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noch mehreren mit Kürzungen nachgedruckt
worden); — die „Schlesische Ze i t ung "
(Breslau, Fol.) l863.Nr. 405: „DieNational«
Körnerfeier zu Ludwigslust-Wöbbelin" — und
die „Zeitung für Norddeutsch land"
4863. Nr. 4478: „Die Nationalfeiec am Grabe
Körner's". Was das Fest selbst betrifft, so
kann hier keine Beschreibung folgen. Aber
einige Thatsachen und Personalien seien an-
gemerkt. Die Zahl der Theilnehmer mochte an
3000 betragen. Im Festzuge waren alle deut«
schen Städte von Bedeutung vertreten. Von
den auf das Grab niedergelegten Kränzen
seien außer jenem der Baronin Gleichen,
dessen schon gedacht worden, noch namhaft
gemacht: jener von Frau Anton ia vonAr«
neth (gebornen Adamberger, Körner's
Vraut); von Marianne Sal ing in Berlin,
der ältesten der noch lebenden Iugendfreun«
dinen Körn er's; von General Pfue l, dem
ältesten noch lebenden Freunde der Körner«
schen Familie; von Frau Ulrich, Körner's
Kindswärterin; von den Kindern des Ober-
jägerS Helfritz, in dessen Armen Körner
seine Seele ausgehaucht; von Friedrich
Mückeri; von der Turnerschaft zu Berlin,
welche ein-.n Epheukran; vonFriesen'6 Grab
sandte; von Tirol, das einen Kranz von E r -
weis gespendet; von den Frauen zu Hanau uno !
Spandau. Außerdem hatce Cöln zwei Gaben !
gespendet: Einen vier Fuß hohen bearbeiteten
Sandsteinsockel, auf oem ein ebensolcher Nur- l
fel auf der Spitze steht. In die Flächen des
Würfels sind schwarze Marmortafeln ein ^
gelassen, welche die Widmung enibalten. Neben
dein Sockel befinden sich zwei weiße Mar>
mortafeln mit den bezüglichen Inschriften,
die eine gesvenoet uon dem kölner Männer'
Gesangverein, die andere von dem düraer»
lichen Kameradschafts-Verein daselbst. Die
Ehrenwache am Grabe Körner's hielten
zwei seiner früheren Waffengefährten, und
zwar der Jäger Elsner aus Brandenburg
a. H. , einer der zwölf, die Körner zu
Grabe getragen. >.ind Jäger Kadowitz aus
Berlin. Das Fest begann mit Körner's
Gedicht.- „Vater ich rufe dich", gesungen von
den Sängerchören unter Leitung des Schwe»
riner Musikdirectors Schmidt; die erste
,v?strede sprach Hofrath Vi>. Friedrich Förster
auö Berlin, der Geschichtschreiber der deut«
schen Freiheitskriege, der Freund und Kampf»
genösse Körner 's, der sein Grab in Wöb«
belin graben geholfen hat Nach Förster's
Rede sangen die ssköre einige Strophen des Körner'schen „Schwertliedes". Der zweite
Festredner war Hofrath St iebet aus Frank-
fürt a. M., auch ein Zeit- und Kampfgenosse
Körner's. An diese Rede schloß sich der
Vortrag eines von Mül le r von der Werra
gedichteten, von F. Abt componirten „Kör«
nerliedes" an. Die letzte Festrede hielt Semi>
nar-Director August aus Berlin, auch ein
Mitkämpfer in den deutschen Befreiungskrie»
gen; Moriz Arndt's Vaterlandslied und das
Gedicht Körner's: „Was glänzt dort vom
Grabe im Sonnenschein?" schloß die Feier
am Grabe. — Andere bedeutendere, das Kör«
ner-Nationalfest betreffende Aufsätze enthalten
die I l lus t r i r te Zei tung (Leipzig, I . I .
Weber, Fol.) 5863, Nr. ll)^6: „Theodor Kor«
ner und die National'Körnerfeier"; — Schle«
fische Zeitung 4863. Nr. 397: „Körner,
feier". — Alö ein die Körnerfeier zu Wob.
beliN'Ludwigslust betreffendes Curiosum sei
noch mitgetheilt, daß der Vorstand des Gym>
nasiums Fridericianum zu Schwerin, Haupt-
stadt des Großherzogs von Mecklenburg-
Schwerin, seinen SänAern die Betheiligung
an der zu Ludwlgslust abzuhaltenden Körner»
feier „wegen der in jener Feier liegenden all«
zugroßen Freisinniqkeit" und „damit nicht auch
schon die jugendlichen Gemüther von jenem
Fceiheitsschwindel erfaßt würden", untersagte
Diese Anordnung des Vorstandes wird noch
durch folgenden Ausspruch eines der Weisen
des mecklenburgischen Cleruö weiterS illustrirt:
„Theodor Körner sei ein recht braver Mann
gewescn. Wenn man aber jedes brauen Man-
nes wegen nach Ludwigölust reisen wolle, so
könne man es <n;:; Mal im Jahre thun!" —
Aärnerscier ^u Dresden. Der Adler (Leipzi'
ger polit. Blatt, kl, Fol.) 1863, Nr. 204: „Die
Kürnerfeier zu Dresden". sGuhkow hielt
auf derselben einen Vortrag über Körner;
v.Kraukl ina stellte interessante Körner'sche
Reliquien aus.^ — Aörnerseier in Pesth. N n<
ga rische Nachrichten (Pesther pol. Blatt)
!863, Nr. <U3; in derselben brachte der Na.
mensträgerK ö r n er'S, der Director der Pesther
Handelsschule Friedrich AugustK. ftessen
Lebensskizze dieses Lexikon S. 240 d. Bds. ent'
hälH einen Toast auf Körner den Dichter aus,
der in seinen Liedern klar aufspricht, „daß der
Kampf der Deutschen nicht bloß gegen die
Fremdherrschaft, sondern auf die Wieder-
gewinnung des deutschen Wesens überhaupt
gerichtet gewesen sei". — Auch sind in allen
deutschen Städten, in öffentlichen und Privat'
kreisen unzählige Körnerfeste begangen worden.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon