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trat auf S. i)4l). — Wiener Zei tung
1863. Nr. !38, S. 86l. — Der Haus«
freund. Redigirt von Wachenhusen,
l863, S. 608. — Die übrigen zahlreichen
in Journalen erschienenen Nekrologe sind —
ohne Quellenangabe — meinem Lenkon ent-
nommen.
de Ohymes und Geus,
Anton Graf (kön. ungarischer Hos-
kanzler, geb. 6. März 1819). Ein
Sproß des älteren Zweiges der jüngeren
3ime dieses Geschlechtes: der Forgach
zu Gäcs, über dessen Genealogie be.
reits Näheres im Hauptwerke ^Bd. IV,
S. 289 und 29(H gesagt worden. Der
Graf, für den Staatsdienst gebildet, trat
nach Beendigung seiner Studien bei der
Statthalterei in Ofen ein und kam von
dort zur Provinzialregierung nach Fiume.
Zur Zeit der ungarischen Revolution
im Jahre 4848 blieb Graf F. seinem
Kaiser treu, stellte der Regierung
sich
zur
Verfügung und begleitete als Armee-
comtnissär die russischen Hilfstruppen.
Nach Bewältigung des Aufstandes wurde
er bei der Reorganisation Ungarns Di^
strictscommissar in Preßburg, 1881
Districtsobergespan für daS gesammte
Statthaltereigebiet von Kaschau, welches
die nordungarischen Gebiete von Abauj,
Torna. Gömör, Zemplin, Zips, Sa-
rösch, Beregh, Ugotscha, Unghv^r und
MarmaroS umfaßte. Im Jahre 1883
kam der Graf als Viceprästdent der
Statthalterei nach Prag, wurde im
Jahre 18K9 Sectionschef im Staats-
Ministerium, aber schon in kurzer Zeit
Statthalter von Mähren und Schlesien.
Nur drei Monate bekleidete er letztere
Würde, denn nach dem Eintritte des
Freiherrn Mecsery. in das Cabinet
wurde der Graf F. an dessen Stelle am
27. November 1860 zum Statthalter
von Böhmen ernannt. Auf diesem Posten
war der Graf, als geborner Ungar, der unbefangenste Vermittler zwischen der
deutschen und sechischen Nationalitat,
und gewann durch seine staatskluge
unparteiische Haltung das vollständige
Vertrauen beider. Auch wurde sein Aus.
scheiden von diesem Posten schmerzlich
empfunden und vom Landesausschuß
in Uebereinstimmung mit der ganzen
Bevölkerung alles versucht, um seine
am 18. Juli 1861 erfolgte Ernennung
zum ungarischen Hofkanzler zu verhindern
oder rückgangig zu machen. Wie gern
aber der Graf selbst auf einem ihm durch
das gewonnene Vertrauen der Bevölke-
rung lieb gewordenen Posten noch langer
geblieben wäre, so mußte er doch in so
entscheidendem Augenblicke, als es jener
war, da seine neue Ernennung erfolgte,
dem Rufe seines Kaisers folgen, der
gerade ihn zu einem so schwierigen Amte
in schwerer Zeit auserwahlt hatte. Der
Graf nahm also mit dem Vorbehalte
des Rücktrittes in sein früheres Amt die
Hofkanzlerwürde an, welche er noch
zur Stunde bekleidet und in welcher ihn
neben den auf verschiedenen höheren
Posten seiner bisherigen Laufbahn ge>
wonnenen Kenntnisse nicht gering jene
der verschiedenen Sprachen seineS Hei-
matlandes unterstützt, die der Graf ge.
läufig spricht. Nach Auflösung des un«
garischen Landtages, welcher nach 12jäh-
riger Rast im Jahre 1861 einberufen
worden war, erließ der neue Hofkanzler
zwei Rundschreiben an die Obergespäne.
I n dem ersteren erklärt er die Auflösung
des Landtages aus dem Benehmen des»
selben, gibt aber die Zusage, daß der
Kaiser die Verfassung aufrecht erhalten
wolle. Im zweiten hofft er durch eine
später erfolgende Einberufung des Land-
tages die Beruhigung der Gemüther und
eine Versöhnung der Parteien. Den
Grund alles Uebels will er in der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Károlyi-Kiwisch, Band 11
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Károlyi-Kiwisch
- Band
- 11
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon