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schöne Waffenthat um die andere voll-
bringt, meldet kein Lied. kein Helden»
buch von ihm und nur die Regiments-
tradition hat sein Andenken erhalten und
es erst vor wenigen Jahren wieder auf»
gefrischt. Als am 1l . September 1741
auf dem Preßburger Landtage der Aus«
ruf'. „UoriHinnr pro rkFe nostro" die
Losung war zur allgemeinen Bewaffnung,
eilte Graf Hal ler , einer der reichsten
Magnaten, alsbald in die nördlichen
Comitate und brachte in einigen Wochen
zwei Bataillone, beide 3000 Mann stark,
vollkommen ausgerüstet zusammen. Dar«
unter befand sich Franz Kantor , ein
Sohn der Puszta, der seine Jugend als
Bötyar bei den Pferden und Schafen
ohne Schule und sonstigen Unterricht auf
dem freien Felde verlebt hatte und nun
Eltern und Braut verließ, um dem Rufe
der Kaiserin zu folgen. Am 47. Mai
1742 marschirte das Regiment nach
Böhmen und K. mit demselben, die erste
Waffenthat vollbringt er am 13. Sep-
tember 1742 in der Nähe von Prag.
Sechs preußische Huszaren sprengen auf
ihn, der auf Vorposten steht, loS. Den
einen feuert er nieder, nun wirft er sich
der Länge nach auf die Erde. so daß
die im Galop anspreng enden Husza«
ren, welche die Pferde nickt pariren
können, über ihn springen müssen. Als»
dann rafft er sich empor, ergreift das
Pferd des gefallenen Huszaren. reitet
den übrigen nach, haut zwei vom
Pferde, erhält aber selbst einen Hieb auf
die Schulter und entkommt nur durch die
Schnelligkeit seines Pferdes der Gefahr.
Obgleich verwundet, wohnt er doch schon
am nächsten Tage der Einnahme von
Prag bei. Nun macht er auch alle fol»
genden Schlachten und Gefechte mit und
bewährt eine solche Bravour, daß er zur
Auszeichnung am 1. Mai 1747 in die neuerrichtete Grenadier^Division als Gre«
nadier eingetheilt wird. Der Friede von
Aachen machte allen Kämpfen ein Ende.
Das Regiment verblieb jedoch in Böhmen.
Im Jahre 1757 begann der Kampf
von Neuem und K. befindet sich am
2 t. April mit der Grenadier-Compagnie
beim Verhau von Reichenberg. Gegen
zehnfache Uebermacht wird der Verhau
lange gehalten, endlich müssen die Unse»
ren, die großen Verlust erlitten hatten,
sich zurückziehen. Beim Rückzüge fällt
Hauptmann Iekei; auch die Leiche will
Kantor dem Feinde nicht überlassen,
er begeistert die Umstehenden, stürzt vor,
faßt die Leiche und will sie mitnehmen.
Da sieht sich die kleine Schaar mit einem
Male vom Feinde umringt. Nur mit der
größten Bravour gelingt es Kantor, der
jedoch schon aus zwei Stichwunden blutet,
sich mit einigen Grenadieren durchzu«
schlagen. Aber er gelobt hoch und theuer,
den Verlust seines Hauptmannes zu
rächen. Die Compagnie wird completirt
und Kä.ntor wird Corpora l. Noch
sind seine Wunden nicht geheilt und daS
Regiment besetzt am <3. Juni 5737 die
Anhöhe bei Kolin. Die Grenadiere stehen
in der Reserve. Als am 18. die Schlacht
beginnt, nach mehrstündigem Kampfe
auch das Regiment von dem Obersten
D ez sö in den Kampf geführt wird. nach
gegebener Decharge zu den Säbeln greift
und mit diesen auf den Feind eindringt,
müssen endlich die Grenadiere, die bisher
in der Reserve passiv standen, vorrücken
und den feindlichen Garden, die sich eben
auf sie werfen wollten, entgegen gehen.
Mann für Mann wurde mit beispielloset
Erbitterung gefochten. Käntor aber
verrichtete Wunder der Tapferkeit.
Schreiend „für den Hauptmann"
stürzte er in's dichteste Kampfgewoge,
alles um sich niederhauend. Als der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon