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390 Deäk
Deak zur Mitwirkung an dieser Arbeit
nach Wien. Er lehnte jedoch eine solche
Mission entschieden ab und rechtfertigte
sich hierüber in einem auch in den
öffentlichen Blattern bekannt geworde»
nen Schreiben an den damaligen Justiz-
minister Ritter von Schmerling. Ein
späterer Versuch, ihn zum Eintritte in
den verstärkten Reichsrath zu bewegen,
blieb gleichfalls ohne Erfolg. So lebte
D. zurückgezogen, bis die tiefgreifenden
Reformen und staatsrechtlichen Umge
staltungen nach dem unglücklichen ita-
lienischen Feldzuge im Jahre 1839 auch
Ungarn berührten und die Versuche mit
D. anzuknüpfen erneuert wurden. Iw
dem hier die Mittel und Wege, welche
man einschlug, mit Stillschweigen Über-
gängen werden, sei nur bemerkt, daß
in Folge verschiedener, über ihn und
seine Politik veröffentlichten Mittheilun
gen er sich zur Erklärung gedrängt
fühlte, daß seiner Ueberzeugung gemäß
der gesetzliche Boden für die Neugestal«
tung Ungarns in den Gesetzen des Jah-
res 4848 liege und daß die Nation an
diesen auch festzuhalten habe. Im Uebri-
gen enthielt er sich jeder Agitation und
war vielmehr bemüht, inmitten der Auf-
regung und Bewegung, in welcher sich
alle Gemüther befanden, zu weiser Mäßi«
gung und Ruhe zu mahnen. Ende De«
cember l860 wurde D. zugleich mit sei.
nem Freunde Joseph Freiherrn Eötvös
nach Wien berufen, wo man seinen Rath
über verschiedene Dinge, namentlich über
die Zusammenoeruftzng des ungarischen
Landtages hören wollte. Von dieser
Zeit an ist D. bei der Behandlung
aller Ungarn betreffenden Fragen wesent.
lich beiheiligt, und zwar bei den Ver-
handlungen bezüglich der Gerichtsorga-
nisation der Comitate, bei Abfassung
der Adresse der Stadt Pesth auf das kön. Rescript vom <6. Jänner 1861,
bei den Conferenzen zur Reqelung des
ungarischen Iustizwesens u. s. w. Bei
den Wahlen zum ungarischen Landtage
wurde D. am 11. März 1861 von dem
inneren Wahlbezirke der Stadt Pesth zum
Deputirten gewählt. Als solcher hielt
er nun in der Sitzung vom 13. Mai
jene merkwürdige, vielfach gedruckte
Rede, in welcher er sich über die Frage,
ob die nach Einberufung des Landtages
übliche, an den König zu richtende An-
sprache in Form einer Adresse, eines
Beschlusses oder Manifestes zu ge-
schehen habe, für die Adresse entschied
^vergleiche zum Verständniß dieses Ge-
genstandes die Biographie Iambor's
im Bande X, S. 60^ >. Als daS Verhal-
ten deS 61ger Landtages, mit welchem
jede Transaction unmöglich geworden,
dessen Auflösung zur Folge hatte, zog
sich D. wieder in's Privatleben zurück,
und nur dann und wann gedenken die
öffentlichen Organe seiner, wie z. B. bei
Gelegenheit einer ihm zu Ehren veran-
stalteten Feier, dei Ueberreichung des
photographischen Albums mit den Bild-
niffen der Mitglieder des Ober» und
Unterhauses, oder wie in jüngster Zeit,
als er von Räubern angefallen, beraubt
und mißhandelt wurde. Seine Rede vom
13. Mai.hat deutscher Seits mehrseitig
und eine verschiedene Beleuchtung ersah»
ren; eine echt deutsche Antwort gab ihm
Franz Schuselka in der mit dem
Motto: „NON 6^0 tidi 80(1 LÄU52. 02U-
8Q6 responäot" bezeichneten, unter dem
Titel: „An Franz Deäk" lMen 1861,
Förster. 8".) erschienenen Schrift.
Neueste Nachrichten (Wiener polit. Blatt)
1861. Nr. 134 u. 135. — Ber l iner allge.
meine Zeitung lt>62. Nr. 78 und 77, im
Feuilleton. — T rgänzungsb l ättcr der
Zeitung „Deutschland" (Weimar, kl. Fol.)
1861, Nr. 35 u. 36: „Franz Deäk, ungarischer
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Károlyi-Kiwisch, Band 11
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Károlyi-Kiwisch
- Band
- 11
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon