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Dreher 398 Vreher
Nr. 247.- „Silhouetten aus dem Abgeordw
tenhause. VI. Die Polen". — Presse (Wie
ncr politisches Blatt) l86l, Nr. l86 Abend
dlatt.
^'Dreher, Anton (Industriel ler,
geb. zu W i e n 7. Juni 1810, gest.
ebenda 26. December 4863). Unter
klein bürgerlichen, wenig günstigen Ver<
Hältnissen aufgewachsen, hatte er sich in
seinem Geschäfte, in der Bierbrauerei, in
den Londoner Brauereien ausgebildet
und, heimgekehrt, am 1. April 1836 von
seiner Mutter das Brauhaus zu Klein«
Schwechat übernommen. Durch riesigen
Fleiß und rastlose Thätigkeit, mit denen
er einen ungestillten Trieb nach Kennt,
nijsen verband, die er wie Wenige stets
praktisch zu verwerthen wußte, hob er
das Geschäft zu einer Bedeutung, daß
er nicht nur der „größte Sieuerholde
Oesterreichs" ward — denn er zahlte an
ErzeugungS« und Verzehrungssteuer allein
die jährliche Summe von 833.997 fl.
— sondern sich zum ersten Brauer des
Kontinents emporgeschwungen hatte —
denn die ausschließlich zu seinem Ge»
schäftSbetriebe verbaute Grundstäche in
Klein-Schwechat umfaßt 6 Joch, wovon
9332 Quadratklafter allein auf gewölbte
Räume entfallen — und die Summe der
in einem Jahre erzeugten Biermenge
erhob sich — im Jahre 1860 — auf
400.000 Eimer. Dabei überholte er mit
seinem Erzeugnisse alle bisher bekanntsn
Biere Oesterreichs und besonders Wiens
an Güte und Wohlgeschmack. Mit dem
Beginne des politischen Lebens in Oester-
reich betheiligte sich auch D. an den
öffentlichen Angelegenheiten. Im Jahre
!86l in den Schwechater Gemeindeaus,
schuß gewählt, wurde er dann Bürger-
meister, von dem Brucker Landgemeinden«
Wahlbezirke in den niederösterreichifchen
Landtag und von da in den Reichstag gewählt. I n diesem, ein Anhänger des
Ministeriums Schmerling, stand er
auf Seite der entschiedensten Verfassungg.
freunde', dabei wußte er die Unabhän«
gigkeit seiner Gesinnung fest zu wahren,
wie er eg in der Debatte über die
Angelegenheiten Ungarns und wenige
Wochen vor seinem Tode in den Ver«
Handlungen über die Erfparungen. im
Militär-Budget bewiesen hat. Der Tod
trat plötzlich an ihn heran, während er
in der Vollkraft seines Lebens stand —
D. zählte 83 Jahre — und mrt der
Fülle irdischen Glückes gesegnet war.
Eine besondere Eigenthümlichkeit D.'s
war, an dem Tage, der gewöhnlich für
einen Unglückstag angesehen zu werden
pflegt, nämlich am Freitag alle Ge«
schafte abzuschließen. „Am Freitage —
pflegte er zu sagen — glückt mir AlleS",
und in der That wartete selbst der
Tod den Freitag ab und suchte ihn erst
am Samstage heim. Das Vermögen,
welches D. hinterließ, wurde anfäng-
lich auf 6—8, später auf 14 Millionen
geschätzt. Summen, die wohl zu hoch
gegriffen sein mögen; aber mehrere Mil«
lionen groß ist es gewiß. Außer der
Klem-Schwechatec Bierbrauerei umfaßt
sein Grundbesitz folgende Realitäten:
Die Herrschaften Mannswörth in Nieder-
österrcich und Michelup in Böhmen, die
Bierhallen auf der Landstraße in Wien
uud in Pesth, das noch im Bau befind»
iche ZinSgebäude von riesigem Umfange
nächst dem Opernringe in Wien, die
Turn», Roth« und Plankenmühle in und
nächst Schwechat, mehr als 20 Häuser
Schwechat und außerdem einen wirk«
Ich riesigen Compler von Grundstücken.
D. ist einer der wenigen vom Glücke
egünstigten Menschen, und dabei ein
würdiger Genosse Franz Klein's und
seiner Brüder, welche eS bei eisernem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Károlyi-Kiwisch, Band 11
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Károlyi-Kiwisch
- Band
- 11
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon