver>
lassen mußte; im letztgenannten Jahre
übersiedelte er nach Wien, welches seine
zweite Heimat wurde und wo er 23 Jahre
bis an seinen Tod lebte und ebenso durch
seine literarische und künstlerische Thätig«
keit als durch seine Sonderlingsnatur
sich bekannt gemacht hatte. I n Wien fand
er an dem kunstsinnigen Joseph Fürsten
von Lobkowih einen Mäcen, der ihm
in seinem Hause Aufenthalt und Ver.
pflegung gab. Zugleich ertheilte er Un>
terricht in der Musik, und war als Schrift«
steller vornehmlich als Kritiker thätig.
Allmälig aber gab er seinem fast unheim«
lichen Freiheits« und Unabhangigkeits- dränge, welchem zu genügen ihm jedoch
die Mittel fehlten, so sehr nach, daß er
alle Stunden, die er hatte — und er war
seiner Gründlichkeit wegen als Musiklehrer
gesucht — vernachlässigte und von dem
lebte, was eben der Tag brachte, und
zuletzt durch das Intelligenzblatt dem
Publikum
sich
als Geburtstags», Hochzeits-
und Leichendichter anbot, denn diese
schrieb er eben dann, wenn er Laune
dazu hatte. Um dieses eigenthümliche
Vermeiden der regelmäßigen Uebung einer
übernommenen Pflicht ganz zu würdigen,
muß man wissen, daß K., als ihm eine
Capellmeisterstelle mit 1200 st. Gehalt
angetragen wurde, diese ablehnte und
lieber von. dern Freunde, der sie ihm
anbot, 2 st. auslieh, als jene Stelle
annahm. Bei einem reichen Russen, der
Unterricht im Pianospiel nehmen wollte
und die Stunde mit einem Ducaten
zahlte, eingeführt, gab er drei Lectionen,
dann blieb er aus. Jede regelmäßige
Verpflichtung erschien ihm eine unerträg'
liche Last.I.N. V ogl gibt. Vieles Graf.
fer nacherzählend, in dem in denQuellm
angeführten „Volkskalender" ein treues
Bild dieses genialen Sonderlings und
berichtet eine Menge Züge aus seinem
Leben, welche ihn ganz und treffend
charakterisiren. Als Schriftsteller schrieb
er Gedickte, Kritiken und Dramen. Selbst-
ständig sind erschienen: „Miranda oder das
Zchmert der Kache. Heroische Oper in 3 Ank-
ziigrn" (Wien 1811. Wallishauffer, 8".);
— „Hllb5bnrg3 (öeist ükcr Men3 Freudenüaln-
mrn" (Wien 4815, Gerold, 4".); — „Pak-
mann. Gran erspiel, in b Anhiigen. Mit einer
Varrrde von IuZ. n. Hammer" (ebd. 1818,
WalliShausser, 8".); — „Vier Nächte llüer
lmtiZche Gemälde der PlMtlisie" (Leipzig
18l9, Brockhaus, 8".), mit einer Vorrede
vonJean Paul : — „Hnawristischeg Paim-
rnma uan Wien, ober drr frche ZnZchlwrr an der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon