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Gieseke 418 Giskra
ist wenig hinzuzufügen. Oesterreich verlor
an ihm und an Negrell i, der kurze
Zeit vor Ghega starb, im Gebiete der
Ingenieurkunst zwei gleich ausgezeichnete
Männer wie England an seinem Brunel
und Stephenson, welche auch kurze
Zeit vor den Obgenannten starben. Als
Ghega 4860 starb, wurde sein Alter mit
39 Jahren angegeben, wornach er also
im Jahre 1801 geboren wäre, während
man sonst den 13. Juni 1808 als sew
Geburtsdatum angegeben findet.
Presse (Wiener polit. Blatt) 4860, Abendbl.
Nr. 76. — Die Glocke von Payne (Leip-
zig) 1860, Nr. 67.
V Gieseke, Nikolaus Dietrich. Schrift-
steller^d. Bd. V, S< 18l).
Zeitschriftfür österreichische Gymnasien t800.
S. 393. — B lä t te r für literarische Unter-
haltuna i846. Nr. 308; 1860. Nr. 37. S, 682,
L Giskra. Karl. Mitglied des Abgeord-
netenhauses des Reichsrathes ^s.d.Bd. V,
S. 199^. Nach seiner Rückkehr von dem
Frankfurter Parlamente und nach der
bald darauf in allen deutschen Staaten
und auch in Oesterreich eingetretenen Rea»
ction, seines bis dahin bekleideten Lehr-
amtes verlustig und vor der Hand ohne
Hoffnung, sobald wieder eines zu erlan-
gen. wäre seine Lage eine sehr mißliche
geworden, hätte sich nicht sein Freund
und Fachgenoffe Dr. Mühlfeld des
Bedrängten angenommen und ihn in sei»
ner ausgedehnten advocatorischen Praxis
beschäftigt. Erst der Umschwung, der in
Oesterreich im Jahre 1839 neuerdings.
eintrat, kam auch Giskra zu Stätten,
und mit Allerh. Entschließung vom
30. Juli ist ihm die Zulassung zur Ad-
vocatur zugestanden worden, indessen
mit der Beschränkung, daß ihm vorerst
eine Advocatenstelle außerhalb Wiens ver-
liehen werden dürfe. Gnde 1860 erhielt er eine Advocatur in Brunn. In kurzer
Zeit wurde er als Vertheidiger von
Angeklagten seiner glänzenden Rebegabe
wegen gesucht, und bald in den weitesten,
namentlich deutschen Kreisen bekannt
und beliebt. Nach wenigen Monaten
seines Aufenthaltes daselbst wurde er
in den Gemeindeausschuß. dann in den
Landtag, aus diesem in das Abgeordne-
tenhaus des Reichsrathes, und zuletzt
in den Landesausschuß gewählt. Im
Reichsrathe ist G. der Führer der groß.
österreichischen Partei und einer der ersten
Redner des Hauses. Wenngleich von sla«
vischer Abkunft. so doch in Gesinnung
durch und durch deutsch, ist er ein mann-
hafter Vertreter aller freisinnigen Ideen
der Zeit. In allen wichtigen Fragen,
welche im Hause zur Sprache kamen,
oder von ihm selbst vor dasselbe gebracht
wurden, trat er als Redner auf, und
dann entweder als
siegreicher
Anwalt der
Sache, für die er sprach, oder als ein»
flußreicher Gegner, wenn er wider die-
selbe war. Er sprach gegen das Concor-
dat, wider Priesterherrschaft, Unduldsam-
keit und die socialen Znstande vergiftendes
Zelotenthum in Glaubenssachen' in An«
gelegenheitm der Rechtspflege, der inne»
ren Verwaltung, des Schutzes der Person-
lichen Freiheit, dcr Gemeindeverfassung,
der Finanzen, des Heerwesens. übec
Zölle und Steuern, und immer führte er
das Wort mit einer ihm selbst von seinen
Gegnern zugestandenen eindringlichen
Sachkenntniß. In Sachen des Bundes,
in der churhessischen Angelegenheit, über
die Reform der Bundeseimichtungen. in
Fragen der äußeren Politik stellte er oft
Interpellationen, die Befolgung einer
liberalen Politik mit Wärme empfehlend.
Seine entschieden deutsche Gesinnung
macht ihn aber den Slaven, die ihn nicht
nur für einen verlorenen Sohn ihres
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Károlyi-Kiwisch, Band 11
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Károlyi-Kiwisch
- Band
- 11
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 498
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon