Seite - 468 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10
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Karajan 468 Karajan
in daS Archiv des Finanzministeriuml
übertrat. Bei seiner großen Vorliebe füi
geschichtliches Studium, und zwar zu«
nächst aus den Quellen, erfuhr er gar
bald, daß zum richtigen Verständniß der-
selben die genaue Kenntniß der altdeut»
schen Sprache nöthig sei. Er begann nun
mit dem Studium derselben, und ein ver»
dienter Sprachforscher Karl August Hahn
^Bd. VII, S. 2011 war es, der ihn in
ihre wissenschaftliche Behandlung ein>
führte. Spater hatte er sich selbst fort>
gebildet. Sagte schon die zweite Anstel»
lung im Finanzministerial'Archiv ihm bei
weitem mehr zu, als die erste, so ent>
sprach doch erst seine Anstellung an der
kaiserl. Hofbibliothek, welche im Februar
1841 ihm zu Theil wurde, vollständig
seinen Wünschen, weil sich ihm erst
jetzt reiche Gelegenheit darbot, seinen
historischen und sprachhiftorischen Nei
gungen mit nachhaltigem Erfolge obzu<
liegen. Im Mai 1848 wurde K. in das
Frankfurter Parlament gewählt, in wel>
chem er seinen Sitz im rechten Centrum
hatte. Bald nach seiner Rückkehr trug
ihm Freiherr von Pil lersdorf, dama>
liger Minister des Innern, die Professur
für deutsche Sprache und Literatur an
der Wiener Hochschule an. K. lehnte
diesen Antrag ab, wie auch einen im
März 1849 von dem Grafen Leo Thun,
damaligen Unterrichtsminister, an ihn ge»
stellten, worauf auf seinen Rath und an
seine Stelle der berühmte Germanist
Wilhelm Wackernagel zum ordent»
lichen Professor ernannt wurde. Erst als
dieser im letzten Augenblicke den bereits
angenommenen Posten wieder zurück»
legte, gab K. dem im October 1849
erneuerten Antrage des Grafen Thun
nach und wurde mit Allerh. Entschließung
vom 11. Jänner 1830 zum ordentlichen
Professor der deutschen Sprache und Literatur an der Wiener Universität
ernannt. Da eine Vereinigung beider
Stellen, nämlich an der Hofbibliothek
und der Universität, ihm unzulässig
erschien. gab er die erstere auf und las
durch drei Semester biS September 1851
über deutsche Sprache und Literatur. I n
seiner Stellung als Professor mußte aber
K. die eigenthümliche Erfahrung machen,
daß das griechisch» nicht« unirte Bekennt»
niß, welches das seinige war, ihn nicht
vor Verationen
sicherte,
welche gerade da»
malS, als dasConcordat im Tntstehen be»
griffen war, an der Tagesordnung waren.
K. mochte keine Verkümmerung in den
ihm als k. k. ord. Professor zustehenden
Rechten ertragen und zog unter solchen
Umständen eS vor, sein Profefforamt
niederzulegen, als sich in den ihm
zukommenden Rechten durch einen Act
unverständiger Willkür beeinträchtigen
zu lassen. Anfangs September 1851
legte er sein Enthebungsgesuch ein und
erst indem er zur Zurücknahme desselben
nicht zu bewegen war» erfolgte dessen
Annahme. K. versah nun die ihm schon
feit 28. Juli 1831 zu Theil gewordene
Stelle eines Vicepräsidenten der kaiserl.
Akademie der Wissenschaften; im Uebri»
gen lebte er seinen Forschungen, bis er mit
Allerh. Entschließung vom 25. October
1854 zum ersten Scriptor der kaiserl.
Hofbibliothek mit Titel und Charakter
eines Custos ernannt und am 27. Juli
1837 zum wirklichen CuftoS befördert
wurde, auf welcher Stelle K. noch zur
Stunde thätig ist. Hand in Hand mit
seinem amtlichen Berufe, geht die wissen»
'chaftliche Thätigkeit dieses Gelehrten.
I n nachfolgender Uebersicht wird ein mög»
lichst vollständiges Verzeichniß — wenig»
stens das vollständigste, das bisher ge»
rucktist —ebensowohlderselbststandiger»
chienenen Werke als der in gelehrten Zeit-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Band 10
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Jablonowski-Karolina
- Band
- 10
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1863
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 524
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon