Seite - 275 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Band 12
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Kogler 273 Kogler
siel erst, als Napoleon, hingerissen
von dem Meisterwerke Canova'S, näm<
lich von dem Grabmale der Erzherzogin
Christine, fragte, ob keine plastische,
Nachbildung dieseS Kunstwerkes vorhan-
den sei? Der Pfarrer Franzoni bejahte
und meldete, daß eine meisterhafte, in
Wachs bosfirte Nachbildung eines Wiener
Künstlers bestehe. Dieser Künstler war
Kogler. General-Intendant D e n o n
kam zu Kogler, besah das Stück, nahm
es mit, überbrachte es Napoleon, der
es trefflich fand und Kogler kaiserlich
beschenkte. Den Antrag, eine Stelle an
der kaiserlichen Münze in Paris anzu«
nehmen, lehnte K. ab, da er der Gnade
seiner Monarchin seine künstlerische Aus«
bildung und seiner Vaterstadt das Bär«
gerrecht verdankte. Kogler hatte es als
Patriot vorgezogen, lieber im Vater»
lande zu darben, als in der Fremde, ja
im Solde deS Erbfeindes seines Herr«
schechauses und Volkes sorgenfrei zu leben.
Aber mit dm Jahren wurde die Noth
immer größer, der Erwerb immer geringer;
ein zunehmendes chronisches Augenleiden
schwächte bedeutend seine Sehkraft; seine
Gattin war durch unheilbares Siechthum
seit 17 Jahren an das Krankenlager
gefesselt; ein Einbruchdiebstahl hatte ihn
noch um die letzten Reste seiner besseren
Habe gebracht und so kam es endlich da«
hin, daß der fast erblindete Künstler im
Jahre 1839 in daS Bürgerspital zu
St. MarcuS als Pfründner untergebracht
wurde, wo er auch achtzigjährig starb.
Die wenige Muße, die ihm spärlich bezahlte
Werkeltagsarbeiten übrig ließen, verwert»
dete K., dem Dränge seines Genius fol.«
gend, zu kleineren künstlerischen Schö-
pfungen; so entstanden einige Meister«
werke, als Portrate berühmter Gelehrter
auf Dosendeckeln, witz z. B. sessing,
Vol ta i re, Freiherr v. Retzer u. a. m., ^ die aber auch im Drucke des Momentes
! weit unter ihrem Werthe von dem Kunst-
ler hintangegeben wurden, und jetzt hie
und da die Zierde einer oder der andern
Sammlung bilden. Seinen Sohn I o»
seph hatte K. selbst in der Kunst unter«
richtet und ihm daS Bürgerrecht erwor.
ben. Aber auf diesen war nicht der
Genius des VaterS übergegangen, und
so fleißig der Sohn war, so konnte er
doch nicht das durch die Verhältnisse
gesunkene Geschäft des Vaters wieder
heben und demselben eine Stütze werden.
Als der alte Kogler, dessen Preisftück:
„Dennz nnd Ätmnis" eine Zierde der kaiser»
lichen Akademie der Künste bildet, dessen
Nachbildung des Christinen>Denkmals in
Wacks im kaiserlichen Museum des Louvre
in Paris steht, bestattet wurde, folgte der
Leiche des vergessenen Pfrimdners außer
seinem damals auch schon sechzigjährigen
Sohne, nur noch sein Biograph Weid«
mann. I n den Künstlerkreisen war der
Name Kogler längst verklungen. Wahr«
haftig auf solch ein verschollenes Kunst,
lerleben passen die Worte Platen's:
„Was ich soll , wer löst mir diese
Frage? — WaS ich kann. wer gönnt
mir den Versuch? — Was ich muß,
wer lehrt mich, daß ich'S trage? — So
viel Mühen um ein Leichentuch!" Kein
Lexikon, nicht die 21 Bande Nagler'S
nicht der so umsichtige Tschischka ent-
halten Ko gle.r's Namen.
Wiener Feiertags » Vlä tter. Herausgege<
ben von Friedrich Förster, redigirt von vr.
F. C. Weidmann (kl. Fol.) 1838, Nr. 26
u. 27: „Ein Künstlerleben" Gunter obigem
Titel sind von diesem Journale nur 27 Num»
mem (Nr. 27 am 25. September) erschienen.
Die Fortsetzung desselben mit nächstem Quar«
tale wurde unter neuem Titel: „Allgemeine
illllstrirte Familienblätter" angekündigt^. —
Noch ein Plastik« desselben Namens, nämlich
Tobias Kogler, hat im achtzehnten Jahr«
hundert in Wien gearbeitet, und zwar die
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon