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Kannegießer 444 Kantor
lich vertreten, daß mehrere und nicht
unbedeutende Striche Landes, welche zu
folge der Präliminarien zweifelhaft oder
aber bereits vergeben waren, Oesterreich
erhalten wurden. Auch trat er in
ähnlicher Weise den ckurpfalzischen An<
sprüchen auf das in der Oberpfalz gele<
gene, dem Hause Oesterreich gehörende
Lehen, Bleistein entgegen und verfocht
die Rechte Oesterreichs in einer gleichfalls
im Drucke erschienenen Schrift. Wenn
Bleistein später dennoch in den Besitz der
Churpfalz gelangte, so erfolgte dieß nur
auf Grund eines zwischen Oesterreich und
der Churpfalz abgeschlossenen Vergleichs.
Bereits seit dem Jahre 1739 als Hofrath
zur böhmischen Hofkanzlei nach Wien
berufen, brachte er die böhmischen Lehen-
fachen, die bis dahin verwahrlost und
in einem regellosen Zustande sich besän-
den. in beste Ordnung, auch wurde ihm der
ehrenvolle Auftrag, eine Einleitung zum
Staatsrecht und eine Darstellung der
Verfassung und Vorrechte der böhmischen
Erblande zum Gebrauche für Se. Maje»
stat den Kaiser zu schreiben, welche Auf«
gäbe er mit allem Geschick löste. Beim
Ausbruche des Krieges mit Preußen im
Jahre 1736 stellte er in einer Staats-
schrift den preußischen Friedensbruch dar,
und als öagegen eine Schrift von preußi«
scher Seite erschien, bekämpfte er fiegreick
alle in derselben vorgebrachten Angaben
und Vorspiegelungen. Als endlich nach
7jährigem Kriegsjammer 1763 zu Hu-
bertsburg der Friedensschluß stattfand,
wurde er wieder dahin beordert, aber
schwere Krankheit hinderte ihn, dahin
abzugehen. K., der ohnehin schon einem
altadeligen Geschlechte, welches im Her-
zogthume Westphalen ansäßig ist, und
dessen Sproßm hohe Würden in Kirche,
Staat und Gemeinde bekleidet hatten,
angehörte, wurde in Anerkennung seiner als Oberamtsrath in Schlesien erwor-
benen Verdienste bereits am 11. April
1737 in den Ritterstand erhoben und
ihm das böhmische Incolat verliehen, mit
Diplom vom 18. Juni 1763 erfolgte
aber seine Erhebung in den Freiherrn«
stand. Leider wollte es mir nicht gelingen,
die Titel der von ihm verfaßten, anonym
herausgegebenen Staatsschriften ausfin-
dig zu machen. Sein Todesjahr ist
unbekannt. Im Jahre 1763, in welchem
er Freiherr wurde, lebte er noch.
Hellbach (Ioh. Christian v.), Adels «Lexikon
(Ilmenau 1825, B. Fr. Voigt. 8«.) Bd. I,
S. 634 ^wenn es daselbst heißt, daß der Oder»
amtsiath Hermann Franz im I'ahre 173? böh-
mischer Ritter und der Hofrath und geheime
Referendar Hermann Lorenz 176.1 Freiherr
wurde, so ist das ein Irrthum. Nitter und
Freiherr, das erste 1737. das andere 176>>,
wurde eine und dieselbe Person, Hermann 3o«
renz von Kannegießer, ersteres als er
Qberamtsrath in Schlesien, letzteres als er
Hofrath bei der böhmischen Hofkanzlei in
Wien war). — Ritterstands'D ip lom
vom l l. April 1737 und 24. November 1752. —
Fr^iherrn stands« D ip lom vom 18. Juni
1763. — Wappen. Quadrirter Schild. 1 u. 4:
in Schwarz ein aufgerichteter vorschreitender
goldener gekrönter Löwe mit offenem Rachen,
rothauö^schlagener Zunge, überschlagenem
Schweife und vorgestreckten Pranken. 2 n. 3:
in Blau ein sechseckiger silberner Stern. Aus
dem Schilde ruhen drei gekrönte Turnierhelinc.
Aus der Krone des mittleren wächst der gol«
dcne gekrönte rechtsgetVdrte Löwe von 1 u. 4
hervor. Aus den Kronen der beiden äußeren
Helme schwebt zwischen zwei mit ihren Sach»
srn nach innen gekehrten, rechts schwarzen,
links blauen Adlersiügeln der sechseckige sil«
berne Stern von 2 u. 3. Die Helm decken
sind rechts schwarz mit Gold, linkö blau mit
Silber tingirt.
Mntor, Franz (Major. geb. im
nördlichen Ungarn im Jahre 1720,
gest. im Jahre 1779). Eine jener merk»
würdigen Heldensiguren, die fast an
die mythischen Gestalten der Nibelungen
erinnert' aber. obgleich dieser Held eine
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon