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C^ermak 388
am neuerrichteten vhysiologischen Insti«
tute Purkyns's wurde und sich alsDo»
cent der Physiologie habilitirte. 1835
ward er zum Professor der Zoologie in
Gratz ernannt, ging 4856 nach Krakau
und gründete daselbst daS physiologische
Institut. 1858 berief ihn die Pesther
Universität, um daselbst ein gleiches I n
stitut einzurichten. I n Folge des natio-
nalen Umschwunges verließ er 4860 frei
willig seine dortige Stellung und wid.
mete sich von nun an vorwiegend der
Laryngoskopie. 4860 besuchte er Paris
und London, um Vorträge über diesen
Gegenstand zu halten, erregte hier allge
meine Aufmerksamkeit und die Pariser
Akademie verlieh ihm unter ehrender
Erwähnung den Preis von 1209 fl.
Im Herbste desselben Jahres kehrte er
nach Prag zurück und begründete ein
selbstftändiges Institut. 1862 ging er
abermals nach London und verblieb da
selbst den ganzen Sommer, wo er zur
Ausstellungszeit von Patienten, welche
die Hilfe des Kehlkopfspiegels in An-
spruch nahmen, und von Aerzten, welche
sich über dieses Instrument belehren
wollten, in umfassendster Weise in
Anspruch genommen wurde. Sein Ruf in
England ward ein so großer, daß er
4863 abermals dahin berufen wurde, um
an den Universitäten Großbritanniens
Vortrage zu halten. Die wissenschaftlichen
Arbeiten Cz.'s begannen bereits 1848
und behandeln vorzugsweise Physiologie,
Histologie und vergleichende Anatomie.
Vom Jahre 1838 an war er damit be-
schäftigt, den Liston-Garcia'schen Kehl-
kopfspiegel durch wesentliche Verbefferun»
gen der praktischen Medicin zugänglick
zu machen, und eröffnete somit der Heil^
künde unter dem Namen Laryngosko-
pie ein ganz neues Feld, ja er vervoll-
kommnete die ListoN'Garcia'sche Methode auch dadurch, daß er seine Untersuchun-
gen auf die Nasenorgane ausdehnte und
diesem bisher ungekannten Fache den
Namen Rhinoskopie gab. Czermak's
zahlreiche laryngoskopische und rhinosko-
pische Abhandlungen sind in den meisten
Fach-Iournalen verbreitet und erschien
sein selbstständiges Werk über diesen
Gegenstand unter dem Titel: „Ner Kehl-
Koptspiegll und Heine Verwerthung tiir Mq-
siolllyie und Medicin" (Leipzig 1860, Engel-
mann), welches bereits eine neue Auf.
läge erlebte. Die neuesten Forschun-
gen unter dem Titel: „Mittheilungen
aus dem Privatlaboratorium deS Pro-
fessors Cz. zu Prag" werden in Kurzem
in Wien (Verlag seines jüngsten Bruders
Kar l Cz.. welcher im October 1863
daselbst eine Buchhandlung mit vorwie-
gend medicinisch - naturwissenschaftlicher
Richtung begründete) in zwanglosen Hef-
ten erscheinen. Viele seiner Facharbeiten
sind von der kais. Akademie der Wissen«
schaften zu Wien ^vergleiche die 4 Ne-
gifter zu den 40 Banden der Sitzungs»
berichte der mathem. - naturw. Classe
der kais. Akademie der Wissenschaften^
herausgegeben worden und einige, in's
Böhmische überseht, in der „Ava." und
im neubegründeten Journal der böhmi-
schen Aerzte erschienen. Eine englische
und französische Uebersetzung des „Kehl-
kopfspiegels" ist bald nach dem Erschei-
nen des Originals, eine holländische vor
Kurzem gemacht worden.
Hirsche! (Bernhard I)i-.). Compendium der
Geschichte der Medicin von den Urzeiten bis
auf die Gegenwart mit besonderer Berüclsich»
tiguna der Neuzeit und der Wiener Schule
(Wien 1862, Wilhelm Braumüller, gr. 8«.)
S. 415», 439, 46l. 463, 4?8. 480, 48t, 493,
336. 560. — Bohemta (Prager Journal.
4°.) 1863. Nr. <61, S.86. — Deutsche all«
gemeineZeitung (Leipzig, Brockhaus. 4".)
1862, Beilage zu Nr. 1!>3. — Mährischer
C orre sp ondent (Brünn. 4".) 1863. Nr. 176.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Károlyi-Kiwisch, Band 11
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Károlyi-Kiwisch
- Band
- 11
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon