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deutsche Sprache erlernte, von Kremnitz
aber nach Neusohl, wo er Literatur und
Philosophie hörte, alles freilich nach
jenem dürftigen Zuschnitte, der damals
auf den ungarischen und auch auf anderen
Unterrichtsanstalten gang und gäbe war.
Um das Studium der Theologie zu be-
ginnen, begab er sich nach Preßburg, wo
er fünf Jahre unter Stanis la ides,
Fabri , B i ln ica, Gros und Zig»
mundy theologische Studien machte.
Dann ging er, wie es protestantische
Theologen zu thun pflegen, in's Ausland
und zwar wählte er die Universität Jena,
wo er die Vorlesungen von Danz ,
Fries, Gabler, Luden, Oken u.A.
hörte. Nach anderthalb Jahren verließ
er Jena und kehrte, indem er vor-
her noch eine Reise durch Deutschland
machte, 1819 nach Ungarn zurück. Am
12. October g. I . wurde er zu Biftlic
zum geistlichen Staude geweiht und dem
slavisch.deutschen Prediger der evangeli-
schen Gemeinde in Pesth, Johann Mol»
nar, als Diakon beigegeben. Nach M o l«
nar's baldigem Tode wurde K o l l a r
Prediger dieser Gemeinde. I n dieser aus
Deutschen und Slaven bestehenden Ge<
meinde gewannen die Ersteren die Ober»
Hand und beriefen bald, nachdem Kol lär
seinen Posten angetreten, einen deutschen
Prediger; Kol lär sollte auf diese Art
überflüssig und die Slovaken für den
deutschen Gottesdienst gewonnen werden.
K., Slave mit ganzer Seele, stellte diesen
Bestrebungen die ganze Kraft seines geist-
lichen Ansehens entgegen; ja als er
einsah, daß er unvermögend war, etwas
auszurichten, legte er freiwillig seine
Stelle nieder. Aber die Gemeinde ließ
ihn nicht ziehen und K. mußte im Amte
bleiben. Daß es unter solchen Umstanden
und bei der Zähigkeit, mit der einerseits
die höhere Cultur sich Bahn brach, andererseits der andere Theil an seiner
Berechtigung zu sein und sein Dasein
geltend zu machen, festhielt, nicht an
Reibungen und Zwiespalt fehlte, begreift
sich leicht; erst der kaiserliche Ausspruch,
daß die Slaven gleiches Recht an Kirche,
Pfarre und Schule, ferner die vollkommene
Freiheit erhielten, ihren eigenen Prediger
zu bestellen, und den Gottesdienst in ihrer
Sprache zu halten, machte den Kämpfen
ein Ende. K. blieb bis zum Jahre 1849
in seinem Amte als Prediger der slavi»
schen Gemeinde in Pesth. Im Jahre
1841 und zum zweiten Male auf Staats»
kosten im Jahre 1844 unternahm er
wissenschaftliche Reisen nach Italien, deren
Ergebnisse weiter unten bei seinen Schrif.
ten näher angeführt werden sollen. Im
März 1849 berief ihn die Regierung als
Vertrauensmann von Pesth nach Wien,
wo er auch, zum Professor der slavischen
Archäologie ernannt, bis an seinen Tod
blieb. Im Jahre 1830 unternahm er
noch auf Einladung des Großherzogs
vonMecklenburg-Strelitz eine Reise
dahin, um die aufgefundenen Götzen des
slavisch'heidnischen Tempels zu Rhetra
zu untersuchen und kritisch zu beschreiben.
Eine interessante Episode in seinem Leben
bildet die Geschichte seiner Liebe und
Ehe. der hier, bevor seine literarische
Thätigkeit gewürdigt wird, mit einigen
Worten gedacht sci. Als K. zu Jena
studirte, kam er in das eine Stunde von
Jena gelegene Städtchen Lobda, wo er
die Tochter des dortigen evangelischen
Predigers G. F. Schmidt. Wilhel«
mineFriederike, kennen lernte. Wenn
ihn das liebenswürdige Madchen schon
als solches fesselte, so wurde seine Theil«
nähme für sie eine um so größere, als er
im weiteren Verlaufe deS Gespräches
erfuhr, daß die Eltern, ungeachtet ihreS
echt deutschen Namens Schmidt, slavi»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon