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samkeit aber richtete sich erst auf ihn, als
eine von ihm verfaßte, gegen den „Nou-
äolat", wie eine eben damals herausgege-
bene Schrift hieß, gerichtete Satyre:
„ 5N6?szl a mo?lHo^^a", d. i. Antwort auf
das Gerede (Pesth 4815). fehlerhaft und
überdieß ohne sein Wissen gedruckt erschien.
War einerseits die Wirkung dieser Satyre
lange nicht die erwartete, da zu jener
Zeit im großen Publicum jede wärmere
Theilnahme für Literatur und literarisches
Treiben noch schlummerte, so machte sie
andererseits ihrem Verfasser viele Feinde
und überdieß in jenen Kreisen, welche
dergleichen Angriffe in der Regel nicht
ungestraft geschehen lassen. Aber auch
dieß entmuthigte nicht den sonst unab»
hangigenK., der. fest sein Ziel vor Augen,
die nunmal betretene Straße weiter ging
und dadurch daS Uebel noch ärger machte.
Er hatte nämlich 1817 in den „i'uäotQg.-
n?08 F7üjtein6li5'", d. i. Wissenschaftliche
Nachrichten, seine freimüthigen Ansichten
über Berzsönyi Ad . I, S. 344),
Csokonai M . I I I , S. 62^> und Kis
sBd. XI, S. 310^> ausgesprochen. Die
Aufregung darüber in den maßgebenden
Kreisen war groß; die Stimmung, wenn«
gleich die edleren Geister zu ihm standen,
ward gegen ihn noch erbitterter, als sie
ohnehin schon war; zudem wurde seine
Kritik Berzsenyi's, obgleich er von
den „i'uäorQHQ^oL" zu wiederholten
Malen aufgefordert wurde, alle ungari-
schen Schriftsteller älterer und neuerer
Zeit einer Beurtheilung zu unterziehen
und diese Arbeiten im genannten Blatte
zu veröffentlichen, so stark gestrichen,
daß er sofort, ebenso unangenehm berührt
von den mancherlei Anfeindungen, die er
sich zugezogen, wie über die willkürliche
Censur einer perfiden Redaction, nun-
mehr beschloß, vor der Hand dem kri-
tischen Amte zu entsagen, zu welchem aber gerade er vor vielen Anderen
am meisten befähigt war. Wenn er aber
auch für jetzt der Kritik entsagte, der
Poesie blieb er treu und die verschiedenen
damals in Ungarn erscheinenden, nur
einigermaßen in Merarischen Kreisen ge<
achteten Almanache und Zeitschriften,
als: „i'uäoNän^oZ Fll^i'toinöQ^", d.i.'
Wissenschaftliche Nachrichten,
"i „Aurora",
„Tritikai lapok«, d. i. Kritische Blät-
ter, „Vlliisn^") „^tiisQÄLUM.", 5X0-
820lu") d. i. der Kranz, enthalten seine
poetischen Beiträge, als Balladen. Ro-
manzen, Lieder, Epigramme u. dgl. m.
Aus seiner ländlichen Einsamkeit in Csak,'
wohin er sich zurückgezogen, lockte ihn
erst sein Freund Szemere, der ihn ein«
lud, mit ihm gemeinschaftlich die Zeit»
schrift „Nist äs Iit6i-g.wrH" herauszu»
geben. I n zwanglosen Heften erschien sie
in den Jahren 1826 und 1827 (Pesth.
gr. 12".); alles was auf Leben und Lite-
ratur sich bezieht, mit charakteristisch her«
vorstechend kritischer Tendenz aufnehmend,
und eben durch die philosophischen und
ästhetisch-kritischen Beiträge Kölcsey's,
der
sich durch dieselben zu Ungarns erstem
Kunstphilosophen erhob, noch heute für
den ungarischen Literaturhistoriker von
Werth. Der zweite Band dieser Zeitschrift
enthalt auch Kolcsey's Literaturbriefe
an Döbrentei, welche wegen der treuen
Schilderung seiner eigenen Individualitat
höchst anziehend sind. Schon bei des
Dichters Lebzeiten begann sein Freund
Paul Szemere die Herausgabe seiner
gesammelten Werke; es erschienen aber
davon nur die „Vyi-Lsi", d. i. Gedichte
(Pesth 1832, Hartleben), welche den ersten
Band bilden. Hingegen brachten bald
nach seinem Tode Baron Eötvös,
Paul Szemere und Ladislaus Sza«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon