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verlassen muffen. Das empfängliche, von
den Brettern herab so leicht erregbare
und rührbare Wiener Publicum konnte
ein Gemüth, wie das Körner's, auf
Abwege bringen; erstens ihn veranlassen,
auf den Effect hinzuarbeiten; zweitens ihn
nur zu leicht zur Vielschreiberei hindrän-
gen; vielleicht auch, wenn das Loos des
Helden ein glücklicheres gewesen wäre,
würde er selbst Bedenken getragen haben,
noch ferner sein vorherrschend lyrisches
Talent im Brillantfeuer der Wiener
Theaterkunst auffliegen zu lassen. Jedoch
es sollte anders kommen; der Druck, mit
welchem der Corse den Nacken des deut»
schen Volkes kerbte, war geradezu uner-
träglich geworden. In Moskau hatte man
bereits die Fackel, welche der Befreiung
Deutschlands voranleuchten sollte, in
grauenerregender Weise angezündet. I n
allen Gemüthern in Deutschland begann
es
sich
zu regen. Greise knirschten mit den
Zähnen und die Jugend gürtete das
Schwert um die Lenden. Das Lützow'sche
Corps, diese „Poesie des deutschen Be»
freiungsheeres", sollte sich bilden. Welche
Empfindungen auf Theodor eindran»
gen, war es bloß die Begeisterung für
das bedrängte deutsche Vaterland, waren
es noch andere Schmerzen, wer weiß es
zu sagen? Er selbst sckreibt an den Vater
von seiner Kampflust, „wie der preußische
Adler in allen treuen Herzen durch
seine kühnen Flügelschläge die große
Hoffnung einer deutschen Freiheit er»
wecke". Er wollte untergehen wie ein
Held, im frischen Kranze seiner kühnsten
Liebe, wie er inZrmy seinenIurani tsch,
in welcher Figur sich Körner doch nur
selbst gezeichnet, sprechen läßt. DieRüstun»
gen in Schlesien schritten immer weiter
fort, und auS den glücklichsten Verhalt-
uiffen riß sich der kampfbegeisterte Jung«
ling mit einem Male selbst heraus und kam im März 1813 in BreSlau an. Am
19. März schon trat er in das Corps der
Lühow'schen Büchsenjäger. Mit demsel«
ben zog er Anfangs April nach Sachsen,
wo er zum letzten Male seine Eltern sah
und in Dresden den „Aufruf an die
Sachsen" schrieb. Von Dresden zog daS
Corps nach Leipzig. Nun begann schon
der Ernst des Krieges, in den seine in
freien Augenblicken geschaffenen Herr«
lichen Kriegslieder jener Zeit hineintön»
ten. Die Verhältnisse des Krieges geftal«
teten ftch aber so eigenthümlich, daß das
Lutzow'sche Corps nie beisammen bleiben
konnte. Während die Kavallerie in der
Umgegend Streifungen vornahm, war
das Fußvolk zu einer traurigen Thaten«
losigkeit verdammt, welche Körner'n
endlich anwiderte und ihn veranlaßte,
sich Lützow unmittelbar anzubieten, der
eben einen Streifzug nach Thüringen
vorhatte. So wurde K. Lützow'S
Adjutant. Mitterweile wurde der Waf»
fenstillstand geschlossen, was aber die
Franzosen nicht hinderte, bei Kitzen,
einem in der Nähe von Leipzig gelegenen
Dorfe, auf dre-i Schwadronen Lützow«
scher Reiter verratherischer Weise einzu«
hauen, nachdem Körner selbst, der als
Parlamentär an die feindliche Abthei»
lung geschickt worden war, statt der Ant«
wort Säbelhiebe auf den Kopf erhalten
hatte. Die Wunden waren nicht unbe«
denklich, und da ihn Gefahr, gefangen
zu werden, bedrohte, seine Lage eine miß«
liche. Damals dichtete er das bekannte
„Srerbe-Sonett". Mit Mühe gelang es
ihm, im Dorfe Gwßzschocher
sich zu derber-
gen, wo ihn die Gärtnersleute Häusser
bei sich aufnahmen, ihn die Frau mehrere
Tage sorgfältig pflegte, bis es möglich
wurde, ihn auf Umwegen über die boh«
mische Grenze und nach Karlsbad zu
bringen, wo er, von der Frau von Reck
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon