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ling deS dortigen Seminars und kam
dann, für die geistliche Laufbahn be«
stimmt, nach Rom, wo er die philosophi-
schen und theologischen Studien hörte
und aus letzteren auch die Doktorwürde
erhielt. Nach seiner Rückkehr aus Rom
wurde er in Wien im Jahre 4699 zum
Priester geweiht, bald darauf Domherr
zu Gran, Titularbischof von Skutari und
4708 Bischof von Waitzen, wo noch
überall die Spuren deS türkischen Joches
sichtbar und tiefe Wunden zu heilen
waren. Der Graf stiftete daselbst vorerst
ein Plansten »Kollegium, ein Seminar
für die geistliche Jugend, vermehrte die
Zahl der Domherren und verbesserte ihre
Einkünfte. Im Jahre 1716 berief ihn
Kaiser Karl VI. auf den Bischofsitz nach
Wien. Als aber dieses Bisthum im Jahre
4722 zum Erzbisthum erhoben wurde,
erh ielt K., der Erste, das erzbischöflicbe
Pallium, welchem im Jahre 1727 von
Seite des Papstes Benedict XIII. die
Verleihung der Cardinalswürde folgte.
Bald darauf wurde K. Oberinquifitor
in Sicilien und 1738 Protector von
Deutschland. ErzbischofK. war sorgfaltig
bemüht, die gelockerte Kirchenzucht in
seiner Diöcese aufrecht zu erhalten und
manche dieselbe gefährdenden Miß»
brauche und Unfüge abzuschaffen. Zwei
Reisen, eine im Jahre 1730, die zweite
im Jahre 1740, nach Rom, hatte er im
religiösen Eifer, die Apostelgraber, zu
besuchen und der Papstwahl beizuwohnen,
unternommen, und war sorgfältig, soviel
es in seinen Kräften lag, bemüht, die
Einigkeit der Kirche aufrecht zu erhalten.
Die Kirche zu Ober-St. Veit nächst Wien
hat er erbauen lassen; in Wien erhob er
die Piaristen, für die er auch auf seiner
Herrschaft Freyberg bei Gleißdorf in
Steiermarkein Collegiumgestiftet, zu einer
Pfarre. Den Armen that er viel Gutes! und widmete ihnen auch seinen eigenen
Garten. Wenn es aber in mehreren Bio»
graphien heißt: „daß er zu Erben seines
ansehnlichen Vermögens die Waisen der
Stadt Wien einsehte", so ist das Phrase,
die sich durch das Folgende von selbst
widerlegt. Der Graf war der Letzte
seines Geschlechtes und dieses damit
dem Erlöschen nahe. Da wurde ihm
durch besondere kaiserliche Gnade vom
12. Juni 1728 auch die Erlaubniß
zu Theil, den Sohn der Halbschwester
seines Vaters, einer verheiratheten Baro»
nin Zay, Ladislaus Baron Zay
von Zajesda, adoptiren zu dürfen,
und zwar unter der Bedingung, daß er
seinen früheren Namen Zay ganz ablege
und nunmehr den neuen seines Adoptiv«
vaters ausschließlich annehme. Diesen
Adoptivsohn, der überdieß mit seiner
eigenen Muhme Maria Eleonora
Gräsin Kollonitz sich vermalt hat,
setzte der Erzbischof zum Universalerben
aller seiner Herrschaften und seines Ver>
mögenS ein. Im Jahre 1749, am
22. October, beging K. sein VOjähriges
Priesterjubiläum, welches Ihre Maje»
stäten mit ihrer Gegenwart verherrlichten.
Zwei Jahre spater starb er im Alter von
73 Jahren, indem er bis einen Tag vor
seinem Tode die h. priesterlichen Hand»
lungen, die er nie auszuüben unterließ,
verrichtete.
Austria. Oesterreichischer Universal «Kalender
(Wien, Klang, gr. 8«.) XI I . Jahrg. (lS51).
S. 73. — Die Biscköfe und Erzbischöfe
von Wien, aus den Manuscripten des sel. oer»
storbenen ?. Xystus Schier (Gratz 1786,
Kaspar Zaunrieth, 8<>.) S. 109—118. —
Ehrentempel der katholischen Geistlichen
(Wien 1845, Jacob Dirnböck, 8".) S. 168. —
Real is , Curiositäten» und Memorabilien«
Lexikon von Wien. Herausgegeben von An-
ton Köhler (Wien 1846, Zer. 8"<) Bd. I I ,
S. 110. — Porträt. <s. van Ni-uFFsn so.
, schönes und seltenes Blatt.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon