Seite - 353 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Band 12
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Kolletschka 333 KMetschka
unbefangenen Jugend täglich mehr An-
erkennung und Vertrauen erwarb. Ein
lebhafter hartnäckiger Kampf entbrannte,
und die Verkünder der entdeckten Wahr-
heit, für welche augenscheinlich und ganz
überwältigend das Heer der Thatsachen
zeugte, liefen mehr als einmal Gefahr,
äußerlich unterliegen zu muffen. Die
eifrigen Jünger der menschenfreundlichen
Wissenschaft, den Werth dieser Anschauun-
gen filr die Erweiterung der Heilkunde
ahnend, und die hierdurch erworbene
Neberlegenheit am Krankenbette fühlend,
drängten sich zu dem schauerlichen Todten«
tempel, um hinter Isis schwerverhangten
Schleier zu blicken. Durch
sie verbreitete die
Kunde von den unerwarteten Aufschlüssen
sich allmälig zu ihren Bekannten auch in
den heimatlichen Provinzen, dann selbst
in das Ausland und über die Meere.
Fremde kamen herbei, alte Lehrer reihten
sich in den Kreis der Studirenden und
bald begnügte man
sich nicht mehr mit
den zufälligen abgerissenen Weisungen,
man wünschte zusammenhangenden voll«
standigen Unterricht. Hier war es der
schnell entschlossene Assistent Dr. Kol-
letschka, der mit seinem Eifer und leb«
haften Wesen den Gedanken faßte und
sofort ausführte, ordentliche Curse in
der Leichenkammer zu halten, die nach
einigen Wochen sich stets erneuerten und
selbst in den Ferien fortsetzten. Sein
gründliches Verfahren, die zutrauliche
vielseitige Mittheilsamkeit, die feurige
fortstürmende Rede fesselten die Zuhörer
an Person und Sache. Kolletschka
und kurz darauf die großen Nachfolger
seines Beispiels, die Gleiches betreiben»
den Collegen, waren bald in Aller Mund,
ihre bewunderten Namen erschollen in
den Gesprächen, Zusammenkünften und
Berichten der heranschwellenden Lehr«
linge. Vornehmlich in Prag fand der
v. Würz dach, biogr. Lexikon. XII. ^Ged Eifer für die Sache und ihren Fortschritt
den fruchtbarsten Boden, die einschlagen-
den spärlichen Schriften wurden ihrer
wenig einladenden Form ungeachtet wie
Fundgruben geschätzt und gegenwärtig
ist diese Richtung der Medicin allent-
halben die herrschende. Womit K. zumeist
Staunen erregte, war das ausgebreitete
Wiffen in oft sehr weit auseinander»
liegenden Fächern, sein gesundes Urtheil
über menschliche Dinge. sein durchgebil«
deter Geschmack und die Leichtigkeit, mit
der er überhaupt und beharrlich sich
Kenntnisse anzueignen pflegte. „Auf schrift.
stellerisckem Gebiete war K. eigentlich
nicht thätig; denn es ist von ihm nur die
Inauguraldissertation „O
l5" (Wien 1836) im Drucke erschienen.
Wohl gedenkt der Nekrolog des „Leip«
ziger Repertoriums" (1847, S. 80) einer
mit Di>. Ios. 8koda gemeinschaftlich
herausgegebenen Schrift über „Die
kerikHräitis in pathologischer und
diagnostischer Hinsicht" , die im Jahre
1839 erschienen sein soll; aber diese
Schrift wurde wohl lange beabsich«
tigt, jedoch als nicht mehr an der Zeit
endlich aufgegeben. Hingegen war K.
auf anderem Gebiete rastlos ihätig. Er
arbeitete bei der um jene Zeit angeord»
neten Hoscommission zur Reform des Stu»
dienwesens in der ihn betreffenden medi»
cimschen Abtheilung angestrengt mit, und
suchte den Umtausch der alten Formen
mit dem heutigen Bedürfnisse, durch
seine in freisinnigster Weise beantragten
Reformen zu fördern. Auch hatte er sich
einige Aufgaben zur künftigen Bearbei«
tung zurecht gelegt: z. B. die Erforschung
der Hundswuth, das Studium der Pest
in ihren Geburtsstatten, zu welchen er
eine Reise in den Orient vorhatte. Großes
Gewicht legte er auf Abfassung zweck»
r. iU. August i364.) 23
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon